45 Waschkaue aber zur Lampenkaue, zum Steiger ­ büro und Zechensaal, vom Magazin zum Schacht und nicht minder unter Tage, wo immer der Fuß sich hinwendet, ist die Elektrizität uns dienstbar gemacht. Willst du's aber recht eindringlich erleben, wie die Elektrizität in dein Berufsleben eingreift, dann beobachte einmal ihre Wirkungsweise während der Förderung am Schacht. Die elek ­ trische Fördermaschine arbeitet vollkommen automatisch. Im Maschinenraum ist der Förder ­ maschinistenstand leer. Fast geheimnisvoll mu ­ ten sie an — die sauber gepflegten Maschinen und Geräte wie: Fördermotor, Treibscheibe mit Teufenzeiger, Steuerpult und Schachttafel. — Nichts regt sich, nur eine aufleuchtende Schrift meldet „Betrieb". Plötzlich ein kurzes Glocken ­ zeichen, eine aufleuchtende Schrift „Fertig" — und die Fördermaschine setzt sich in Bewegung! Was war geschehen? — Die Anschläger am Füllort und an der Hängebank hatten durch Be ­ tätigung eines Schalters Meldung gegeben, daß die Förderkörbe beschickt und zur Fahrt fertig sind. Diese elektrische Meldung ging zur För ­ dermaschine und leitete mit der Meldung das Anfahren derselben ein; um sie ebenso selbst ­ tätig zum zweiten Beschicken wieder stillzu ­ setzen. Mit einer gleichen Fertigmeldung der Anschläger wiederholt sich dieses Spiel, bis nach dem letzten Umsetzen die Fördermaschine ihr volles Treiben beginnt. Mit einer Geschwin ­ digkeit von 18 m in der Sekunde, oder 65 km in der Stunde, durchfahren die Förderkörbe den Schacht, bis gegen Zugende automatisch die Verzögerung einsetzt und so die Förder ­ körbe ruhig und sicher in die Hängebank und am Füllort einfahren, um dann selbsttätig still ­ gesetzt zu werden. Während dieser ganzen Zeit, wie Umsetzen, Beschleunigung, volle Fahrt, Verzögerung und Stillsetzen, wird die Maschine vollautomatisch überwacht, sodaß bei Ab ­ weichungen während des gesamten Geschwin ­ digkeitsverlaufes zum Ausgleich elektrisch ein ­ gegriffen wird. Sollte aber einer dieser elek ­ trischen Wächter einmal versagen, wird ebenso selbsttätig ein neuer elektrischer Stromkreis wirksam, der über das Wohlergehen der An ­ lage wacht und sie vor Materialschaden be ­ wahrt. Er wird aber bei Störungen die Maschine nicht nur selbsttätig außer Betrieb setzen, son ­ dern auch durch Ruf- und Schauzeichen dem Maschinisten zur Vermeidung unfruchtbaren Suchens melden, wo die Störungsstelle liegt. So wird mit Hilfe der Elektrizität die durch fleißige Hände gewonnene Kohle sicher über Tag geschafft. Verfolgst du das Fördergut aber weiter über Wipper - Brecher - Bänder - Siebe bis hin zu den Verladestellen, wirst du ein ­ dringlichst erleben, wie sämtliche Arbeitsvor ­ gänge elektrisch eingeleitet und überwacht — falsche Wege des Fördergutes vermieden wer ­ den, und bei Störungen die Antriebe von der Störungsstelle aus rückläufig zur Vermeidung von Fördergutanhäufung selbsttätig stillgesetzt wer ­ den. Aber nicht nur zur Vermeidung von Material ­ schaden und Zeitverlust ist die Elektrizität als Wächter eingesetzt, sondern auch zum Schutz von Menschenleben. Dies gilt also besonders während der Seilfahrt, bei der die Maschine von dem Fördermaschinisten bedient wird. Wäh ­ rend der Seilfahrt aber gestatten übersichtlich angeordnete elektrische Meßinstrumente eine Beobachtung des ganzen Seilfahrverlaufes. Die Fahrtgeschwindigkeit selbst wird auch hier elek ­ trisch und selbsttätig überwacht. Abweichungen werden automatisch ausgeglichen. Sollte trotz allem durch irgendeine Störung in den elektrischen Stromkreisen die Geschwin ­ digkeit ansteigen, erhält der Maschinist sofort automatische Warnmeldung, übersteigt jedoch die Geschwindigkeit einen von der Bergbehörde vorgeschriebenen Wert, wird die Förder ­ maschine elektrisch ohne Eingriff des Maschi ­ nisten stillgesetzt. Ein Wiederanfahren der Maschine ist durch eine entsprechende elektri ­ sche Einrichtung erst dann möglich, wenn die Störungsursache beseitigt ist. Das nachfolgende Bild zeigt eine solche Anlage in schematischer Darstellung. So steht uns die Elektrizität auf allen Gebie ­ ten helfend zur Seite. Ihr oft verborgenes Wir ­ ken läßt den Außenstehenden den Fortschritt in der Nutzbarmachung kaum wahrnehmen, obwohl die Weiterentwicklung unaufhaltsam vorwärts schreitet, um sich zu Nutz und From ­ men der Menschheit auszuwirken.