76 in das Versteck hineinziehen. „Lauf ins Versteck und sage ihnen, daß wir mit den Glocken hier sind. Wir kommen bald nach." Michel Reimsbacher springt davon. Er kennt ja das Versteck. Die Männer sind unterdes dabei, die Glocken zu vergraben. Sie ins hochgelegene Versteck zu schlep* pen, hätte zu großer Anstrengungen bedurft. Bald ist die Arbeit getan. Die Glocken ruhen sicher in der Heimaterde. Die Männer sind eben dabei, jedes verräterische Zeichen am Boden zu beseiti* gen, als urplötzlich Schweden und Franzosen auf= tauchen. Entsetzen packt die Tapferen. In letzter Minute sind sie von den Marodeuren gestellt worden! Nur ein paar Herzschläge lang dauern sprachloses Ent= setzen auf der einen und hohnvolles Grinsen auf der anderen Seite. Dann lacht die Soldateska wild auf: „Wo Frauen und Mädchen? Wo Vieh?" In diesen Augenblick wissen die zwölf Männer, daß die Strauchdiebe von dem Vergraben der Glocken nichts bemerkt haben. Des= halb geben sie gelassen zur Antwort: „Fort!" — „Wo?" Die zwölf zucken die Schul= tern. Da wird der erste er= schlagen. „Wo Frauen und Mäd= chen?" Die elf zucken die Schultern. Da wird der nächste erschlagen. „Wo Vieh?" Die zehn zucken die Schultern. Die entmenschte Horde erkennt, daß säe von den Männern nichts erfah= ren wird. Und, noch voll des roten Mordens in Los= heim, erschlägt sie alle Männer, daß deren Blut in die Erde dringt und über die Glocken läuft, sie da= mit noch im Tode grüßend. Das Teufelsgelichter aber geht johlend davon. UI. ges das Dorf ihrer Väter neu aufbauten, wußten sie wohl, daß die Glocken im Waldesgrund der „Hak* kenbach" versteckt lagen. Die genaue Stelle aber fand niemand mehr bis auf den heutigen Tag. Über Nunkirchen läuten heute andere Glocken, deren eherne Münder lauter rufen als die von damals, als der Schwede kam. Und doch vermag man auch heute noch die Stimmen der alten Glocken zu hören, über die das Blut der zwölf tapferen Männer geflossen ist. Die Überlieferung kündet, daß ein Glücklicher am Fronleichnamstage, wenn der Heiland durch die Straßen getragen wird, die Glocken von der „Hackenbach" her hören kann. Ganz leise zwar, da sie doch so tief im Boden liegen, aber doch vernehmbar. Sie bitten den, der sie hört, für die Seelenruhe der Gemor= deten und aller toten Nunkirchener zu beten. Das klingende Nachspiel Von denen die damals ge= flohen waren, ist keiner mehr in das Heimatdorf zurückgekehrt. Als ihre Nachkommen später nach dem Ende des großen Krie= „Wo Frauen und Mädchen, wo Vieh?", wollen die Strauchdiebe wissen. Und als die entmenschte Horde erkennt, daß sie von den Männern nichts erfahren kann, da wird der erste der Tapferen erschlagen . . .