20 sind erstens wirtschaftlicher und eignen sich außerdem vorzüglich zur Fernsteuerung und Fernüberwachung. Rationalisierung heißt, Aufwand und Pro ­ duktionsergebnis in das vernünftige Verhältnis zu setzen, d. h. bei kleinstem Aufwand größtes Produktionsergebnis zu erzielen, was höchste Wirtschaftlichkeit ergibt. Die Arbeit muß ver ­ nünftig organisiert, alle unnötigen Arbeiten müs ­ sen wegfallen, unnötige Wege erspart werden, der Produktionsweg verkürzt, Verluste vermie ­ den, der Produktionsgang konzentriert werden. Automatisierung bedeutet dann schließlich, die verbleibenden mechanisierten, elektrifizierten und rationalisierten Arbeiten möglichst selbst ­ tätig ablaufen zu lassen, ohne daß der Mensch noch viel dazutun muß, als nur die Überwachung und Unterhaltung der Maschinen und Einrichtun ­ gen. Automatisierung heißt selbsttätige Überwa ­ chung und selbsttätige Steuerung der Maschinen. Das aber heißt doch, daß nunmehr auch verstan ­ desmäßige Arbeiten, sinnesmäßige Tätigkeiten des Menschen von Maschinen und Apparaten übernommen werden müssen. Wo der Mensch vorher durch seine fünf Sinne (Augen = Gesicht, Ohren = Gehör, Nase = Geruch, Finger = Gefühl, Mund = Geschmack) Wahrnehmungen machen konnte, die ihn dank seines Gehirns zu verstandesmäßigen, vernunftmäßigen Hand ­ lungen veranlaßten, da muß jetzt ein Gerät oder Apparat Wahrnehmungen machen können und gesetzmäßige Handlungen auslösen, die unserem Denken und Wollen entsprechen. Die Automatisierung verlangt also nicht nur, daß die körperliche Arbeit sondern auch die Sinnes- und Kopfarbeit des Menschen durch Maschinen und Geräte ersetzt, ja sogar vergrößert und ver ­ vielfacht wird. Aber immer nur so weit es der Mensch will. Denn die Maschinen und Appa ­ rate der Automatisierung müssen von Menschen erdacht, von Menschen konstruiert und von Menschen gebaut werden. Der Mensch ist ihr Schöpfer und Herr und Meister. Wer sie ver ­ steht, beherrscht sie auch, und niemals kann die Automatisierung den Menschen beherrschen. Eine automatisierte Maschine oder Aniage kann zwar viele Menschenarbeit ersetzen, weil sie viel leistungsfähiger ist, aber sie braucht den Menschen als Erfinder, als Unternehmer, als Überwacher und Instandhalter. Wir können uns ihrer bedienen in einem Maße, wie wir wol ­ len. Sie ist unser Diener, sie arbeitet für uns. Die Elektrotechnik war es in der Hauptsache, welche die Bauelemente der Automation gelie ­ fert hat. Fotozellen sind ihr Augen, Mikrofone ihre Ohren, elektrische Taster ihre Finger, elek ­ trochemische Zellen ihre Organe für Geruch und Geschmack. Mit Röntgenstrahlen und Strah ­ lungen von radioaktiven Isotopen schaut die Elektrotechnik in die festen Körper hinein und sogar hindurch. Mit Mikrofonen spezieller Kon ­ struktion hört die Elektrotechnik tausendmal feiner und tausendmal schneller als das mensch ­ liche Gehör es vermag. Und mit Geräten der Elektronik, bestückt mit Elektronenröhren, Kri ­ stallzellen, magnetischen Verstärkern und lonen- röhren, vermag die Elektrotechnik jene gesetz ­ mäßige Denkarbeit zu leisten, die für die selbst ­ tätige Steuerung und Regelung von Arbeitsvor ­ gängen notwendig ist. Die Elektrotechnik, ins ­ besondere die Elektronik, ist die Technik der Automatisierung. Aber auch die Pneumatik und die Hydraulik spielen eine große Rolle bei der Automatisierung, nämlich dann, wenn Fern ­ überwachung und Fernsteuerung nicht notwen ­ dig sind. All dieser Techniken, der Mechanisierung, der Elektrifizierung, der Rationalisierung und der Automatisierung, haben sich unsere Konkurren ­ ten bedient, um die Selbstkosten durch Vermin ­ derung des Lohnkostenanleiles zu verringern; und zwar mit bestem Erfolg, wie wir zu spüren bekamen. Wir müssen dasselbe tun, wir müssen sie einholen und sogar übertreffen. Dann sind wir wieder konkurrenzfähig und unser Lebens ­ standard und unsere Arbeitsplätze sind ge ­ sichert. Wir müssen aber vor allem automati ­ sieren, weil diese Technik am stärksten auf den Lohnanteil drückt, und das ohne befürchten zu müssen, daß jemand dadurch arbeitslos wird. In der Mechanisierung, Elektrifizierung und Ra ­ tionalisierung haben wir schon einiges getan, zwar immer noch nicht genug, aber in der Auto ­ matisierung können wir praktisch noch alles tun. Wir haben also alle Aussicht, den Konkurrenz ­ kampf noch günstig zu bestehen und zu ge ­ winnen. Die sozialpolitischen Gründe für die Automatisierung Seit den Jahren der Hochkonjunktur und der Vollbeschäftigung ist es dem Bergbau unmög ­ lich, die notwendigen Arbeitskräfte für den Untertagebetrieb auf dem näheren und weite ­ ren Arbeitsmarkt zu finden. Es ist uns deshalb auch nie gelungen, trotz intensivster Einstel ­ lungsaktionen den natürlichen Abgang von jährlich etwa 10% auszugleichen. Die Gesamt ­ belegschaft ist langsam aber sicher geringer ge ­ worden. Außerdem wurde die Arbeitszeit wäh ­ rend einer Schicht laufend verkürzt und schließ ­ lich ist die Abwesenheitsquote seit dem letzten Jahr bedeutend gestiegen. Und die Zukunft ist bereits vorbelastet durch das Ziel einer 40-Stun- den-Woche. Alles in allem ist das Arbeitszeitverkürzung für den Bergarbeiter. Für das Unternehmen bedeu ­ tet es Mehraufwand für Löhne, der auf irgend einer anderen Seite ausgeglichen werden muß. Hier helfen wiederum nur Mechanisierung, Elektrifizierung, Rationalisierung und ganz be ­ sonders wieder die Automatisierung. Denn sie sind ja die Techniken zur Einsparung von Ar ­ beitskräften und Arbeitszeit. Das Problem des