-22 bach und Hoiz durch eine Stollengrube aus ­ gebeutet. Wie aus den oben angeführten geologischen Verhältnissen hervorgeht, ist das anstehende Gestein im Bereich des Tunnels und der Ein ­ schnitte vorwiegend sandiger und toniger Art und infolgedessen tiefgründig verwittert. Die Bagger hatten zunächst leichte Arbeit im nörd ­ lichen Einschnitt, mit dessen Erstellung zuerst begonnen wurde. Anders wurde es, als der „gewachsene Boden", d. h. festes Gestein er ­ reicht wurde. Am 8. Mai 1953 bereits wurde ein schönes Flöz mit rund 1,20 m Kohle frei ­ gelegt. Es handelt sich um das Flöz B, das auch 49-zölliges Flöz genannt wird und über dem nördlichen Tunnel-Eingang zutage geht. Jung und alt waren auf den Beinen, die teils schon durch die Bagger-Tätigkeit gelockerten Kohlen mit Eimern und Handwagen in den Kel ­ ler zu „fördern". Von Woche zu Woche wurde der Einschnitt tiefer. Nach knapp vier Monaten hatte er bereits seine größte Tiefe von etwa 28 m erreicht. Bei diesen Arbeiten wurden nacheinander die Flöze A, B, Bi und C frei ­ gelegt, die an den Böschungen des Einschnitts deutlich zu erkennen waren. Von der Grühling- stollensohle abwärts sind die Flöze A und B abgebaut. Der stellenweise sehr stark zusam ­ mengedrückte Bergversatz ist gut zu sehen. Söhlige Flözstrecken, in denen das Förderge ­ stänge noch liegt, wurden freigelegt. Auf einer Schiene war in erhabenen Buchstaben und Zif ­ fern zu lesen: „Burbacher Hütte 1865". Der Ab ­ bau geht bis in die Zeit des vergangenen Jahr ­ hunderts zurück. Ur- und Ururgroßväter der heutigen Generationen lagen hier vorm Stoß, die Kohlen in der einfachsten Art mit dem Pickel zu unterschrämen und zu gewinnen. Als der Einschnitt seine größte Tiefe erreicht hatte, wurde mit der Herstellung des nördlichen Tunnel-Portals in Eisenbeton begonnen. Der Tunnel wird kreisrund mit einem lichten Durch ­ messer von 9,34 m. Während der alte Tunnel gerade war, wird der neue leicht gebogen mit einem Bogen-Halbmesser von 500 m. Zwischen ­ durch wurden die Einschnitt-Böschungen, insbe ­ sondere in den Bereichen, wo das weniger standfeste Kohlengestein ansteht, mittels Eisen ­ beton befestigt. Die so entstandenen Beton ­ streifen verlaufen so wie die Flöze A, B, Bi und C und zeigen deren Lage an. Ende Juli 1953 wurde mit der Herstellung des südlichen Einschnittes begonnen. Verhältnis ­ mäßig schnell war an der Stelle des Tunnel- Eingangs fast die größte Tiefe des Einschnittes von etwa 37 m erreicht. Die letzten Reste der alten Grube Helene fielen den Baggern nun ­ mehr zum Opfer. Der 665 m tiefe Schacht He ­ lene 2, ganz verfällt, ist in seinem oberen, kreisförmigen, gemauerten Teil an der östlichen Einschnitt-Böschung noch zu sehen. Der 185 m tiefe Schacht Helene 1 wurde im Zuge der Ein ­ schnittarbeiten verfällt. Alte Gestänge- und Ka ­ belreste kamen an den Böschungen zum Vor ­ schein. Die besonders an der östlichen Böschung freigelegten Stolien und Umbrüche im Bereich der Helenen-Schächte in der Grühlingstollen- sohle waren größtenteils noch offen und so gut erhalten, daß sie befahren werden konnten, trotzdem seit der endgültigen Einstellung der Grube Helene bereits rund 20 Jahre verflossen sind. Das Fördermaschinenhaus des Schachtes 2 ist nun gänzlich verschwunden, während das des Schachtes 1 mit der 'Bezeichnung „Druk- kerei Schöndorf" noch steht. Der Einschnitt rückte mit seiner westlichen Böschung so nahe an das große, noch stehende Maschinenhaus, in dem die großen Hoch- und Niederdruck- Kompressoren standen, heran, daß einige Me ­ ter des östlichen Gebäudeteiles abgerissen wer ­ den mußten. Die alten Bergpensionäre von Bildstock und Friedrichsthal, die bei ihren täg ­ lichen „Befahrungen" des Einschnittes auch den alten Grühlingstollen gesehen haben, dachten wohl voller Wehmut an die Zeiten zurück, da sie noch jung an Jahren, tagtäglich durch die ­ sen ein- und ausgefahren sind. Mit dem Tieferwerden des Süd-Einschnittes wurden auch die Flöze F (am Tunnel-Eingang), Motz, 26-zölliges und 1. Liegendes freigelegt. Ein besonders ergiebiges Flöz war in der alten Grube Helene das Flöz Motz, das auch hier über 2 m mächtig und von sehr reiner Beschaf ­ fenheit ist. In der Nähe des oben genannten Maschinenhauses zeigt das Flöz F eine deut ­ liche Knickfalte. Weiter südlich läßt das Flöz Motz nahe der Erdoberfläche eine Verwerfung (Sprung) mit geringer Verwurfshöhe erkennen. In diesen sogenannten tektonischen Erscheinun ­ gen handelt es sich um Störungen innerhalb des Gebirges, die in nachkarbonischer Zeit im Rotliegenden bereits entstanden sind, teils als Auswirkungen bei dem Zustandekommen des „Pfalz-Saarbrücker-Hauptsattels". Diese Störun ­ gen haben demnach mit den Erdbewegungen als Folgeerscheinungen des Bergbaues nichts mehr zu tun. Anfang Oktober 1953 wurde mit der Her ­ stellung des Tunnels begonnen. Zunächst wurde der Firststollen von Norden und Süden her als Gegenortbetrieb mit einem Querschnitt von rund 8 qm aufgefahren. Die Bohrlöcher zum Heraussprengen des Gesteins wurden mit Haus ­ herr-Bohrmaschinen, die auf einem besonders konstruierten Bohrwagen montiert sind, heraus ­ gestellt. Das durch die Sprengarbeit hereinge ­ wonnene Gestein wurde mit Salzgitter-Lader in Kippwagen geladen und vor dem Stollen auf die Halde gekippt, von wo es mittels Baggern auf Lastwagen verladen, auf die Bergehalde gefahren und dort gestürzt wurde. Am 18. De ­ zember hatte das noch stehende Zwischenmittel im Stollen eine Stärke von nur noch 2,80 m, was durch ein Vorbohrloch festgestellt wurde.