16 A) Versandbetriebe 1. Verwiegung: Als erstes zur Automatisierung der Verwiegung ist zwischen einer Wäsche und der dazugehörigen Kokerei eine automatische Band ­ waage eingerichtet. Sämtliche Kohlensorten werden getrennt von einem eigenen Zubringerband über die Bandwaage in die Kokerei befördert. Durch Verriegelung der Druckautomatik mit den Zubrin ­ gerbändern werden die einzelnen Kohlensorten ge ­ trennt verwogen und registriert. Der Mensch steu ­ ert in diesem Falle nur noch die Aufgabe der Koh ­ len zur Kokerei, sämtliche anderen Regel- und Steuervorgänge sowie Verwiegung einschließlich Registrierung werden ihm von der Automatik abge ­ nommen. 2. Verladung: Der größte Teil der expedierten Kohle wird mit der Eisenbahn verschickt. Die Ver ­ teilung der Waggons und Zusammenstellung der Züge und Waggongruppen erfolgt durch Rangier ­ lokomotiven der Grube. In einem Grubenbahnhof, von dem gleichzeitig auch eine Kokerei bedient wird, sind in den Loks Rangierfunkanlagen einge ­ setzt. Durch diese Anlagen wird nicht nur die Ran ­ gierarbeit wesentlich verkürzt, sondern auch die Sicherheit des Menschen im Rangierbetrieb er ­ höht. Besonders bei starkem Nebel stehen nun die fahrenden Rangiereinheiten untereinander und mit der Leitstelle in Sprechverbindung, so daß Zu ­ sammenstöße weitestgehend vermieden werden. Durch Einsatz von Rangierwinden, die vom Wiege ­ meister bedient werden, wird die gefährliche Ar ­ beit des Waggonverschiebens unter der Wäsche und Sieberei vereinfacht. B) Aufbereitung (Wäsche und Sieberei) Die Aufbereitung ist ein geschlossener Betrieb innerhalb des Grubenbetriebes. Daher ist auch in der Aufbereitung wieder Glied an Glied zu reihen, bis auch hier die Kette der Automatisierung ge ­ schlossen ist. Bei der Saarberg sind schon mehrere Schwerflüssigkeitswäschen in Betrieb, die die müh ­ same Handklauberarbeit an den Lesebändern über ­ nehmen. Da diese Versuche bereits abgeschlossen sind, wurde über das Wesen und Prinzip dieser Anlagen schon öfters ausführlich berichtet, über die übrigen Teilprojekte der Aufbereitungsbetriebe (wie z. B. automatische Regelung der Wäscheauf ­ gabe, automatische Überwachung der Bunker, selbsttätige Einstellung der Bänder in diese zu fül ­ lende Bunker, Wichte-Regelung in den Schwerflüs ­ sigkeitswäschen und zentrale Überwachung aller Betriebsvorgänge von einem Zentralleitstand) sind noch Planungen und Vorversuche im Gange, über die zu gegebener Zeit noch zu berichten sein wird. C) Transport vom Schacht zur Aufbereitung Bei Skipschächten (Gefäßförderung) ist die Ent ­ ladung der Gefäße kein Problem. Durch Fernanzeige und Verriegelung der Bänder ist hier die Vorstufe zur Automatisierung beereits erreicht. Bei Gestell ­ schächten und zum Beladen der Gefäße sind auto ­ matische Wipper eingesetzt, die sämtliche Regel ­ und Steuervorgänge selbst ausführen. D) Schachtbetrieb Seit einiger Zeit setzt sich die automatische Förder ­ maschine immer mehr durch. Gerade im Schacht sind die Steuer- und Regelvorgänge immer diesel ­ ben, so daß sich die Automation der Förderma ­ schine geradezu angeboten hat. Zwei Anlagen sind bei uns bereits in Betrieb, während mit der Mon ­ tage der dritten Anlage demnächst begonnen wird. E) Kohlen- und Bergetransport unter Tage Durch Verriegelung der Bandanlage (Band- und Haufwerksüberwachung) ist die automatische För ­ derung der Kohle und Berge in weitem Umfange durchgeführt. An Wendelrutschen und Bunkern sind Bunkerstandsüberwachungen eingebaut, die bei Verstopfungen und Füllung die nachgeschalteten Fördermittel stillsetzen und durch eine Warnan ­ lage das Bedienungspersonal verständigen. F) Wasserhaltung Der Idealfall ist eine vollautomatische Wasserhal ­ tung, die ähnlich arbeitet wie die Wasserwerke. Die Schwierigkeit, die hier zu überwinden ist, sind die großen Drücke, die durch die Förderhöhe hervor ­ gerufen werden. Eine vollautomatische Wasserhal ­ tung ist in Planung. Die Vorversuche (Überwachung der Pumpe und des Motors sowie des Wasserstan ­ des) sind bereits abgeschlossen. Die Automatisierung hat sich aus der Elektrifizie ­ rung und Mechanisierung derart weiterentwickelt, daß die bisher üblichen Denkaufgaben des Zählens, Wiegens, Messens, Sortierens, Kontrollierens, Überwachens, Steuerns und Regeins von Meß ­ instrumenten übernommen werden und mit Hilfe der Elektrotechnik, Pneumatik und Hydraulik die Fern ­ steuerung betätigen. Die Belegschaft muß sich mit den neuen techni ­ schen Erkenntnissen vertraut machen. Es wird ein höheres Ausbildungsniveau vorausgesetzt. Die Automation ist keine Revolution, die Arbeitslosig ­ keit nach sich zieht, sondern sie soll dem Men ­ schen die körperliche und geistige Arbeit erleich ­ tern; sie soll aber auch die Wirtschaftlichkeit er ­ höhen und dadurch mit dazu beitragen, die Kon ­ kurrenzfähigkeit der Kohle mit den anderen Ener ­ gieträgern zu erhöhen.