24 das Eisengitter-Gerüst hergestellt werden. In eine Form, bzw. Verschalung gebracht, wird der Betonstein auf dem Rütteltisch gegossen. Durch eine Vakuumpumpe wird dem Betonstein nach dem Gießen das Wasser bis zu einem bestimmten Grade so schnell entzogen, daß er innerhalb von 3 bis 5 Minuten abbindet und aus der Form gelöst werden kann. Mit einer Seilbahn mit elektrischer Schaltknopf-Bedienung wird der fertige Stein dann weggebracht. Die Ansaugkraft des Vakuum-Motors ist so intensiv, daß er sicherer an der Ansaugefläche haften bleibt. Die Tagesproduktion an Betonsteinen beträgt im Durchschnitt 250 Stück. Die Ausmaße der Steine sind 80x50x13 bzw. 16 cm, d. h. die Außenstärke beträgt 16, die Innenstärke 13 cm. Im Freien sind Tausende von Steinen Reste des „Versteinerten Steinkohlenwafdes", drei Baum ­ stämme in der östlichen Böschung des nördlichen Ein ­ schnitts. zum Trocknen aufgestapelt, wodurch die Festig ­ keit erhöht wird. Per Kran mit Vakuum-Motor werden sie zu je vieren nach hier gebracht. Auf beiden Seiten des Tunnels, beim süd ­ lichen und nördlichen Einschnitt, wurde jeweils eine ausgedehnte Barackenstadt errichtet. Ne ­ ben solchen für Werkstatt-Betriebe, für die Preßluft-Kompressoren, zum Umkleiden der Ar ­ beiter usw. sind auch eine Anzahl von schönen Wohn-Baracken gebaut worden, in denen sich die Arbeiter und Angestellten, die nicht täglich nach Hause fahren, nach getaner Arbeit aus ­ ruhen und wohlfühlen können. In einer größe ­ ren Baracke haben die Betriebsleitung der Firma Lehnhard und die technische Dienststelle der Saarbergwerke ihren Sitz. An den Wänden des Betriebsbüros sieht man riesengroß die ein ­ zelnen Arbeitsvorgänge des Tunnelbaues gra ­ phisch dargestellt mit dem jeweiligen Fortschritt pro Arbeitstag. In den beiden Einschnitten und im Tunnel wurden in den Nebengesteinsschichten des Steinkohlengebirges eine Anzahl von größeren und kleineren Stücken mit versteinerten Pflan ­ zen: Farne, farnähnliche Gewächse. Schachtel ­ halm- und Bärlapp-Gewächse gefunden. Die gesammelten Stücke werden teils der geologi ­ schen Sammlung der Bergschule zu Saarbrük- ken, teils dem Bildstocker Heimat-Museum ein ­ verleibt. In den Böschungen beider Einschnitte wurden eine Anzahl von im Gebirge noch auf ­ recht stehenden Baumstämmen freigelegt. Sie sind bis ein Meter dick und stellen die Reste von Siegelbäumen dar, wie sie vor rund 250 Millionen Jahren hier gewachsen sind. An einer Stelle des nördlichen Einschnittes stehen sogar drei Stämme dicht beisammen, so daß man im Bereich der Einschnitte und des Tunnels im wahrsten Sinn des Wortes von einem „Verstei ­ nerten Wald" sprechen kann. Der alte Tunnel schneidet den Bereich der Jllinger Straße unter dem Hause der Bäckerei Welker neben dem Trierer Hof und verläuft unter der Wirtschaft „Schuck am Berg". Der neue Tunnel verläuft ungefähr unter den Häu ­ sern Metzgerei Theobald auf der einen und Warken auf der anderen Seite der Jllinger Straße. Das große Bauvorhaben brachte Bildstock in ein ganz besonderes Blickfeld. Nicht nur die Bildstocker Bevölkerung, sondern auch Besucher aus den umliegenden Ortschaften sind vom Morgen bis zum Abend dabei, das grandiose, im Werden begriffene Werk, insbesondere die fortgeschrittene Tiefbautechnik zu bewundern. Die Sektion Saarbrücken der Societe de l'lndu- strie Minerale hatte ihre Mitglieder zu einer Besichtigung der Baustelle eingeladen. Unter großer Beteiligung hat diese stattgefunden. Zuvor wurden im „Gloria-Palast" zu Saarbrük- ken von den Herren Obermarkscheider Lenge und Direktor Pagel von den Saarbergwerken, Generalinspecteur Prof. Caquot und dem Chef der Tiefbaufirma Lehnhard, Herrn Lehnhard, entsprechende Vorträge gehalten. Aber auch die von weit her kommenden wissenschaftlich interessierten Kreise technischer Hochschulen und Universitäten kamen an die Baustelle. Zu nennen sind u. a. das Geologische Institut der Technischen Hochschule in Aachen und das Palaeontologische Institut der Universität Mün ­ chen. Der größte und schwierigste Teil der Bau ­ arbeiten ist bereits getätigt. Aber noch ist viel Kleinarbeit erforderlich, bis der erste Zug durch den neuen Tunnel rollen wird. Möge das Werk seiner glücklichen Vollendung zum Segen der Menschheit und des Bergbaues an der Saar entgegengehen.