291 Schachtabteufen ohne Wegfüllarbeit Eine neue Abteufmethode auf Grube Camphausen Von Dipl.-Bergingenieur Werner Dietrich Das Schachtabteufen ist seit altersher als eine der schwersten Gesteinsarbeiten bekannt. Be ­ sonders das Laden des schweren Gesteins be ­ reitete immer die größten körperlichen An ­ strengungen. Die Bemühungen zur Mechanisie ­ rung des Abteufens richteten sich daher vor allem auf die Erleichterung der Ladearbeit. Hier stehen dem Bergmann heute schon Mittel zur Verfügung, die einen gewaltigen Fortschritt be ­ deuten. Vor allem die verschiedenen Typen von Abteufgreifern sind bis zur Einsatzreife entwickelt und erreichen eine Ladeleistung von rund 100 Wagen (1 000 Ltr.) pro Schicht. Wäh ­ rend beim Laden von Hand 5 Wagen (1 000 Ltr.) pro Mann und Schicht erzielt wurden, reichen für das Laden mit Greifer etwa 4 Mann zur Bedienung aus. Damit entfallen auf einen Mann 25 Wagen von 1 000 Ltr. bei bedeutend geringerer körperlicher Anstrengung. Auch der Gedanke, das Fördergut einfach durch ein Rolloch nach unten fallen zu lassen, ist sehr alt. Diese Methode hat ihre Anwendung vor allem im Erzbergbau gefunden. Im Saar ­ gebiet basierte das schmale Hochbrechen eines Schachtes und anschließende Erweitern von oben nach unten auf dieser Idee. Das Bohren eines Rolloches mit dem erforderlichen Durch ­ messer von 600 bis 800 mm war früher technisch unmöglich. Erst in neuester Zeit wurden die Bohrmethoden so vervollkommnet, daß das Abteufen mit Großbohrloch zum Abfördern des Haufwerks auch wirtschaftlich interessant er ­ scheint. Zur Ausrüstung des Südwestfeldes der Grube Camphausen ist in der Nähe des ausziehenden Lydiaschachtes ein Blindschacht geplant. Dieser Blindschacht soll den Fuß des Lydiaschachtes mit der 5. Sohle verbinden, (s. Abbildung 1) Aus wettertechnischen Gesichtspunkten war ein großer Querschnitt des Lydiablindschachtes erforderlich. Wir wählten einen runden, nach ­ giebigen Ausbau von 4,75 m Durchmesser aus Stahlbogen. Der zusammengedrückte Enddurch ­ messer dieses Ausbaus beträgt 4,50 m. Ein Ab ­ teufen des Blindschachtes erschien anfangs un ­ möglich, da für die Abförderung der Berge nur der Lydiaschacht in Frage kam, dessen Einrichtung aber für die zu erwartende Förder ­ menge nicht ausreichte. Das Hochbrechen im vollen Querschnitt schied wegen der Gefähr ­ lichkeit dieser Arbeit bei einem Durchmesser von rund 5 m ebenfalls aus. Es blieb uns noch die Möglichkeit, den Blindschacht schmal hoch ­ zubrechen und anschließend auf vollen Quer ­ schnitt zu erweitern. In jedem Fall war vor ­ gesehen, den Blindschacht beim Hochbrechen durch ein Bohrloch von 400 mm Durchmesser zu bewettern. Eine Bohrfirma war mit der Her ­ stellung dieses Loches schon beauftragt. Zu dieser Zeit wurde die Betriebsleitung der Grube Camphausen durch Veröffentlichungen in der Fachpresse auf das Abteufen mit Groß ­ bohrloch von 600—800 mm 0 aufmerksam. Die Vorteile dieser Methode waren offensichtlich. Sie sollen hier aufgeführt werden: 1. Die Ladearbeit auf der Schacht-Sohle ent ­ fällt fast vollkommen, da etwa 80 % des Haufwerks beim Schießen in das Bohrloch stürzt. 2. Ein Abfördern der Berge durch den Lydia ­ schacht brauchte nicht mehr zu erfolgen. r Mv>getas>A V JC0 f LycUaschacht Te/lstrecke L iydtaUinäic/>ac/)t QuerscMttg SSo/>(e ■*'*<’ Ll Hauptfördersohte Abb. 1 Schematische Darsteilung des in der Nähe des Lydiaschachtes (Grube Camphausen) geplanten Blindschachtes Ebenso konnte das sehr kostspielige schmale Hochbrechen vermieden werden. 3. Die damit geschaffenen Erleichterungen sind so groß, daß mit einer guten Abteufleistung gerechnet werden kann. Aus den angeführten Gründen wurde dann eine Bohrfirma beauftragt, das Bohrloch mit einem Enddurchmesser von 800 mm herzustel ­ len und gleichzeitig daran die Bedingung ver ­ knüpft, daß das Loch von 150 m Tiefe nicht mehr als 1 m aus der Schachtmitte abweicht.