49 Von Walther A 1 b r e c h t Vs war einmal ein armer junger Bergmann namens Hans, ein vergnügtes, frisches Menschen ­ kind, den niemals die frohe Laune verließ. Seine Kameraden schätzten ihn darum hoch ein, und jeder hatte einen fröhlichen Gruß oder ein gutes Wort für ihn, wenn er lachend mit ihnen zu sei ­ ner schweren Arbeit in den tiefen Schacht ein- fuhr. Da fand er eines Tages, als er die losgelöste Kohle fortschaufelte, ein winziges kleines Hütchen aus verblichenem blauen Samt mit einem fun ­ kelnden Stein daran, der so hell leuchtete, daß von ihm ein strahlender Schein auf die dunklen Wände des Stollens fiel. Belustigt betrachtete Hans seinen Fund, zog das Hütdien auf seinen kleinen Finger und hielt es hodi. „Wer mag das wohl verloren haben?“ sagte er halblaut vor sich hin. „Ich!“ antwortete ein helles Stimmchen. Hans fuhr erschrecken zusammen. Er sah sich um, doch gewahrte er niemanden. Da klomm etwas an seinen Beinen hodi und plötzlidi saß auf seinen Knien ein ganz kleines Männlein, das die Hände faltete und flehend spradi: „Bitte, bitte, gib mir dodi mein Hütdien wieder?“ Hans bezwang sein Erstaunen und fragte lachend: „Ja, wer bist du denn, du kleiner Mann, und wie kommst du in diesen Sdiadit?“ „Ich bin ein Grubenmännlein“, antwortete der Kleine, „wir hausen sehr zahlreidi hier unter der Erde und helfen den Bergleuten bei ihrer sdiwe- ren Arbeit. Unsere Hütchen madien uns unsiditbar und dem Edelstein, mit welchem sie geschmückt sind, wohnen Zauberkräfte inne. Wenn wir unser Hütchen verlieren, weidit aller Zauber von uns und wir dürfen nicht wieder zu unserem Volke zurück. Deshalb sei gut, Bergmann, und gib mir mein Hütchen wieder.“ „Ei, das tu ja nicht!“ sagte da eine rauhe Stimme hinter Hans. Ein zweiter Bergmann, der Vinzenz, war herangekommen und hatte das Männlein erblickt. „Mein Großvater hat mir er ­ zählt, daß der Besitz eines solchen Hütchens den Menschen große Schätze einbringt. Du wärest schön dumm, Hans, wenn du darauf verzichten wolltest!“ Der Kleine stieß einen Klageruf aus und barg sein Gesichtlein in den Händen. Hans zögerte einen Augenblick. Er dachte an seine Braut, die er nicht heiraten konnte, weil sein Verdienst noch nicht ausreichte zum Hochzeitmachen. Das Hüt ­ chen des Männlein konnte ihm vielleicht zu Geld verhelfen. „Was zögerst du Tor!“ raunte Vinzenz. Aber Hans schüttelte den Kopf. „Ich mag nicht daran schuld sein, daß das Grubenmännlein elend und heimatlos wird“ sagte er entschlossen, „mit Fleiß und gutem Willen werde ich schon allein vor ­ wärts kommen“. Dann wandte er sich an das Männilein: „Da, nimm dein Hütchen und achte besser darauf als zuvor!“ Mit einem Freudenruf ergriff das Männlein seine Kopfbedeckung; einen Augenblick sah Hans noch ein strahlendes Ge- siditchen, dann war der Kleine verschwunden. . . . und das kleine Männlein sprach flehend: »Bitte, gib mir doch mein Hütchen wieder!« „Oh, du Dummkopf“ schalt Vinzenz, „jetzt hast du dein Glück von dir gestoßen“. Hans schüttelte nur stumm den Kopf und wandte sich mit neuem Eifer seiner unterbrochenen Arbeit wieder zu.