86 die Katze nichts mehr, auch ihre Augen leuchten nicht. Wir stellen also fest: Schwarz ist das Fehlen jeder Farbe. Ist der Weltenraum schwarz? Die Welt= raumfahrer bestätigen uns, daß mit steigender Höhe der Himmel immer schwärzer wird. Man meint, dies sei ganz unmöglich, weil doch das Licht der Sonne ständig den Raum durchsetzt. Es müsse im Gegenteil überall im Weltraum hell sein, so= lange kein Schatten vorhanden ist. Nun, auch der Kinosaal ist dunkel, trotzdem das Licht hindurch 3 geht. Nur die Leinwand ist hell, weil dort das Licht auftxiffi und zurückgeworfen wird. Die Licht= strahlen selbst sind nicht sichtbar, solange sie nicht irgendwo auftreffen. Wenn wir trotzdem das Scheinwerferbündel zum Teil sehen, so nur des= halb, weil die Luft Staubteilchen enthält, Rauch, Dunst, winzige Schwebeteilchen, die das Licht zu= rückwerfen. Im luftleeren Raum bleiben die Licht» strahlen unsichtbar. Fällt Licht auf eine absolut schwarze Fläche, so wird von dieser das gesamte Licht aufgesaugt (absorbiert), kein Strahl wird zu= rüdegeworfen, und die schwarze Fläche wird uns nur kund und nur „negativ" sichtbar, weil sie in eine nicht-schwarze Umgebung eingebettet ist, die rundherum das „Lichtloch" erkennen läßt (Abbil ­ dungen 1 und 2). „Der Schatten und das Strahlende". Auch der Film hat gelegentlich in phantastischen Szenen Tricks zur Unsichtbarkeit gezeigt: z. B. ein Fahrrad, des ­ sen Fahrer unsichtbar ist, fährt völlig selbständig durch die Straßen, man sieht Autos, die ohne Füh ­ rer dahinsausen.. „Der Unsichtbare" (Harry Piel) braucht kein Geld, er kann sich jede Ware unmit ­ telbar nehmen, er kann alles hören, alles belau ­ schen, überall hinreisen, Gutes und Böses tun. Wer sich unsichtbar machen kann, könnte zum Herrn der Welt werden. Was Wunder, daß er an seinem eigenen Größenwahnsinn schließlich zugrunde geht. Also vollkommen durchsichtig ist gleichbe ­ deutend mit unsichtbar, alles Licht geht durch den Körper hindurch. Vollkommen schwarz ist gleichbleibend mit negativer Sichtbarkeit, d. h. das Schwarze wird durch die Umgebung erst sicht ­ bar, alles Licht wird aufgesogen, der Körper wirft daher einen Schatten. Wird das Schwarze aufgehellt, so kommen wir zum Grau. Dabei ist zunächst noch nicht die Rede von Farbe. Das Aufhellen erfolgt durch Weiß. Für Goethe waren Schwarz und Weiß die Ausgangs ­ punkte seiner Farbenlehre: „Die Finsternis und das Licht." Weiß ist die Farbe des Lichts. Sofort aber müssen wir fragen: Was für Licht? Für Goethe kam Abb. 1 u. 2: Absolutes Schwarz eines finsteren Loches (links), ein schwarzer Körper, der die Lichtstrahlen verschluckt (rechts) In diesem Zusammenhang sei das Problem der Un ­ sichtbarkeit gestreift. Unsichtbar muß uns ein Ge ­ genstand bleiben, der das auf ihn fallende Licht vollkommen hindurchläßt. Eine ideale Glasscheibe ohne den geringsten Fehler ist vollkommen durch ­ sichtig. Würden wir nicht ihre Ränder sehen und sie aus Erfahrungen kennen, so ginge es uns nicht anders als den Insekten: Wir würden uns den Kopf an ihr einrennen. Ein unsichtbarer Körper wirft keinen Schatten. Viele hübsche Märchen und phan ­ tastische Romane beschäftigen sich mit dem Un ­ sichtbaren, H. G. Wells: „Der Unsichtbare", Jules Verne: „Wilhelm Storitz Geheimnis", Jack London: nur natürliches Licht, das Sonnenlicht, in Frage, denn damals lag die künstliche Beleuchtung noch arg im „Trüben". Heutzutage aber scheint es be ­ rechtigt, die Farbe auch der künstlichen Lichtquel ­ len zu studieren. Nicht zuletzt wurde bei den Atom ­ bombenexplosionen Licht entwickelt, heller als Sonnenlicht, wie uns Beobachter erzählen: „Die Lichteffekte spotteten der Beschreibung. Das ganze Land war erhellt von einem versengenden Licht, dessen Stärke viele Male größer war als die der Mittagssonne. Es leuchtete in goldenen, pur ­ purnen, violetten, grauen und blauen Farben. Es erhellte jeden Gipfel, jede Spalte und jeden Fels ­