43 Betriebsorganisation im Bergbau Von Dipl.-lng. Günter S c h I i e s i n g, Saarbrücken Genau wie jedes industrielle Fertigungspro ­ dukt, sei es ein Auto oder ein Radio, ist jede Tonne Kohle, welche dem Verbraucher zuge ­ führt wird, das Ergebnis vieler Hände und Köpfe. Diese Zusammenarbeit ist im Bergbau mit seinen täglich sich ändernden Verhältnissen noch notwendiger, als anderswo. Mit dem Fortschritt der Technik und infolge härterer Konkurrenzbedingungen durch bei ­ spielsweise Erschließung neuer Energiequellen sind heute im Bergbau an die Stelle vieler kleiner Gruben wenige große mit hohen und teilweise sehr hohen Förderziffern getreten. In diesen Gruben finden jeweils'mehrere tausend Bergleute Arbeit und Brot. Im Rahmen dieser Entwicklungsarbeiten sind außerordentlich hohe Kapitalaufwendungen notwendig gewesen. Dies bedeutet, daß jede Fördertonne von vornherein durch Kapital ­ kosten belastet ist, deren Anteil an den Ge ­ samtkosten vom Ausnutzungsgrad der Anlage abhängt. Anders ausgedrückt: die vorhandenen Anlagen und Maschinen kosten Geld, selbst wenn sie nicht arbeiten! Es ist Sache der Betriebsorganisation dafür zu sorgen, daß dieser Fall nicht eintritt, son ­ dern daß im Gegenteil eine möglichst hohe Ausnutzung der eingesetzten Maschinen und Geräte erreicht wird. Diese Aufgabe kann heute nicht mehr mit reinen Erfahrungswerten gelöst werden. Viel ­ mehr haben- im modernen .. Bergwerksbetrieb Methoden Eingang gefunden, wie sie schon lange in den Fertigungsbetrieben übertage an ­ gewendet werden. Während jedoch letztere ihre Fabrikations ­ bedingungen selbst wählen und festlegen kön ­ nen, ist dies im Untertagebetrieb bei der Ge ­ winnung der verschiedenen Mineralien nicht möglich. Vielmehr muß sich der Bergmann den naturgegebenen Bedingungen der Lagerstätte unterwerfen und sich ihnen im Rahmen des Möglichen anpassen. Welche Schwierigkeiten treten für die Or ­ ganisation des Betriebes auf? 1. Die Bauwürdigkeit ist nie sicher vorauszu ­ bestimmen, sodaß während des Abbaus un ­ liebsame Überraschungen eintreten können. Neue Erkenntnisse müssen gesammelt und ausgewertet werden. 2. Die Lagerstätte verliert durch den Abbau an Wert. Um die „Produktion" zu erhalten, müssen laufend neue Betriebe vorgerichtet werden, die Betriebspunkte wandern. 3. Der Arbeitserfolg ist unsicher, das Verhält ­ nis der „produktiven" (Abbau-)Schichten zu den „unproduktiven" (Aus- und Vorrichtung, Instandhaltung, Förderung) kann von heute auf morgen stark schwanken. 4. Es muß Rücksicht auf die Erdoberfläche ge ­ nommen werden, um Bergschäden zu ver ­ meiden. Trotz dieser Schwierigkeiten werden in den verschiedenen Bergbaugebieten gleichbleibende und stetig wachsende Förderziffern und Lei ­ stungen erreicht. Dies ist ein Zeichen für die Leistungsbereitschaft der Bergleute und die un ­ ermüdliche Kleinarbeit der Betriebsleitungen. Bei der Organisation eines Bergbaubetriebes sind zwei Etappen zu unterscheiden: 1. Eine Planung und Organisation für die Zu ­ kunft (Planung neuer Anlagen, Abbau neuer Feldesteile und Sohlen) — 2. Organisation des laufenden Betriebes durch, stetige Betriebsüberwachung. Bei der Planung und der Schaffung einer Rahmenorganisation neuer Anlagen oder für den Abbau neuer Feldesteile werden eine Reihe von Größen festgelegt, welche später für den laufenden Betrieb sehr wichtig sind, wie bei ­ spielsweise Lage und Förderkapazität der Schächte, Sohlenabstand, Energieversorgung, Bewetterung. Zur Bestimmung dieser Faktoren greift man auf Erfahrungswerte, technisch ­ wissenschaftliche Studien und auf Kennziffern zurück, welche vielfach der Zusammenarbeit der bergtechnischen Schulen und der Bergbau ­ unternehmungen zu verdanken sind. Während es sich bei dieser Großplanung um eine einmalige Arbeit handelt, welche nur in größeren Zeitabständen, beispielsweise bei einer Teil- oder Gesamtmodernisierung der Anlagen wiederholt wird, ändert sich die Orga ­ nisation des laufenden Betriebes stetig. Durch eine gründliche Betriebsüberwachung wird da ­ für gesorgt, daß das organische Ineinander ­ greifen sämtlicher Arbeitsvorgänge, welche im Grubenbetrieb auftreten, vom Abbau der Kohle bis zur Verladung der verkaufsfertigen Sorten in den Eisenbahnwaggon immer gewährleistet bleibt, ja als selbstverständlich hingenommen wird. Dabei stützt man sich einerseits auf Erfah ­ rungswerte, welche in den Betriebsstatistiken systematisch gesammelt und ausgewertet wer ­ den. Ein weiteres Hilfsmittel, welches man sich heute aus dem modernen Grubenbetrieb nicht mehr wegdenken kann, ist die Zeitstudie. Es muß unterschieden werden zwischen der Arbeitszeitstudie und der Arbeits- oder Be ­ triebsablauf Studie. Die Arbeitszeitstudie liefert Zeitaufwands ­ werte, welche als Richtwerte für die Planung