81 Zunder nicht sehr geschickt und am äußersten Ende, vielleicht sogar mit der Lampe angesteckt, dann sprühte das Pulver heraus und brachte durch den kurzen Halm sogar den Schuß zur Entladung, noch bevor sich der Bergmann in Sicherheit bringen konnte ... Für die Helmzündung auf den bayerischen Gruben im Saarrevier benutzte man keine Strohhalme, son= dein konische Papierröllchen, die sogenannten Hel= me, die ebenfalls zu Hause vorbereitet werden mußten. Das Papier wurde stark durchfeuchtet, auf einer Seite wurde feines Schwarzpulver gestreut und aufgedrückt. Diese Seite wurde nach innen konisch so gerollt, daß am einen Ende eine Spitze, am anderen Ende eine Öffnung blieb, die man beim Transport zukniffte. Diese Helme hatten den Vor= zug, daß man sie bei tiefen Bohrlöchern in belie= biger Länge zuschammenschachteln konnte und trotzdem keine Versager vorkamen. Das Aneinan= dersetzen der Halme führte dagegen fast immer zu Versagern und war verpönt. . ." Soweit die Aus= führungen Keuths. Verbote bei der Schießarbeit Eine Strafordnung für die Arbeiter auf den Gruben im Bergamtsbezirk Saarbrücken vom 5. Februar 1842 zeigt die schon hier geltenden Verbote bei der Schießarbeit auf. Es heißt da u. a.: „11. Wer beim Besetzen der Bohrlöcher das Pulver lose, und ohne Patrone in das Loch schüttet, wird das erste Mal in eine Strafe von 10 Sgr., das zweite Mal von 20 Sgr. und das dritte Mal von 1 Thlr. genommen. 12. Wer die Patrone anders, als mittels gefüllter Halme anzündet (mit Raketen etc.), wird das erste Mal auf drei Monate, das zweite Mal auf sechs Monate, und das dritte Mal für immer abgelegt. 13. Wer die beim Schießen zu gebrauchenden Halme in der Grube füllt, wird das erste Mal in eine Strafe von 2 x l-i Sgr., das zweite Mal von 5 Sgr. und das dritte Mal von 10 Sgr. ge= nommen. 14. Wer sich beim Schießen eiserner Räumnadeln bedient, bezahlt das erste Mal eine Strafe von 5 Sgr., das zweite Mal von 10 Sgr. und wird das dritte Mal auf 4 Wochen abgelegt; in je= dem Falle wird die eiserne Räumnadel confis= cirt. 15. Derjenige Bergmann, der das in Empfang ge= nommene Pulver nicht in einem, ledernen Beu= tel aufbewahrt, wird zum ersten Male mit 10 Sgr., zum zweiten Male mit 20 Sgr. und zum dritten Male mit einem Thaler bestraft .. Die Zündung erfolgte also anfangs mit dem Schwe= felfaden, der durch die Halm= und Helmzündung abgelöst wurde. Diese wiederum hat sich bis um die vergangene Jahrhundertwende erhalten, jedoch wurde daneben für die brisanten Sprengstoffe die Zündschnur geschaffen. Diese bestand zunächst aus einer Pulverseele und einem leichtentzündlichen und meist mit einer Flamme verbrennenden Gutta= percha=Uberzug. Damit hatte man zwar die Halm= und Helmzündung durch mechanisch hergestellte Zündvorrichtung ersetzt, aber sicherer war dies keineswegs. Diese Zündung hatte jedoch den Vor= teil, daß man sie in nassen Betrieben verwenden konnte, wo Halme und Zündschwamm versagten. Deshalb verwendete man auch in nassen Betrieben Zündschnurzündung, wenn mit Pulver geschossen wurde. Gegen 1890 wurde für die Zündschnur eine unbrennbare Hülle aus einem mit Blei getränktem Gewebe entwickelt. So standen Zündschnurzündung und Halmzündung etwa zwei Jahrzehnte nebenein= ander. Wenn wir heute beim Schießen den Ruf „Es brennt!" hören, dann wissen wir, daß er in berg= männischer Arbeit seinen Ursprung hat — einer rief es dem andern zu, als Zunder oder Zündschnur brannten, damit sich jeder in Sicherheit bringe. „Der Kater schnurrte" Zur Zündung des gegen 1867 im Saarbergbau ver= suchsweise eingeführten Dynamits, der bald die verschiedensten Zusammensetzungen erfuhr, waren mehr oder minder starke Zündhütchen (Zündkap= sein) erforderlich. Ab 1872 trat ein stärkerer Ver= brauch der sogenannten brisanten Sprengstoffe ein,