43 Planmäßige Gasabsaugung auf der Grube Luisenthal Von Dipl.-Ing. Reinhardt Schmidt I. Es ist jedem Bergmann bekannt, daß beim Abbau der Kohle Grubengas frei wird, auch Methan oder, in der Formelsprache der Chemiker, CFU genannt. Dieses Gas hat sich im Laufe der Bildung der Kohle bei der Vermoderung der Pflanzenreste unter Luft ­ abschluß gebildet und ist heute in wechselnder Menge an die Kohle angelagert. Beim Abbau der Kohle treten starke Druckkräfte auf, die die Kohle und das Nebengestein zerklüften und dabei das die Kohle begleitende Grubengas freimachen. Das Gru ­ bengas tritt in den Wetterstrom über. Hier kann nun Grubengas gefährlich werden, denn es hat die Eigenschaft, mit der Luft explosionsfähige Gemische zu bilden (Schlagwetter). Methan-Luftgemische kön ­ nen zu Explosionen führen zwischen etwa 5 und 14 % Methananteil. Unter 5 % ist zu wenig Methan, über 14% zu wenig Luftsauerstoff zu einer Explo ­ sion vorhanden. Um die Explosionsgefahr zu bannen, darf gemäß den bergbehördlichen Vorschriften unter Tage der Methangehalt der Grubenwetter 1 % nicht überstei ­ gen. Der Grubengasgehalt wird mehrmals täglich kontrolliert, um alle auftretenden Veränderungen sofort feststellen zu können. Gruben mit starkem Grubengasanfall hatten bis zur Entwicklung der Grubengasabsaugung mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen. Um die austretenden Gasmengen bis zu dem vorgeschriebenen Wert von 1 % CH« zu verdünnen, mußten große Wettermen ­ gen herangeführt werden. Das brachte andererseits erhebliche Nachteile mit sich. Die hohen Wetter ­ mengen erforderten am Ventilator eine besonders hohe Depression (Sog), die nun wieder Schleich ­ ströme und Wetterkurzschlüsse in alten Bauen und Kohlenpfeilern und damit die Entstehung von Brän ­ den begünstigte. Grubenbrände, an meist völlig un ­ zugänglichen Stellen, sind sehr gefährlich, weil dabei Kohlenoxyd entsteht, das schon in sehr klei ­ nen Ansammlungen zu schweren Vergiftungen führt. In einer Schlagwettergrube ist ein Brand besonders bedenklich, weil in diesem Falle die Voraussetzun ­ gen für eine Explosion, ein zündfähiges Grubengas ­ gemisch und eine Zündquelle, der Brand, vorhanden sein können. Daneben führen hohe Wettermengen in den Grubenbauen zu einem starken Wetterzug (Wettergeschwindigkeit), der, wie man sich vorstel ­ len kann, vom Bergmann als unangenehm empfun ­ den wird. Manchmal war es auch durch hohe Wettermengen nicht möglich, die geforderte 1 %-Grenze zu halten. Es blieb dann nichts anderes übrig, als die Kohlen ­ förderung zu drosseln oder ganz einzustellen, bis sich die Ausgasung verringert hatte. Daß diese oft beträchtlichen Förderausfälle die Wirtschaftlichkeit des Abbaues erheblich verschlechterten, bedarf wohl keiner Erläuterung. Es ist deshalb nicht verwunderlich, daß eine Schlag ­ wettergrube wie die Grube Luisenthal, in ihrer Ent ­ wicklung stark gehemmt war. Die starken Aus ­ gasungen ließen nicht immer eine regelmäßige För ­ derung und einen planmäßigen Abbau zu. Dazu kamen häufige Brände, die zu langen und kost ­ spieligen Abdämmungsarbeiten zwangen. Schieß ­ arbeit war zuerst gar nicht, später nur mit großen Einschränkungen gestattet. Unter diesen Umstän ­ den konnte ein größerer Ausbau der Anlage lange Zeit nicht durchgeführt werden. II. Eine entscheidende Änderung trat erst in den Jahren 1948 bis 1949 durch die Entwicklung der Gasab ­ saugung ein. Der Grundgedanke der Gasabsaugung ist ebenso einfach wie genial. Das beim Abbau der Kohle freiwerdende Grubengas wird in konzentrier ­ ter Form abgesaugt, bevor es in den Wetterstrom übertreten kann und durch eine Rohrleitung nach über Tag geleitet wird. Es ist dabei zwar nicht mög ­ lich, das Gas des im Abbau stehenden Kohlenflözes abzufangen, aber man weiß schon seit längerer Zeit, daß ein Teil des beim Abbau eines Flözes freiwer ­ denden Gases nicht aus dem Flöz selbst, sondern aus den über und unter dem Flöz liegenden Kohlen ­ streifen und Nebenflözen kommt. Auch diese Koh ­ lenbänke im Hangenden und Liegenden unterliegen den Einwirkungen des Abbaudruckes und geben ihr Gas ab, das dann durch die Klüfte und Setzrisse des Gesteins in den Wetterzug gelangt (Abb. 1). Bei der Gasabsaugung wird ein Bohrloch oder eine Strecke zu diesen Kohlenbänken getrieben und das Gas abgesaugt.