108 Die Geschichte der Herrschaft Püttlingen ge ­ hört zu der interessantesten der Ortschaften des Köllertales. Wie viele Orte des Saarlandes ver ­ dankt auch Püttlingen seine rasche Entwicklung zur größten Gemeinde des Köllertales einzig und allein den „Schwarzen Diamanten“. Bereits vor mehr als 200 Jahren, als man kaum noch unermeßlichen Reichtum, der tief in der Heimat ­ erde des Köllertales lagerte, ahnte, wurde be ­ reits in bescheidenem Maße mit dem „Abbau“ der Schätze begonnen. Im Jahre 1742 eröffnete der Fürst von Wied-Runkel im Großwald bei Altenkestsel und im Bauernwald Steinkohlen- gruben. Im Großwald waren 1773 drei Stollen mit vier Arbeitern, im Bauernwald ein Stollen mit zwei Arbeitern in Betrieb. Die Jahresförde ­ rung betrug 1779 1752 Fuder = 2226 Tonnen und stieg auf 2952 Fuder = 4428 Tonnen im Jahre 1785. Immerhin bedeuten diese beiden Stollenanlagen den Anfang der späteren Berg ­ baubetriebe des Köllertales. Die Straßenbezeichnung Crichingerstraße in Püttlingen erinnert uns an die Zeit als diese Gemeinde eine selbständige Herrschaft, gewis ­ sermaßen ein „Staat im Staate“ war. Crichingen (Crichange) war eine kleine Herrschaft an der Nied bei Falkenberg in Lothringen. Am 28. Fe ­ bruar 1408 wurde Johann II. von Crichingen durch Rudolf von Coucv, Bischof von Metz, mit der Veste Püttlingen im Köllertal (la forteresse de Putlange au Valan de Cologne) belehnt. Er geriet gegen das Jahr 1419 mit dem Grafen Phi ­ lipp von Nassau-Saarbrücken in Streit. Es hatten criehingische Knechte, nämlich Peter von Lodi- weil und Johann von Püttlingen, im Saarbrück ­ ehen Gebiet (Sulzbach, Exweiler, Hasborn) ge ­ pfändet und gebrandschatzt und wurden dabei von den Amtleuten des Grafen ergriffen. Johann von Crichingen forderte mit Ungestüm deren Freiheit und brach,, als diese nicht erfolgte, in greuliche Verwünschungen und Schmähungen gegen den Grafen aus. Bei dem im folgenden Aus der Geschichte einer großen Bergarbeitergemeinde Von D. Otto, Riegelsberg Jahre durchgeführten Manngericht wurde Johann von Crichingen seiner Lehen, die er von Nas ­ sau-Saarbrücken hatte, für verlustig erklärt. Im Jahre 1428 wurde durch einen Vergleich der Streit beigelegt und Johann von Crichingen erhielt seine Anteile wieder. Die Herrschaft von Püttlingen bestand aus mehreren abgesondert liegenden Ortschaften bzw. gewissen Anteilen an verschiedenen Dör ­ fern (S. Skizze). Nach dem letzten Bestand die ­ ser Herrschaft gehörten zu derselben folgende Ortschaften: 1. Püttlingen mit den auf diesem Bann gelegenen Weiler: Ernstthal, Rockershau ­ sen oder Luisenthal, Großwald, 2. Obersalbach, ein Ort, der mit seinem ganzen Bezirk zur Herr ­ schaft gehörte, aber vom Nassauischen Gebiet ganz umschlossen lag, 3. Reisweiler und 4. Fal ­ scheid, beide Orte grenzten zwar zusammen, e,s gehörten indessen nur gewisse Teile derselben zur Herrschaft. Diese vier Ortschaften bildeten die Herrschaft oder Meyerei (Bürgermeisterei) Püttlingen, die ein eigenes Hochgericht besaß, welches den Herren von Crichingen als Hofmitt ­ lere und niedere Gerichtsherren zustand. Die Untertanen in der Herrschaft waren ur ­ sprünglich Leibeigene und denselben Lasten und Abgaben und Dienstleistungen unterworfen, wie dieses allerorts die Leibeigenschaft mit sich führte. Sie blieben in diesem Verhältnis bis zur Zeit der französischen Reunion (1680), in welcher alle mit der französischen Verfassung nicht ver- einbarlichen Feudalrechte aufgehoben wurden. Die Leibeigenschaft und die Fronden wurden abgeschafft. Durdi einen Vertrag vom 22. Fe ­ bruar 1778 verkauft der Fürst von Wied-Runkel, nachdem er durdi Vertrag von 1768 die Fürsten von Nassau-Saarbrücken als Lehnsherren anerkannt hatte, die Herrsdiaft Püttlingen mit allen ihren Rechten für 120 000 Gulden an den Fürsten Lud ­ wig von Saarbrücken. Von diesem Zeitpunkt an gehört Püttlingen zu Saarbrücken und sein Eigen ­ leben ab „Staat im Staate“ hat aufgehört.