47 ©ie Mci’fdicijten unü üdiutipatcone Der i6ctalcutc Von Walter Albrecht Der Bergmann der alten Zeit besaß ein tiefes religiöses Empfinden. Die Schwere des Berufs und die Gefahr bei der Arbeit im dunklen Schoße der Allmutter Erde, in den nie ein Sonnenstrahl eindringt, stimmten seine Seele zu ernster Ein ­ kehr und zu demütigem Gottvertrauen. Einstmals begann jede Schicht mit einer Andacht. Dann ver ­ sammelte sich im „Huthause“ (Zechengebäude) die anfahrende Belegschaft, um bei Gesang und Gebet den Segen des höchsten Bergherrn im Himmel zu erflehen. (Bild 3). Vielleicht wird sich mancher noch unter uns weilende Bergveteran jener Zeit und jenes Brauches erinnern? — Schon im 13. Jahrhundert bildeten sich überall an den Mittelpunkten des deutschen Bergbaus engere Vereine der bergmännischen Genossen, die unter dem Namen „Bruderschaften“ oder „Hauer ­ zechen“ zum Teil neben oder innerhalb der allge ­ meinen Knappschaft bestanden. Die Pflege echter Kameradschaftlichkeit und Wahrhaftigkeit war die vornehmste Aufgabe der Bruderschaft, die nach außen namentlich in der gemeinsamen Begehung besonderer, regelmäßiger Feste hervortrat. Das treue Zusammenstehen in Not und Gefahr ist auch heute noch ein schöner Charakterzug des Bergmannstandes. Eine sehr alte Bruderschaft gab es in Frei ­ berg in Sachsen. Jährlich am Fronleichnamstage marschierte sie geschlossen unter eigener Fahne zum Bergmeister, um in dessen Hause nach da ­ maliger schlichter Bergmannssitte die Früh ­ suppe einzunehmen. Wen hier der Vorwurf der Unredlichkeit traf, und wer sich nicht zu recht- fertigen vermochte, den hießen Bergmeister und Älteste von der Suppe aufstehen und die Bruder ­ schaft verlassen. Nur Männer reinen, ehrenhaften Lebenswandels wurden als Mitglieder der Bruder ­ schaft gelitten. Darauf bezieht der alte Berg- mannsspruch: „Nur wer Schlägel und Eisen in Ehren führt, ist wert, daß er unsere Knappschaft ziert“. Wegen dieser strengen Grundsätze stand die Hauerzeche zu Freiberg in hohem Ansehen, und die Kur- und Landesfürsten und viele Adelige und Bürger der Stadt, die Gewerken waren, ge ­ hörten ihr an. Eine besondere Bergfahne mit dem kurfürstlichen Wappen wurde an hohen Festtagen in der Wohnung des Bergmeisters ausgesteckt. Solange diese Fahne aushing, durfte keiner eine „mörderische Wehr“ haben oder Unfrieden an- Abb. I. St. Florion als Beschützer gegen Feuersgewalt fangen oder gotteslästerlich reden und sich be ­ trinken, noch verleumden oder Brett-, Karten- und Würfelspiel treiben. Wurde die Fahne ein ­ gezogen, mußte jeder nach Hause gehen. Von der Bergstadt Hüttenberg in Kärnten heißt es in der dortigen Bergverordnung vom Jahre 1424, daß die „Berggesellen alle Quattember eine Bruderschaft in den Ehren unserer lieben Frau und anderer Heiligen halten mögen“. In Siegen hatten die Bergleute sowie die Hütten-