14 Mechanisches Laden beim Weiterteufen von Schacht II auf Grube Göttelborn Von Dipl.-Ing. Paul Kessler Das Abteufen eines Schachtes stellt im Berg ­ bau eine der gefährlichsten und mühevollsten Arbeiten dar. Das gewöhnliche Abteufen eines Schachtes erfolgt von Hand mit Schießarbeit, d. h. jeder Abschlag muß von Hand geladen werden. Diese Ladearbeit nimmt natürlich eine große Zeitspanne in Anspruch und verlangt von den Hauern auf der Schachtsohle einen ganz erheblichen Arbeits- und Kräfteaufwand. Die Bestrebungen im Bergbau laufen da hinaus, einmal großen Gewinn an Zeit zu erreichen, zum anderen den Arbeitsaufwand durch Scho ­ nung der Arbeitskraft des Schachthauers, der durch die schwere Wegfüllarbeit auf der Schachtsohle sehr beansprucht wird, zu verrin ­ gern und schließlich den Einsatz von Menschen auf der Schachtsohle so niedrig wie möglich zu halten, um der Unfallgefahr vorzubeugen. Hierzu leistet das mechanische -Wegladen des Haufwerkes auf der Schachtsohle einen erheb ­ lichen Beitrag. In einigen Jahren muß auf Grube Göttelborn die jetzige Hauptfördersohle, 3. Sohle, durch eine neue ersetzt werden. Der gewählte Soh ­ lenabstand beträgt 120 m. Es mußte also mit dem Weiterteufen eines Schachtes begonnen werden und hierzu wurde Schacht II bestimmt, der einen lichten Durchmesser von 5,10 m hat. Dadurch, daß die Förderung von Schacht II von der 3. zur 2. Sohle umgestellt werden konnte, bereitete das Weiterteufen des Schachtes kei ­ nerlei betriebsstörende Schwierigkeiten. Vor dem Weiterteufen mußten zwischen der 2. und 3. Sohle die entsprechenden Schutzvorrichtungen eingebaut werden. Im Füllort der 3. Sohle be ­ finden sich für das Abteufen folgende Einrich ­ tungen : — Ein elektrischer Abteufhaspel mit Seilschei ­ benverlagerung im Schacht, oberhalb des Sohlenanschlages. — Eine preßluftbetätigte Schachtklappe zum öffnen und Schließen des Schachtes. — Ein Bergetrichter zum Kippen des Kübels und Verladen der Berge in Wagen (2.500 I). — Eine Mörtelmaschine für das Mauern des Schachtes. — Ein Betonmischer zum Herstellen der Form ­ steine. Erfolg: Schonung der Arbeits ­ kraft des Schachthauers Kurz nur will ich den Ablauf der Arbeiten, eingesetzte Maschinen und Gezähe beim Wei ­ terteufen schildern: 1. Bohrarbeit Das Bohren der Abschläge wird mit Bohr ­ hämmern MEUDON SP, bei einem Betriebs ­ druck von 5 atü und einem Wasserdruck von 10 atü, durchgeführt. Ein Bohrhammer wiegt 26 kg. Es werden Abschläge von 3,0 m ab ­ gebohrt, so daß man im Durchschnitt mit 2,8 m Fortschritt je Abschlag rechnen kann. 2. Schießarbeit Bei anstehender Kohle wird mit Schießstufe 2 (Wettersprengstoff und Millisekundenzünder) und in reinem Gestein mit Schießstufe 1 (Ge ­ steinssprengstoff und Millisekundenzünder) geschossen. Gezündet werden die Schüsse vom Füllort, 3. Sohle, aus. Die Schußschwaden ziehen durch einen sau ­ genden Luttenstrang ab, ohne andere be ­ legte Grubenbaue zu bestreichen. 3. Ladearbeit Die Ladearbeit liefert wohl den interessan ­ testen Teil des Weiterteufens. Erstmalig an der Saar wurde der Eimkolader auf der Schachtsohle zum Wegladen des Haufwerkes eingesetzt. Wir verwenden den Eimkolader 21. (Siehe Abb. 1). Normalerweise ist die Schaufel die ­ ses Laders zentriert und kann nur in der Längsachse der Maschine entleeren. Diese Zentriereinrichtung wurde ausgeschaltet, so daß die Schaufel mit dem Oberbau jetzt ge ­ dreht und auch nach der Seite hin entleeren kann. Ferner wurden an der Lademaschine 4 Ösen angebracht, um einen Transport mit dem Abteufhaspel zu ermöglichen. Die zum Laden verwendeten Kübel fassen 1.500 I. Das Fahren des Laders auf dem Haufwerk erfordert ein besonderes Gestänge, auf welchem er hin- und herfahren kann. Dieses Gestänge besteht aus einer Notlänge (24 kg Schienen) von 1,8 m Länge und zu ­ sätzlichen auf die Seite gelegten Vorzugs ­ schienen (24 kg), zum Verlängern der Fahr ­ bahn von 2,5 m Länge. Die Gesamtfahrbahn ­ länge beträgt somit etwa 4,0 m (siehe Abb. 2).