87 Von Dr. Egon Ecker, Spiesen Der Einfluss der Kohlenbergwerke auf die moderne Siedlungs ­ geschichte des Saarlandes Das Saarland (2 567,22 qkm, 929 829 Einwoh ­ ner, Bevölkerungsdichte 362 Einwohner pro qkm) stellt in geographischer und geologischer Hinsicht einen wenig geschlossenen Raum dar. Die einzel ­ nen natürlichen Landschaften, in die wir unsere Heimat einzuteilen pflegen, sind nach ihren Merk ­ malen und topographischen Grundlinien ziemlich verschieden. Stellt der im Norden gelegene Hoch ­ wald mit seinen Tonschiefern, Sandsteinen und Grauwacken einen Ausläufer der Rumpfschollen ­ region des Rheinischen Schiefergebirges dar. so gehören der Westen und Süden des Saarlandes zur pfälzisch-lothringischen Triastafel. Zwischen beide eingebettet liegt das Saar-Nahe-Bergland als Ver ­ bindungslinie von rheinischem Schiefergebirge und pfälzisch-lothringischem Stufenland. Es stellt eine mit kanonischen und permischen Ablagerungen ausgefüllte südwest-nordöstlich streichende Gra ­ bensenke dar, in der die Flöze des Steinkohlenge ­ birges eingelagert sind. Durch die zahlreichen Ver ­ werfungen und Faltungen hat diese Landschaft in ihrer Oberflächengestaltung einen etwas ruhigen Charakter erhalten. Demgegenüber steht — vom Saar-Nahe-Bergland durch den Buntsandstein getrennt — die ruhiger wirkende Muschelkalk ­ platte des Saar- und Bliesgaues, die die ältesten Kulturlandschaften unserer Heimat sind. Nicht nur in der Landschaft selber, sondern audi im Menschen und dessen Siedlungen tritt die Verschiedenheit der einzelnen Landschafts ­ gürtel zutage. So finden wir z. B. im Saargau vielerlei Einflüsse, die Wohnhäuser Borgs bei Perl zeigen mit ihren abgewalmten Schiefer ­ dächern typischen Hunsrückeinfluß, während die Gegend bei Sierck das lothringische flache Dach aufweist. — Die Häuser stehen Brandmauer an Brandmauer ohne Zwischenraum, so daß der Hof vor das Haus gelagert ist. So entstehen häufig reine Straßendörfer, wie dies z. B. Ittersdorf bei Wallerfangen zeigt. Während wir hier die typisch westlichen Flachdächer finden, haben wir im Ost ­ gebiet bei einer Mischung von offener und ge ­ schlossener Bauweise das Steildach, so z. B. in Bischmisheim, wo die geschlossene Bauweise vor ­ herrscht, also Haus an Haus steht. Ursprünglicher und wahrscheinlich ältester Siedlungstypus ist das Haufendorf; die Häu ­ ser stehen hier vereinzelt und zerstreut, und ein Dorfplan ist kaum zu erkennen. Ein besonders schönes Beispiel hierzu findet sich in Rosch ­ berg bei Namborn, einer Siedlung, die selbst heute kaum dreihundert Einwohner aufzuweisen hat. Der aus dem 19. Jahrhundert stammende Dorfplan dieses Ortes zeigt uns einen reinen Platz weiler (siehe Abb. 1) d. h. ein unregel ­ mäßig um einen Platz herumgebautes kleines Dorf, wie wir dies hauptsächlich in Oberdeutsch ­ land, im Elsaß, in Schwaben und der Oberpfalz, sowie im S amland finden. Neben dieser Art der Siedlung ist im Saarland noch als alter Siedlungs ­ typ das Haufendorf (siehe Abb. 2) in seiner eigentlichen Form verbreitet. Es stellt eine Reihe von Gehöften dar, die ohne sichtbare Ordnung meist um eine Kirche gegliedert sind. Moderneren Aufbau zeigen die Dorfanlagen des 17. Jahrhun ­ derts, vor allem die Warndtdörfer. Hier finden sich —- ähnlich wie in Schlesien und dem Erz ­ gebirge — typische Waldhufendörfer (siehe Abb. 3), die oft sehr ausgedehnt sein kön ­ nen, da hinter jedem Haus das zugehörige Wie ­ sen- und Gartenland liegt. Eine Mischung von offener Bauweise — also einzelnen Häusern bzw. Doppelhäusern, wie wir sie schon beim Wald ­ hufendorf des Warndts finden — bei Beibehal-