113 Zeit und einer der drei Dimensionen des Raumes. Die Zeit ist nur eine verzwickte Art von Raum.“ Es ist der Kern der großen Entdeckung des Erfinders, daß man auch in der vierten Dimension, der Zeit, reisen kann, wie im Raum. Der Roman von Wells schildert nun, wie der Zeitreisende seine Zeitmaschine besteigt und in die Zukunft reist. Eine grauenhafte Vision wird uns geschil ­ dert, die zuletzt wahrhaft grotesk wird. Bei einer zweiten Reise kehrte der Zeitreisende nicht wie ­ der zurück. Die Geschichte hat andere Schriftsteller zu Fort ­ setzungen angeregt, z. B. Carl Grunert „Pierre Maurignacs Abenteuer“. Der Zeitreisende reist hier in die Vergangenheit zu den Urweltmenschen. Das Kino vermag heute die lebendige Vergan ­ genheit festzuhalten, und das Fernsehen die Ge ­ genwart zu vervielfältigen. Bei beiden Geräten sind sozusagen die Lichtstrahlen, die ein Ereignis widerspiegeln, festgehalten worden. Die Licht ­ strahlen, die ein Bild aussenden, eilen aber sonst mit einer Geschwindigkeit von 300 000 km/sek. in das Weltall hinaus. Könnte man mit dem wahn ­ witzigen Tempo des Lichtstrahls, der von einem Geschehen ausgeht, Schritt halten und mitreisen, so hätte man ständig dasselbe Bild vor Augen; für den mit Lichtgeschwindigkeit Reisenden bliebe die Zeit unaufhörlich stehen. Reist er schneller als das Licht, so holt er sogar die vor ihm abgereisten Lichtstrahlen ein, d. h. er sieht die Vergangenheit, jedoch in umgekehrter Reihenfolge. Die jüngsten Vorkommnisse gewahrt er zuerst, die ältesten zu ­ letzt. Hätte der mit solcher Phantasiegeschwindig ­ keit Reisende keine Kenntnis von seinem Bewe ­ gungszustand, so spielte sich für seine Augen das Weltgeschehen hinsichtlich Ursache und Wirkung ganz entgegengesetzt ab. Bisweilen werden im Kino bei Trickfilmen einige Szenen rückwärts ge ­ dreht, die Zuschauer lachen natürlich über die merkwürdige Wirkung. Man sieht z. B. einen Schiffsuntergang rückwärts: Menschen tauchen aus dem Wasser auf, dann die Bruchstücke eines Dampfers, das Heck taucht empor, die Bruchstücke setzen sich mit dem Heck zusammen, die Men ­ schen schnellen sich aus dem Wasser kopfunter an Bord, ein Torpedo fährt rückwärts aus dem Schiffskörper heraus, das Schiff fährt rückwärts davon. Alles ist völlig verständlich. Damit der Vorgang geschehen konnte, mußte erst das Tor ­ pedo rückwärts ausgestoßen werden, die Trümmer sich richtig vereinigen, die Mensdien aus dem Wasser an Bord kommen usw. Man sieht, wie anders die Verdrehung des Zeitablaufs unser Weltbild gestalten würde. In Phantasie und Scherz ist es uns unmöglich, der Herrschaft der Zeit zu entgehen, in Wirklich ­ keit aber bleibt sie unerbittlich. Wenn wir also ihre Knechte sind, so verspüren wir wenigstens das Verlangen, unseren Herrn so genau wie mög ­ lich kennen zu lernen. Wir diktieren ihm unserer ­ seits menschliche Forderungen zu. Wir teilen die Zeit ein, wir ringen ihr die Sekunden, die Minu ­ ten, Stunden, Jahre ab, wir schaffen die ge ­ nauesten Uhren. Wir haben es mit unserer moder ­ nen Technik fertig gebracht, die Millionstel- Sekunde zu messen, ebenso wie wir in der Messung sehr langer Zeiträume Meister sind. Die genaue ­ sten Uhren, die es heute hierfür gibt, sind die Quarzuhren. Ihr Geheimnis beruht auf der Tat ­ sache, daß der Quarz oder auch Bergkristall bei elektrischer Aufladung sich elastisch zusammen ­ zieht. Nimmt man sich ein Bergkristallplättchen