74 endlich, die Förderung wieder in Gang zu bringen. Das war, erkennt Knorzer an, nur möglich durch das uneingeschränkte Vertrauen, das die Arbeiter in ihn setzten, die er nur mit der Vertröstung auf die künftige Förderung bezahlen konnte. Ein schö= nes Lob für den Saarbergmann schon in der da= maligen Zeit. Wenn auch Knorzer dem Distrikt von Monat zu Monat bessere Rechnungsabschlüsse einsenden konnte, so sollte doch seine Stellung bald unhalt= bar werden. Nach und nach waren 10 Gruben in Gang gekommen, die für Rechnung der Republik ar= beiteten: Dudweiler=Sulzbach, Wellesweiler, Kohl* wald, Illingen, Wahlschied, Rußhütte, Gersweiler, Großwald, Reisweiler und Exweiler. Außerdem eröffneten nach und nach auch die verpachteten Gruben von Schwalbach, St. Ingbert und Geislau* tern wieder ihren Betrieb. Im Durchschnitt arbei* teten während der Amtszeit Knorzers 360 Arbeiter in den 10 Staatsgruben, doch war die Zahl der Ar= beiter schwankend; einmal hat Knorzer auch 50 Kriegsgefangene als Arbeiter angefordert. Eine Ertragsziffer aus dieser Aufbauzeit zu geben, ist unmöglich. Im September 1795 wurde der Distrikt Sarrelibre aufgehoben und durch die Generalverwaltung der besetzten Länder zwischen Rhein und Mosel unter Leitung des Bürgers Bella ersetzt. Im Dezember 1795 wurde Knorzer entlassen und verhaftet. Man warf ihm Fehler in der Rechnungslegung vor. Knorzer selbst, der in seinen Beschwerden bis zum Innenministerium in Paris vordrang, weist freilich diese Anschuldigungen in der schärfsten Form zu* rück und behauptet, man habe ihn nur beseitigt, um einen Verwandten von Bellas Sekretär an seine Stelle zu setzen. Wer hat recht? Erst von der Firma Equer wurde Knorzer später wieder mit et= was bescheidenerem Aufgabenkreis eingesetzt. An die Spitze der Grubenverwaltung wurde ein gewisser Zimmermann berufen, dem als tech* nischer Inspektor ein Ingenieur Watremetz beigeordnet wurde. Watremetz, dem alle Gruben und Hütten zwischen Rhein und Mosel unterstan* den, war zwar ein recht fleißiger Mann, aber er war kein großer Geist und hatte zudem nur wenig Erfahrung im Bergbau. Langsam war inzwischen die Förderung gestiegen und hatte mit 17 000 — 22 000 t (die Zahlenangaben für diese Jahre schwanken) wieder knapp die Hälfte der Jahresförderung des Jahres 1792 er* reicht. Inzwischen wurde Bella entlassen und die General* direktion aufgelöst. Dadurch gelang es der Firma Cerf Zacharias aus Metz, in einem mit General Moreau abgeschlossenen Vertrag die Pacht aller Gruben und Hütten im vormals nassauischen Ge= biet zu erhalten. Außerdem aber verhandelte eine Firma J. B. Equer & Co mit dem Finanzministe* rium in Paris und erhielt tatsächlich am 5. Thermi* dor des Jahres V (23. 7. 1797), trotzdem sie kein günstigeres Angebot abgegeben hatte, die Pacht der Gruben und Hütten auf die Dauer von 9 Jah* ren. Seltsam ist es, daß General Moreau keinen Widerspruch dagegen erhob und daß die Firma Cerf ohne jeden Anspruch auf Entschädigung von ihrem Vertrag zurücktrat. Das macht es fast zur Gewißheit, daß es sich bei den beiden Firmen um den gleichen Kreis von Industriellen und Kapital* gebern gehandelt hat. Man kann sagen, daß der erste Versuch, die Gru* ben unter staatlicher Verwaltung auszubeufen, fehlgeschlagen war. Schuld daran sind die anor* malen politischen und militärischen Verhältnisse in dieser Zeit. Als die Firma Equer ihren Pachtvertrag antrat, war die Lage bereits entscheidend geändert. Mili* tärische und politische Einflüsse haben den Betrieb nicht mehr gestört. Nur vorübergehend wurde 1801 auf Grund des Friedens von Luneville die Sequesterverwaltung über die vormals nassauischen Gruben aufgehoben. Die Gruben wurden den Er* ben des Fürsten, der Herzogin von Braunschweig* Bevern und der Marquise de Soyecourt zugespro* chen. Aber bereits nach zehn Monaten wurden die Gruben wieder in das Eigentum des französi* sehen Staates übergeführt. Der Pachtvertrag der Firma Equer wurde dadurch nicht beeinflußt. Die Pachtsumme, die die Firma Equer bezahlen mußte, wurde auf insgesamt 71 000 Livres fest* gesetzt. Davon entfielen auf Dudweiler=Sulzbach 14 000, Wellesweiler 21 000, St, Ingbert 12 000, Schwalbach 9000, Gersweiler 5000, Großwald 4000, Rußhütte 3000, Wahlschied, Kohlwald und Illin* gen je 1000. Vorübergehend wurden die Einkünfte von acht dieser Gruben als Dotation für die Ehren* legion verwandt. Die Gesellschaft war verpflichtet, den Gemeinden die Kalk* und Hausbrandkohlen und den Hütten und Fabriken die bisher bezogenen Kohlenmengen zu den bisherigen ermäßigten Prei* sen zu liefern. Mit Erlaß vom 24. Germinal Jahr VI (14. 4.1798) wurde die Verwaltung der Gruben und Hütten für die vier neuen Departements als staatliche Auf* Sichtsbehörde eingerichtet. Sie bestand aus einem Inspektor und zwei Beisitzern. Inspektor wurde Watremetz, der die gleichen Aufgaben schon vor* her hatte. Sein Adjutant wurde Balthasar Wilhelm Stengel, der Sohn des großen Saarbrücker Baumeisters Friedrich Joachim Stengel, ehemaliger fürstlicher Oberbaudirektor und Kammerrat und nach 1815 preußischer Oberregierungsrat. Watre* metz blieb bis zur Aufhebung seines Postens im