115 Abb. 3. Schleiferei Gegenstand einem Kühlungsprozeß unterworfen werden. Auf 4—5 Bändern durchlaufen die Glas ­ körper lange Kühlöfen, in denen sie zunächst wieder auf 500 Grad erhitzt und dann innerhalb von 2 Stunden, verschiedene Temperaturzonen durchlaufend, auf die Normaltemperatur abge ­ kühlt werden. Bis jetzt ist das Glas durch eine Kappe ver ­ schlossen. Beim folgenden Arbeitsprozeß muß diese abgesprengt werden. Das Bild in der Fa- brilkhalle hat sich raun vollkommen geändert. Während an den Schmelzöfen nur Männer be ­ schäftigt waren, finden wir an den Absprerag- maschinen Frauen. Neben sich haben sie Kästen mit Gläsern von je einer Arbeitsgruppe stehen, die pro Tag etwa 500—800 Gläser produzieren. Sie entnehmen ein Glas, ritzen es mittels einer Hartmetallspitze an, stellen es auf eine rotie ­ rende Scheibe und heben nach einigen Sekunden die Kappe ab. Einfach unverständlich. Das grenzt an Hexerei! Doch bei näherem Hinschauen be ­ merkt man eine fast unsichtbare, feine Gas ­ flamme, die das rotierende Glas bestreicht und infolge der künstlich herbeigeführten Spannun ­ gen des Glases an der angeritzten und damit schwächsten Stelle einen Sprung erzeugt. — Nun besitzen zwar die Gläser schon ihre nor ­ male Form, der Rand muß aber noch begradigt werden. Bevor sie an die sogenannten Flettma- rchinen waltergeleitet werden, die das Abschlei- fen des Randes besorgen (siehe Abb. 3), passie ­ ren sie Sortierstellen, in denen das fehleiihafte Material dem Fabrikationsprozeß entzogen wird. Nach dem Fletten werden die Gläser abgewa ­ schen und gelangen dann zur Versdunelzma- sdhine, wo der abgeschliffene Rand, der nach dem Flettvorgang zwar glatt ist, aber noch scharfe Kanten besitzt, durch Verschmelzen ab- Abb. 5. Formschöne Kristallgläser gerundet wird. Da sich durdi diesen Arbeits ­ vorgang neue Spannungen gebildet haben, folgt ein zweiter Kühlungsprozeß. Danach werden die Gläser ein zweites Mal sortiert. Von den Glas ­ körpern, die von der Arbeitsgruppe an den Häfenöfen hergestellt werden, fallen etwa 30—40°/o aus. Die Waren, die nicht für die Wei ­ terverarbeitung vorgesehen sind, werden an Ort und Stelle verpadet, die übrigen für die Ver ­ edelung vorgesehenen Gegenstände in die „Malerei“ (s. Abb. 4) bzw. in die Schleiferei geleitet. In der Abteilung „Malerei“ sehen wir eine Zeichnerin bei ihrer Arbeit. Mit großer Geschick ­ lichkeit malt sie Palmen auf Limonadegläser. Andere Frauen stempeln kunstvolle Dekore auf, indem sie einen die Verzierung enthaltenden Stempel mit dickflüssigem Öl bestreichen, das Glas auf dem Stempel abrollen, sodaß das Öl daran haften bleibt und schließlkh die Glaskör ­ per mit einer Farbe bepudern. Die bemalten Abb. 4. Zeichnerin beim Bemalen von Limonadegläsern