65 H icht nur Völker und Volksstämme weisen Eigenarten im Gruße auf, sondern auch in ­ nerhalb derselben wiederum Berufssparten, Ver ­ einigungen, Sportzwedge und dergleichen. So hat bei uns der Bergmannsstand neben seinem Wap ­ pen, in dem sich ein Gottvertrauen in Gestalt des gekreuzten Schlägels und Eisens wiederspiegelt, auch seinen eigenen Gruß. „Glückauf“ schallt es voll Kraft und Emst vor der Anfahrt, „Glückauf“ klingt es froh und leicht nach vollbrachter Schicht. Kurz klingt dieses Glückauf und doch liegt ein Wold- laut darin, der angenehm berührt, etwas Anhei ­ melndes, Vertrauenvolles schwingt mit. Der Berg ­ mann liebt seinen Gruß, der so unmittelbar das Innere des Menschen anspricht. Würde man heute einen Bergmann nach dem Sinn des Grußes fragen, so gäbe er wahrscheinlich zur Antwort, daß derselbe aus dem Wort klar ersichtlich sei — nämlich „glückliche Auf- oder Ausfahrt“. In diesem Sinne wird auch von Be ­ rufsfremden der Gruß zumeist gedeutet, obwohl der ursprüngliche Sinn von diesem ab weicht. Während die eigentliche Bergmannssprache bis in die Anfänge des Bergbaues überhaupt zurück ­ reicht, sucht man vergebens im älteren bergmän ­ nischen Schrifttum nach der Erwähnung des Berg ­ mannsgrußes. Verschiedentlich räumt man dieser Grußform ein weit zurückreichendes Alter ein, so ­ gar manche Dichter unterliegen einer Altersüber ­ schätzung. So zum Beispiel Theodor Körner in seinem sonst meisterhaften Gedicht „Bergmanns ­ leben“, in dem es unter anderem heißt: Neu erzeugt mit jedem Morgen Geht die Sonne ihren Lauf, Ungestört ertönt der Berge Uralt Zauberwort „Glückauf“. So „uralt“ wie es hier dargestellt wird, ist der Gruß in Wirklichkeit nicht. Im „Bergbüchlein“ aus dem Jahre 1534, einer der ältesten, schrift ­ lichen Überlieferungen bergmännischer Fachaus ­ drücke, sowie in dem Bergmannsbuche des be ­ kannten Agricola vermißt man diesen bergmän ­ nischen Gruß. Die 1673 erschienene Schrift Ber- wards behandelt eingehend die im Bergbau üb ­ lichen Ausdrücke, bringt aber als Graßform fol ­ gende Redensart: „Gott grüße euch alle mitein ­ ander, Bergmeister, Geschworene, Steiger, Schle ­ gelgesellen, wie wir hier versamblet sein; mit Gunst bin ich aufgestanden, mit Gunst will ich midi niedersetzen; grüßte ich das Gelach nicht, so wäre idi kein ehrlidier Bergmann nicht. Solchen oder ähnlichen Grußformen begegnet man oft in späteren Schriftstücken. Etwa um die Mitte des 17. Jahrhunderts batte der Gruß „Glück ­ auf“ sich im Erzgebirge verbreitet und eingebür ­ gert. Er leitet sich ab von „glücklichem Gelin ­ gen“ — man wünschte dem Begrüßten Glück und der Erzgang möge sich auftun. Es ist durch ­ aus möglidi, daß zur selben Zeit im Harzer Ge ­ biet der Gruß ebenfalls schon in Anwendung »(5lücfauf« Von Hans Bläs stand. Durch Auswanderungen wurde der Gruß in andere Bergbaugebiete hineingetragen. In einer von Meitzer im Jahre 1684 veröffentlichten Schrift wird dieser Gruß im sächsischen Gebiet nachge- wiesen. Der Autor wendet sich gegen die Aus ­ drucksart „Glück zu“ als Grußform. Es heißt da unter anderem: „Glück zu ist nicht bergkmännisch. Glück auff! ist bergkmännisch. Glück auff! auff! heißt es, nidit Glück zu. Bergkleute leiden diese Formel nicht, sie dancken auch gar- nidit gerne einmal auf das Glück zu, aber auf das Glück auff dancken sie fleißig.“ In frü ­ herer Zeit war ja dier Aberglauben allgemein ver ­ breitet, und dieser Einwand dürfte auf diesen Aberglauben zurückzuführen sein, da es übel emp ­ funden werden konnte, wenn jemand mit „Glück zu“ begrüßt wurde. Die Gänge sollten sich ja auftun und nidit zuschließen oder verlieren. Daß der Gruß „Glückauf“ gegen Ende des 18. Jahr ­ hunderts im sächsischen Gebiet üblich war, ist aus den Erinnerungen des Oberberghauptman- nes von Trebra ersichtlich. Er berichtet beispiels ­ weise von einem näditlidien Bergaufzug der Knappen, welche „wie auf ein Wort Fackeln und Grubenlampen emporreekten und dem Kurfür ­ sten Friedrich August ihr ,Glückauf“ entgegen ­ riefen.“ Für die Einbürgerung dieses bergmännischen Grusses im Saarland ist kein genaues Datum an ­ zugeben. Sie dürfte in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts liegen, da in dieser Zeit die saarländische Industrie auf breiter Basis entwickelt wurde und der Bergbau festen Fuß fassen konnte. Denn erst mit Stammarbeitern, d. h. mit Leuten, die nidit nur gelegentlich auf der Grube arbei ­ teten, wie beispielsweise die Bauern im Winter, konnte dieser Gruß sidi einbürgern. Bemerkens ­ wert ist, daß bis heute der Gruß „Glückauf“ bei uns außerhalb der Berufssphäre der Bergleute nur begrenzt gepflegt wird. Jenseits der Arbeits ­ stätten wird dieser Gruß kaum gewechselt, wäh ­ rend er innerhalb des Betriebes, sei es unter oder über Tage, aussdiließlidi in Anwendung steht. Das an eine ehrenvolle Tradition gebundene „Glückauf“ beweist auf anderer Seite aber wie ­ der ein Eindringen in den Wirkungskreis des öf- fentlidien Lebens bei Benennungen von Straßen, Gebäuden (Apotheken), Vereinen, Zeitschriften usw. Es ist eine erfreuliche Tatsadle, daß man in le tzter Zeit mehr und mehr in der Öffentlichkeit den Bergmannsgruß symbolisiert, sei es bei Grund ­ steinlegungen, Neugründungen von Vereinen,