109 V IN DER SCHLOSSKIRCHE ZU SAARBRÜCKEN Von Landeskonservator Dr. Josef Keller «Hiiiimiiiiiiiiiiii mimiiini i ; i ihiii i X'V'hrei Kirchen dienten nacheinander den Grafen von Saarbrücken als Grablege. ( J J Die erste war die Prämonstratenser-Abteikirche in Wadgassen. Seit etwa 1150 wurden in ihr die Grafen bestattet, darunter so ehrwürdige Gestalten wie die Stifter des Klosters, Gräfin Gisela, Witwe des Grafen Friedrich, und Graf Simon, Sohn der Gisela. Die Grabmäler von Wadgassen haben die Zeiten nicht überdauert. Um die Mitte des 15. Jahrhunderts verlegten die Grafen ihre letzte Ruhestätte in die Stiftskirche St. Arnual. Dort sind die Grabmäler erhalten geblieben. Sie be ­ ginnen mit dem Grabmal der Gräfin Elisabeth, geborenen Gräfin von Vaudemont, Gemahlin des Grafen Philipp I. von Nassau-Saarbrücken, die als Romanschrift ­ stellerin berühmt ist, weil ihre Uebertragungen aus dem Französischen für die Entwicklung der deutschen Literatur von grundlegender Bedeutung waren. Die glänzende Reihe gräflicher Grabmäler in der Stiftskirche wird sorgfältig gehütet und gepflegt. Die dritte Grabkirche der Landesherren ist die Schloßkirche in Saarbrücken. In ihr, als der Hofkirche des Grafenhauses, setzt sich die Reihe der Grabmäler fort, und in den Grüften unter dem Fußboden ruhen die erhabenen Toten, die einst als Regenten und Oberhäupter der evangelischen Kirche dieses Land und sein Volk zu Blüte und Wohlstand emporgeführt haben. So wurden in der Schloßkirche seit 1700 noch vier Grabmäler errichtet. Aber schon Fürst Wilhelm Heinrich dachte an eine neue Ruhestätte, als er durch seinen Generalbaudirektor Friedrich Joachim Stengel dem Zeitgeschmack entsprechend eine große Gruft unter der Ludwigskirche wölben ließ. Er selbst erlebte die Vollendung der Ludwigskirche nicht mehr, und so wurde er als letzter, der in Saarbrücken verstorbenen Landesherren in der Schloß ­ kirche beigesetzt. Die Gruft unter der Ludwigskirche blieb bis zum heutigen Tage leer. So beginnt die Reihe der erhaltenen Grabmäler in der Stiftskirche St. Arnual mit dem Grabmal der Gräfin Elisabeth und endigt mit dem Grabmal des Fürsten Wilhelm Heinrich in der Schloßkirche. Den vier Grabmälern in der Schloßkirche im besonderen sollen diese Zeilen gewidmet sein. lllil.IHll l lJ 11! I! l llllirillllflililTI IJilflll IIIIliJT 1. Denkmal für den Grafen Gustav Adolph v. Nassau-Saarbrücken zugleich Grabmal seiner Gemahlin, der Gräfin Eleonore Clara von Hohenlohe as Grabmal (Abbildung 1) steht an der linken Chorwand der Schloßkirche; es besteht aus Sandstein und zeigt die strengen, noch an die Renaissance erinnernden Formen des Barockstils. Auf der Deckplatte des sarkophargartigen Unterbaues liegt der Graf, an ­ getan mit dem Panzer, den rechten Arm auf den Helm stützend in barocker Pose. Auf dem erhobe ­ nen Haupte sitzt die Perücke mit lang herabfal ­ lendem Haar. Vor ihm kniet die Gräfin. Betend erhebt sie Hände und Blick zu einem Kruzi- fixus. Ein Hündchen, das Symbol der Treue, sitzt ihr zu Füßen. Die beiden Verstorbenen sind na ­ turgetreu porträtiert, so daß man in ihren Ge ­ sichtern die lebendigste Vorstellung ihres wirk ­ lichen Aussehens vor sich hat (Abbildung 2 u. 3). In ihrer hellen Tönung heben sich die Figuren wirkungsvoll von den schwarzen Inschrifttafeln ab, die, eingerahmt von einer Säulenarchitektur, die Rückwand des Grabmals bilden. Auf der Vor ­ derseite des sarkophagartigen Sockels sind der Genius des Todes mit Sense und Sanduhr und