133 Verrottung der Pflanzenteile höher, sodaß die Ausstiege nicht so schnell zufrieren können. Der Bisam ist ein ausgesprochener Pflanzen ­ fresser. Die weichen und fleischigen Teile und auch die Wurzeln der verschiedensten Wasser ­ pflanzen dienen ihm zur Nahrung, also Kalmus, Schachtelhalm, Rohrkolben, Binsen, Seerosen, Iris, Riedgräser, Schilfrohr und ander®. Weidenzweige werden gerne benagt. Der Bisam verschmäht aber auch Kulturpflanzen nicht, die er nahe am Ge ­ wässer findet. An tierischer Nahrung werden lediglich Krebse und sehr gerne Muscheln ange ­ nommen. Ausnahmsweise findet man auch einmal einzelne Tiere, die eine Vorliebe für Fischnahrung zeigen, doch ist das selten der Fall. — Obwohl der Bisam zu den Wühlmäusen gehört, benagt er die Wurzeln der Obstbäume nicht, wie die nahe ver ­ wandte und deswegen gefürchtete Wühlmaus! Der Bisam kommt im allgemeinen nur von Ein ­ bruch der Dämmerung an aus seinen Bauen her ­ vor. Man bekommt ihn daher normalerweise nur selten zu Gesicht, und es ist dadurch auch zu er ­ klären, daß der Bisambefall meist erst längere Zeit nach der Zuwanderung der Tiere bemerkt wird. Findet man aber mit schräger Abbißstelle ver ­ sehene Pflanzenteile einzeln oder in Bündeln auf dem Wasser schwimmend, die den oben genann ­ ten Pflanzenarten angehören, dann kann mit ziem ­ licher Sicherheit auf das Vorhandensein des Bisams geschlossen werden. Es besteht natürlich auch die Möglichkeit, daß abgemähte Pflanzenteile herum ­ schwimmen, daß ferner Wassergeflügel Pflanzen oder Pflanzenteile ausgerissen hat, die herum ­ schwimmen und daß schließlich feinere Gräser ab ­ gebissen auf dem Wasser schwimmen. Letztere stammen allerdings von der Wühlmaus, die eben ­ falls häufig direkt am Wasser anzutreffen ist. Dieser Verbiß ist jedoch viel feiner. Häufig findet man in Gewässern mit vielen Treib- und Schwimm ­ pflanzen regelrechte Schwimmstraßen, die der Bisam immer wieder benutzt. Sie können aller ­ dings auch vom Wassergeflügel herrühren. Leere Muschelschalen am Ufer lassen gleichfalls Ver ­ dacht auf das Vorhandensein des Bisams auf- kommen. Der Bisam hält keinen Winterschlaf. So kann man auch unter der Eisdecke sein lebhaftes Trei ­ ben an Ketten von Luftblasen erkennen, die aus seinem Fell stammen und sich unter der Eisdecke gut abheben. Vom Laien wird der Bi ­ sam gerne mit der Nutria oder dem Sumpfbiber ver ­ wechselt, jenem viel grö ­ ßeren Nagetier, das als Pelztier auch hier im Saar ­ land häufig in Farmen ge ­ halten wurde und von dort aus vielfach die Frei- , heit erlangte. Die Nutria unterscheidet sich vom Bi ­ sam, abgesehen von der bedeutenderen Größe (Körperlänge 40 bis 45 cm, Schwanz 30—40 cm), deutlich durch die Beschaffenheit des Schwanzes Der Schwanz der Nutria ist drehrund und dichter behaart. Die Füße sind ebenfalls verschieden groß, doch hat die Nutria Schwimmhäute an den Hinte • füßen. Die großen Nagezähne der Nutria sind gelbrot und breit und treten deutlich hervor. — Es kommt auch vor, daß junge Bisame mit der Wühlmaus verwechselt werden. Eine Wühlmaus mißt nur 12—19 cm für den Körper und 5—12 cm für den Schwanz, der außerdem drehrund ist. Die Wühlmaus besitzt keine verschieden großen Vor ­ der- und Hinterfüße wie die beiden beschriebenen Tierarten. Der Bisambefall im Saarland, der seit 1956 be ­ kannt ist, sich nachträglich aber bis 1953, aller ­ dings nur durch einzelne Meldungen, zurückver ­ folgen läßt, nimmt seinen Ursprung von Frank ­ reich her, insbesondere aus dem Departement Moselle. Über alle Cewässer, also Saar, Blies, Bist, Nied und Mosel und kleinere Zuflüsse vom We ­ sten her, ist das Tier ins Saarland eingedrungen. Die Ploda wasserkatastrophen der letzten Jahre haben die Ausbreitung des Bisams sehr stark be ­ günstigt und dazu beigetragen, daß er entlang der Mosel bis zum Rhein hin Vordringen konnte. Der Bisam muß mit allen zur Verfügung stehen ­ den Mitteln bekämpft werden. Dazu gehört vor allem die aufmerksame Beobachtung der Bevölke ­ rung, die ihr verdächtig erscheinende Feststellun ­ gen, die auf das Vorhandensein des Bisams schlie ­ ßen lassen, über die zuständige Polizeistelle an die Landwirtschäftskammer melden muß. Auch alle von ihr erlegten oder tot gefundenen Tiere sind auf diesem Wege zu melden. Werden Tiere fes(gestellt, so muß versucht werden, sie zu töten. Das kann durch Erschlagen mit Stöcken oder Steinen, eventuell auch Abschuß durch Jagdberech- ligte und bei Anglern durch Fischreusen geschehen. Abb. 2: Schema eines Bisambaus