103 vom „Marksuggler" bis zum „Mutter-Klotz" Privat-Initiative schuf in Püttlingen ein kleines Bergbau-Museum I nmitten der landschaftlich schön gelegenen, nahezu 15 000 Einwohner zählenden Groß ­ gemeinde Püttlingen befindet sich am alten Marktplatz seit Jahrzehnten ein großes Gast ­ haus: die Kaisersaal-Gaststätte, die in den letz ­ ten Jahren eine bemerkenswerte Wandlung er ­ fahren hat. Sie begannen mit der Änderung des Namens für dieses Gasthaus, das sich heute „Haus der Bergleute" nennt. Die Bezeichnung „Haus der Bergleute" würde für eine Gastwirt ­ schaft in einer ausgesprochenen Bergarbeiter ­ gemeinde, die den Hauptteil ihrer Arbeiter auf der örtlichen Grube Viktoria in Beschäftigung sieht, keine Besonderheit darstellen. Mit der Namensänderung hat sich in dem Lokal selbst aber auch etwas getan: es ist ein kleines Berg ­ bau-Museum entstanden, wie es — auf Privat ­ initiative zurückzuführen — wohl nirgends zu finden sein dürfte. Schon beim Betreten des Gasthauses wird man unwillkürlich von einer bergmännischen Atmo ­ sphäre umfangen, hervorgerufen durch zahl ­ reiche an den Wänden befindliche elektrisch beleuchtete Grubenlampen verschiedenster Ar ­ ten und Alters. Es mag ein Kuriosum sein, daß der Schöpfer und Pfleger dieses kleinen Mu ­ seums selbst kein Bergmann ist und mit dem Bergbau praktisch auch nie etwas zu tun hatte. Das Zustandekommen der reichhaltigen Samm ­ lung bergmännischen Gutes verdankt er in der Hauptsache seinen Gästen, die ihm diese vie ­ len alten Gruben-Gerätschaften im Laufe der Zeit brachten, so daß es sich schon bald lohnte, sie sinngerecht an den Wänderi des Lokales an- zubringen. Der Sammler legte besonderen Wert darauf, nur gebrauchte Original-Gerätschaften zur Schau zu stellen; dabei sind auch die Streichholzschachtel (mit dem Bergmannsbild), eine Füchsel- und eine Kautabak-Packung nicht vergessen, wie auch der traditionelle „Mutter- Klotz" nicht fehlt. In der Mitte einer etwa 15 Meter langen Längswand hängt — auf Perga ­ ment geschrieben — das Anfahrtsgebet der Bergleute, das von einer Grubenlampe beleuch ­ tet wird und von Meter-Stöcken und kunstvoll verzierten Steigerstöcken umrahmt ist. Das Geleuchte des Bergmanns nimmt einen besonderen und zweckmäßigen Platz ein. Da fin ­ det man die ältesten Geleuchte, von der ehe ­ mals primitiven Ölfunzel mit qualmendem, of ­ fenem öllieht, über ausgediente Petroleum- und Benzinlampen, bis zur modernen Kopflampe, die am Leder- oder Kunststoffhelm befestigt ge ­ tragen wird. Eine Original-Karbidlampe aus einer lothringischen Erzgrube ist sehr hübsch zu einem Benzin-Feuerzeug für den „Stamm ­ tisch" umgearbeitet. Das Gezähe des modernen Bergmannes hat heute ein anderes Gesicht als früher, doch haben sich einige Teile nur unwesentlich geän ­ dert. Da ist die „Olga", die große Pfannen ­ schaufel, zu sehen, die verschiedenen Pickel- Arten, und aus der großen Zahl alter und neuer Gezähe-Teile seien hier nur einige genannt: als ältester Schrämpickel der „Marksuggler", ein Revolverpickel, ein Zweispitzschrämer, ein Rei ­ terbeil, Spitzhammer, Fäustel, Spitzkeile, Schlä ­ gel und Eisen, Schlagbohrer, ein „Hirz", Knie ­ schoner, Sitzgurt, Handschützer, Handbeil und Handsäge, eine Patrone mit Schießdraht, eine Gesteinsbohrstange mit Bohrkrone. Audi Trenn-, Halte- und Verbindungsstücke werden gezeigt. Weiter sind da zu sehen: Bohrhammerspitze, Schrämmeißel und Schrämkrone. Selbst das „Arschleder" ist nicht vergessen, auch nicht die heute allgemein übliche Staubmaske. Das viel ­ fältige Bild rundet ein gründlich „verbawwer- tes" Kaffeeblech ab. Ausstellungsstück in dem kleinen Püttlinger Bergbau-Museum