181 Knappschaftliche Krankenversicherung Was jeder Bergmann von der Krankenversicherung wissen muß! Von Oberamtmann Dr. Maurer, Saarbrücken Die knappschaftliche Krankenversicherung geht ebenso wie die knappschaftliche Rentenversiche ­ rung heutigen Sinnes auf eine Selbsthilfeeinrich ­ tung der Bergleute zurück. Die Bergleute hatten früher ihren Arbeitsplatz nicht innerhalb mensch ­ licher Siedlungen, sondern je nach der Fündigkeit des Bodens außerhalb der Wohngebiete. Um den sich hieraus ergebenden Gefahren zu begegnen, schlossen sie sich zu Arbeitsgemeinschaften, den sogenannten Knappschaften, zusammen. Aus echter Kameradschaft beschlossen die Mitglieder dieser Knappschaften unter sich, jeden Kameraden, der wegen Krankheit oder infolge eines Unfalls nicht arbeiten konnte, gemeinsam zu unterstützen. Sie erlegten zu diesem Zweck einen Teil des Erlöses ihrer Arbeit in der Büchsenkasse, deren Verwal ­ tung einem sogenannten Büchsenältesten über ­ tragen war. Aus der Büchsenkasse erhielt der wegen Krank ­ heit oder infolge eines Unfalls arbeitsunfähige Bergmann ein Krankengeld, bei dauernder Ar ­ beitsunfähigkeit eine laufende Zuwendung (Inva ­ lidenpension). Außerdem wurde die ärztliche Be ­ handlung und die Versorgung mit Arzneien aus der Büchsenkasse gezahlt. Beim Tode eines Mit ­ glieds der Knappschaft wurde der Witwe zunächst eine einmalige Unterstützung (unser heutiges Sterbegeld) gezahlt und danach laufend eine Un ­ terstützung je nach der Zahl der Kinder (Witwen- und Waisenrenten). Daß die Büchsenkassen eine Selbsthilfeeinrich ­ tung der Bergleute waren und von den Mitglie ­ dern der Büchsenkasse auch so angesehen worden sind, fand ihren Ausdruck darin, daß jedes Mit ­ glied es tunlichst vermieden hat, die Büchsenkasse in Anspruch zu nehmen, um nicht seine Arbeits ­ kameraden über Gebühr zu belasten. Umgekehrt zahlten die gesunden Mitglieder gerne ihren Bei ­ trag in die Büchsenkasse, weil sie wußten, daß sie sich damit den Schutz der gesamten Knapp ­ schaft für den Fall der eigenen Erkrankung sicherten. Dabei erwartete aber niemand mehr von der Büchsenkasse als unbedingt notwendig war. Dieser Grundsatz gilt heute noch in der Kran ­ kenversicherung. Er findet im Gesetz seinen Aus ­ druck durch die Bestimmung, daß die Hilfe für den Kranken ausreichend und zweckmäßig sein muß, daß sie aber das Maß des Notwendigen nicht überschreiten darf. Diese Bestimmung ist nicht im Gesetz enthal ­ ten, um den Versicherten eine wirkliche Hilfe vor ­ zuenthalten, sondern lediglich aus Gründen der sparsamen Verwendung der von einer Gemein ­ schaft aufgebrachten Mittel. Von diesem Grund ­ satz ausgehend gewährt die knappschaftliche Krankenversicherung, entsprechend den Gegeben ­ heiten der heutigen Zeit, folgende Leistungen: A. Leistungen für Versicherte 1. Krankenpflege a) Freie ärztliche, fachärztliche und zahnärzt ­ liche Behandlung durch Knappschaftsärzte, zu gelassene Fachärzte, Zahnärzte und Den ­ tisten. Bei Zahnbehandlung Füllungen mit einfachem Material. b) Versorgung mit Arzneien, Brillen, Bruch ­ bändern und anderen kleineren Heilmitteln, Höchstbetrag für kleinere Heilmittel 8 000.- Frs. Als kleinere Heilmittel gelten alle Heil ­ mittel, deren Kosten 8 000.- Frs. nicht über ­ steigen. Für Brillen und Bruchbänder be ­ steht kein Höchstbetrag. Bei der Entgegen ­ nahme von Arzneien und kleineren Heil ­ mitteln sowie Brillen und Bruchbändern ist eine Verordnungsblattgebühr von 20.- Frs. — im Bundesgebiet 0,20 DM — jedoch nicht mehr als die tatsächlichen Kosten zu entrichten. Befreiung von der Gebühr vom 11. Tage der Arbeitsunfähigkeit ab. Die Leistungen unter a) und b) werden zeitlich unbegrenzt gewährt. Scheidet ein Versicherter während des Leistungsbezuges aus, so endet die Krankenpflege spätestens 26 Wochen nach dem Ausscheiden. 2. Krankengeld Krankengeld in Höhe von 50 % des Grund ­ lohnes vom 4. Tage der Arbeitsunfähigkeit ab und 60 % des Grundlohnes vom 44. Tage der Arbeitsunfähigkeit ab für jeden Kalendertag. Vom 13. Tage der Arbeitsunfähigkeit ab Zu ­ schläge für jeden anspruchsberechtigten Ange ­ hörigen in Höhe von je 5 % des Grundlohnes bis zum Höchstbetrag von 75 % des Grund ­ lohnes. Berechtigungszeit 1 Jahr. 3. Krankenhauspflege Kostenfreie Krankenhausbehandlung in Knapp- schaftskrankenhäusem bis zu 1 Jahr. 4. Erholungskuren Kostenfreie Erholungskuren unter Gewährung eines Kurgeldes von 100.- Frs. täglich.