23 Warum verdienen feste Brennstoffe den Vorzug? Kohle und Koks als sichere einheimische Energiequelle / von W. Hold Eeste Brennstoffe oder Heizöl — das ist die ■Frage, die in letzter Zeit heftig und häufig diskutiert wird. Und das nicht nur auf höchster Ebene und in Kreisen der Erzeuger dieser bei ­ den Energieträger, die lebhafte Diskussion hat sich über Presse und Rundfunk bis zum Endver ­ braucher fortgesetzt, der sich vor die Entschei ­ dung gestellt sieht, ob er Kohle und Koks, also den festen Brennstoffen, oder dem Heizöl den Vorzug geben soll. In dem damit entfachten und von Seiten der Mi ­ neralölindustrie mit lebhafter Werbung geführ ­ ten Konkurrenzkampf zwischen der Kohle und dem Heizöl dürfte der Verbraucher an der Saar eigentlich von sich aus wissen, welchem Brenn ­ stoff er den Vorzug geben will. Das Saarland ist ein ausgesprochenes Kohlenland, und gerade um diesen wertvollen Besitz wurde in den letz ­ ten Jahrzehnten viel gestritten. Die Kohle ist seit eh und je der natürliche Reichtum unseres Landes. Und es ist kein Schlagwort, sondern eine Binsenwahrheit, daß der Bergbau, in dem nahe ­ zu ein Fünftel der werktätigen Bevölkerung an der Saar Beschäftigung und Auskommen findet und der an der Wertschöpfung des Landes maß ­ geblich beteiligt ist, eine der tragenden Säulen der gesamten Saarwirtschaft ist. Auch das Vor ­ handensein und der Aufschwung bedeutender Industrien an der Saar wäre ohne die Kohle undenkbar. Aber nicht nur aus solchen Erwägungen her ­ aus verdienen die im Lande vorhandenen festen Brennstoffe den Vorzug. Auch wirtschaftliche und technische Gesichtspunkte spielen dabei eine gewichtige Rolle. Als Vorteile von Ölheizungs ­ anlagen wird häufig geltend gemacht, daß sie sauberer seien als Heizanlagen für feste Brenn ­ stoffe und daß sie automatisch betrieben wer ­ den könnten. Auch eine Kohle- und Koksheizung, vor allem, wenn es sich um eine neue und mo ­ derne Anlage handelt, läßt sich mit minimalem Arbeitsaufwand immer tadellos sauber halten. Dagegen wird die Reinigung einer Ölanlage schwieriger, wenn nur etwas öl durch Undich ­ tigkeit in der Leitung oder am Brenner in den Keller ausgelaufen ist, und der lästige Ölge ­ ruch tagelang durch das Haus zieht. Hinzu kommt noch, daß bei ausgelaufenem öl immer Brandgefahr besteht, und in einer Reihe von be ­ kannt gewordenen Fällen in der Bundesrepublik und in Frankreich dadurch verheerende Brände ausgelöst wurden. Was die Automatik, das viel ­ gerühmte sog. „Druckknopfsystem" betrifft, so funktioniert diese bei neuzeitlichen Heizungs ­ anlagen für feste Brennstoffe, insbesondere für Koks, genau so zuverlässig wie bei Ölheizungen. Allerdings ist bei einer Ölheizung Stromausfall gleichbedeutend mit Betriebsausfall, während bei automatischen Koksheizungen bei Stromaus ­ fall der eingerichtete Handbetrieb eine Fort ­ setzung der Heizung ohne weiteres gewähr ­ leistet. Heute ist man jedenfalls so weit, daß Koks- und Kohlenschaufeln sowie das Asche ­ tragen im Heizungskeller bei modernen Anla ­ gen überflüssig geworden sind. Nach einem Bericht der „Deutschen Zeitung und Wirtschaftszeitung" ist das öl in der Nähe von Trinkwassergebieten besonders gefährlich. Durch ein Gutachten wurde nachgewiesen, daß öl im Wasser schon im Verhältnis 1:500 000 zu schmecken ist. In einem weiteren Gutachten von Prof. Hettche vom Hygiene-Institut im Hamburg wurde festgestellt, daß der Ruß von Heizölan ­ lagen, der wesentlich flugfähiger ist als Stein ­ kohlenruß, für die Gesundheit schädlich sei. Von Schornsteinfegern, die lange im Beruf sind, sei bezeugt worden, so heißt es in dem Gutachten weiter, daß bei Rußarbeit in früheren Zeiten, als nur feste Brennstoffe verfeuert wurden, nicht annähernd solche Beschwerden der At ­ mungsorgane eintraten, wie sie jetzt bei der Reinigung von Ölheizungen Vorkommen. Was hier für die Schornsteinfeger im besonderen gilt, das hat auch für die Allgemeinheit Gültig ­ keit, daß nämlich die sehr aggressiven schwe ­ felhaltigen Rauchgase des Heizöls die Luft nicht nur verpesten, sondern beim Einatmen auch ge ­ fährlich sind. Wie steht es demgegenüber mit Koks? Von berufener Seite ist gefordert worden, daß Kran ­ kenhäuser nur Heizungsanlagen erhalten, die bestimmte Voraussetzungen erfüllen, daß ein Brennstoff verfeuert werden muß, der wirtschaft ­ lich und geruchlos verbrennt, und dessen Ab ­ gase weder Rußflocken noch schädliche Dämpfe enthalten dürfen. Und es wurde festgestellt, daß von allen festen und flüssigen Brennstoffen nur der Koks diese Vorzüge besitzt. Auch von einem preislichen Vorteil des Heiz ­ öls gegenüber den festen Brennstoffen ist wie ­ derholt die Rede. Der Kalorienheizwert einer Tonne Heizöl liegt höher als der einer Tonne Kohle oder Koks; der Preis mag augenblicklich verlockend erscheinen, da er für den Verbrau ­ cher günstig liegt. Es darf aber keinesfalls über ­ sehen werden, daß es sich dabei um nur vor ­ übergehend eingeräumte Kampf- und Dumping ­ preise handelt, bei der die Mineralölindustrie, die durch keinerlei Bindungen behindert ist, wie es bei der Kohle beispielsweise durch den Mon ­ tanunionsvertrag der Fall ist, weit unter ihrem eigenen Gestehungspreis bleibt. Sie will dabei buchstäblich „um jeden Preis" ins Geschäft kommen, auch wenn sie vorübergehend Ein ­