51 1^0 JAHRE St $ar^mi-Dmler(cm^eH m der Saar Von Bernhard Krajewski Im Jahre 1956 feiert die St. Barbara-Erzbruder- sdiaft Ottweiler ihr lOOjähriges Bestehen. Eine Reihe anderer nach ihrem Vorbild gegründeten Barbara-Bruderschaften können in den nächsten Jahren das gleiche Jubiläum begehen. Es dürfte von allgemeinem Interesse sein, die Gründung dieser ersten Arbeiterkoalition an der Saar auf ihren Zeithintergrund darzustellen. In der Geschichte des saarländischen Bergbaues be ­ gegnet uns die auffallende Tatsache, daß vor hundert Jahren, als die Zahl der Bergleute be ­ reits 10 000 übersdiritten hatte, sich keine berg ­ männische Vereinigung oder vereinsmäßiger Zu- sammensdiluß der Arbeiter vorfindet. Ein, aller ­ dings mehr äußerer Grund dürfte in den weit zerstreuten Wohnorten der Bergleute zu sudien sein. Die typisdien Bergmannsdörfer in Gruben ­ nähe entstanden erst mit dem Aufsdiwung des Bergbaues in der zweiten Hälfte des 19. Jahr ­ hunderts. Ein zweiter wesentlidier Grund lag in der Haltung der Grubenverwaltung; bei den Hüttenherrn lag die gleidie Einstellung vor, die jede Arbeiterkoalition nicht nur ablehnten, son ­ dern mit allen Mitteln bekämpften, so daß soldie lange Jahrzehnte an der Saar nicht aufkommen konnten. Kennzeichnend für das damalige soziale Verhältnis Unternehmertum — Arbeiterschaft ist ein Ausspruch des Hüttenbesitzers Stumm in Neunkirdien, mit dem er vor seinen Arbeitern seinen massiven Kampf gegen die ersten ge ­ werkschaftlichen Bewegungen begründete: „da mir nicht zugemutet werden kann, an die Stelle meines persönlichen Verhältnisses zu jedem von Euch das Paktieren mit einer Arbei ­ terorganisation unter fremder Führung zu setzen.“ Im Kampf gegen Arbeiterzusammenschlüsse mit wirtschaftlichen Zielen standen die Großunterneh ­ mer an der Saar — Grubenverwaltung und Hüt ­ tenbesitzer — gesdilossen gegen jeglichen Ver- sudi einer Arbeiterkoalition. Der Arbeiter blieb in einem persönlidien Abhängigkeitsverhältnis zur Betriebsleitung stecken. Aus dem Gefühl der Abhängigkeit kam es auch nidit zur Bildung von harmlosen Bergmanns vereinen zur Pflege der Ge ­ selligkeit und des Standesbewußtseins. Die Hem ­ mungen in der Arbeitersdiaft jener frühen Indu ­ strieepoche lähmten die eigene Aktivität. Der erste Anstoß zu einem Zusammensdiluß kam von außen, von einem katholischen Geist- lidien, dem bekannten, den Aufgaben seiner Zeit sehr aufgeschlossenen Dechanten Johann Anton Hansen in Ottweiler. Johann Anton Hansen entstammte einer alten Försterfamilie der Eifel und wurde am 11. 7. 1801 zu Quiddelbadi Kreis Adenau geboren. Nadi Besuch der Volks- und Lateinschule studierte er in Köln und Bonn Philo ­ sophie und Geologie und trat dann überrasdiend in das Priesterseminar in Trier ein, wo er 182-5 zum Priester geweiht wurde. Nach verschiedenen rasdi wechselnden Tätigkeiten in der Seelsorge kam er 1832 als Pfarrer nach Lisdorf/Saar und 1838 nach Ottweiler, wo er bis zu seinem Tode 1875 wirkte. Er war ein äußerst aktiver Pfarrer der sowohl in der Seelsorge wie in der Öffent ­ lichkeit vielseitig arbeitete. In dem politisch auf ­ geregten Jahre 1848 wurde er im hiesigen Wahl ­ kreis als Mitglied in die preußische Nationalver ­ sammlung nach Berlin gewählt und ein Jahr später sendet ihn eine erneute Wahl als Abge ­ ordneten in den preußischen Landtag. Seine 1848 aus Berlin geschriebenen Briefe an Familien in Ottweiler und Umgebung sind 1931 von K. Schwingel gesammelt und herausgegeben worden. Als Lokalgeschichtsforscher ist er weit über die Grenzen Ottweilers hinaus bekannt geworden. Aus seiner Feder erschienen neun geschichtliche Werke, die für seine Neigung zu wissenschaft ­ licher Arbeit zeugen. Sein letztes größeres W T erk „Häuser- und Familienchronik der Stadt Ott ­ weiler“ 1870 vom Verein für Geschichte und Altertum in Ottweiler herausgegeben bildet heute noch für die Heimatgesdiichte eine wichtige Quelle. Hansen war ein fleißiger, unermüdlich tätiger Mensch; dessen Andenken in der Geschichte der Saar durch sein Werk, wobei wir die Gründung der St. Barbara-Bruderschaft an die Spitze stel ­ len wollen, immer wach bleiben wird. Was ihn bewegte, sich der Arbeiterschaft anzu ­ nehmen, lag nidit im wirtsdiaftlidien Bereich (bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen), sondern kam aus seiner priesterlichen Sorge um das gei- stig-sittlidie Niveau der Industriearbeiter. In seiner langen Amtszeit als Pfarrer in Ottweiler von 1838 bis 1875 erlebte er nidit nur den Bau