190 Gartenland — Kinderland! Von A. Buschmann, St. Ingbert ir bejahen das Eigenleben der Pflanzen und der Tiere unseres Gartens, wir spüren die geheimen Zusammenhänge auf, die gesetzmäßig in allem Leben liegen. Dadurch kommt uns die Erkenntnis, daß auch in jedem jungen Menschen ­ wesen sich ein eigenes Gesetz erfüllen will. Würden wir eine Blumenknospe, die sich morgen oder übermorgen aus innerem Antrieb öffnen wird, mit Ungeduld auseinanderzerren? Und wie oft zerren wir so an der Seele eines Menschen ­ kindes, weil es eine „Pädagogik“ fordert! Der Garten und die Nähe der einfachen, natür ­ lichen Gesetze läßt uns in der Kindererziehung einen natürlicheren Weg finden. Schon dadurch, daß wir unseren Kindern im Garten ein eigenes Stüde Land einräumen, kommen wir ein gutes Stück vorwärts. Das eigene Stück Land gibt dem Kinde die erste Verantwortung. Pflanzen, lebendige Wesen, werden ihm anvertraut. Der bei Kindern natürliche Trieb der Zerstörung aus Unkenntnis der inneren Werte kann hier mühe ­ los abgeschaltet werden. Als ich einem kleinen Mädchen erzählte, daß die Akelei, die man ihr für ihr Beet geschenkt hatte, eine lebendige, kleine Dame ist, als ich ihr erzählte, daß sie ganz tief unten in ihrem Wurzelhaus wohnt und nur wartet, bis es warm wird, um heraus ­ spazieren zu können, da nahm das Kind mit scheuer Behutsamkeit den Wurzelstock in die Hand und pflanzte ihn mit Ehrfurcht. Und wenn ich ihr sagte, daß es der Akelei weh tut, wenn das Wurzelhaus Trockenheit leidet oder mit zu ­ viel Wasser überschwemmt wird, dann war ich sicher, daß der kleine Kerl bald die Geheim ­ nisse des richtigen Gießens herausfindet. Tauch ­ ten Zweifel auf, so wurden rasch Vater und Mutter um Rat gefragt, denn nie hätte die kleine Blumenhüterin zugegeben, daß ihre Schützlinge dürsten oder ertrinken. Groß war der Jammer, wenn ja einmal eine Pflanze nicht wachsen wollte. Wie schnell hat doch so ein kleines Ge ­ müt das Pflanzenleben erfaßt! Auf dieses Er ­ fassen kommt es allein an: Hat das Kind erst vom großen Reich der Natur ein Stücklein nahe am Herzen, so ist es dem ganzen Kosmos ver ­ bunden. Feiern wir auch unsere Feste wieder im Garten! Ostern suchen wir die Eier unter Strauch und Baum. Das ist Auftakt für viele Garten ­ feste in Sommer- und Herbstzeit. Kann man nicht ein Fest feiern, wenn die ersten Radies ­ chen reif sind? Muß man nicht ein Fest feiern, wenn hochgehäufte Erdbeerschüsseln auf dem Tisch stehen? Ist es nicht ein Fest, im selbst ­ getrockneten ersten Heuhaufen zu liegen, die ersten Frühäpfel zu pflücken? Und erst die goldenen Tage herbstlichen Einheimsens! Dann wird es stiller im Garten. Ich könnte mir schon noch einen Chrysanthemenfesttag denken, ganz spät im Oktober, wenn die Nebel über den Garten ziehen, ohne die Glut und Farbe unserer Chrysanthemen zu dämpfen. Und im November holen wir zum Adventskranz Zweige und winter ­ grünes Laub und lassen den Garten so teil ­ haben an unserer Adventsfeier. Selbst Weih ­ nachten, wenn der Garten bis über die Ohren in seiner weißen Pelzmütze steckt, vergessen wir ihn nicht. Ist der Himmel klar, so stecken wir Kerzen draußen an ein Tannenbäumchen und erfreuen uns vom warmen Zimmer aus an diesem Zauberbild. Wenn wir solche Feiertage mit unseren Kindern erleben, dann machen wir ihnen den Begriff „Gartenfeste“ wieder lebendig. Aber auch mitarbeiten müssen wir die Kinder lassen! Freilich gehört dazu Geduld. Die kleinen Hände sind eben noch tolpatschig; mit pedan ­ tisch - schulmeisterlicher Belehrung oder gar ärgerlichem Beiseiteschieben werden wir die Liebe zur Gartenarbeit nicht wecken, Kamerad ­ schaftlich müssen wir immer wieder den Kindern