77 Leuchtstoflröhren-Decke in einem Foyer und nutzt die Wärme aus, um ein feines, nicht brennbares Ge ­ webe aus bestimmten Oxyden zu erhitzen. Dieser sogenannte Glühstrumpf ist dann die eigent ­ liche Lichtquelle. Bei der elek ­ trischen Glühlampe verwendet man dagegen als Lichtquelle einen Kohle- und Wolframfaden. Da diese Fäden nur Dicken von hundertstel Millimeter haben und auf Temperaturen von 2500 bis 2700 Grad Celsius erhitzt werden, würden sie an der Luft sofort verbrennen. Luftleere oder mit neutralen Edelgasen gefüllte Gaskolben, Wendel und Doppelwendel sichern aber eine Lebensdauer von 200 Stunden. Einen weiteren Warmstrahler mit besserem Licht bei größerem Aufwand stellt der elektrische Lichtbogen dar, werden doch in dem Krater der Kohlen Temperaturen von 3600 Grad Celsius erreicht. Die Erzeugung von „kaltem Licht" ist und wird praktisch auch in Zukunft auf die Ver ­ wendung der elektrischen Gesamtladung be ­ schränkt bleiben. Bei kleinsten Abmessungen benutzen wir sie in den sogenannten Glimm ­ lampen für Signalzwecke und in Längen von 60 cm bis zu mehreren Metern als Leucht ­ röhren. Die technische Bezeichnung für Leucht ­ röhren, die mit normaler Netzspannung arbeiten und mittels des Puderbelages weißes Licht er ­ zeugen, ist übrigens nicht „Neonröhre“, son ­ dern „Leuchtstofflampe“. Im Vergleich mit anderen technischen Ge ­ räten ist es interessant festzustellen, daß wir bei Glühlampen bestenfalls einen Wirkungsgrad von 4 Prozent bei Leuchtstofflampen, dagegen von 15 Prozent in der Energieumsetzung er ­ reichen. Die Entwicklung der Lichttechnik Der Mensch hat in einem dämonischen Kampf eine Höhe der Zivilisation erreicht, die nur verstanden und erfaßt werden kann, wenn wir einmal die veralteten Grenzen einer teilweisen Geschichtsbetrachtung verlassen. Durch die Er ­ forschung der Natur wissen wir heute, daß unsere Erde etwa 3—4 Milliarden Jahre alt ist, während das Alter des Menschengeschlechtes vielleicht 500 000 Jahre betragen dürfte. Mit dem Auftreten des ersten Menschen erfolgte aber auch der erste Eingriff in die Natur: Die Beherrschung des Feuers als Waffe, Wärme- und Lichtquelle bedeutet die Vorstufe und die Voraussetzung zur Eroberung der Erde. Mit trockenen Spänen aus harzreichem Holz, den Kienspänen, wurde das Feuer gezündet, ge ­ hütet und getragen. Der Kienspan war und blieb die längste Zeit erste und einzige Licht ­ quelle. Das Verfolgen der Entwicklung des Kunstlichtes führt zu einer erstaunlichen Zeit ­ tabelle: Zeit Art der Erfindung ca. 500 000 v. Chr. Kienspan ca. 10 000 v. Chr. öldochtlampe mit Pflanzenöl ca. 0 Erfindung der Kerze (verm. durch Römer) 1765 n. Chr. Glaszylinder für Dochtlampen (Quinquiet) 1808 Elektrischer Lichtbogen (Davy) Leuchtgasflamme 1859 Petroleumlampe 1879 Kohlenfadenglühlampe (Edison) 1891 Glühstrumpf für Gaslampen (Auer von Welsbach) 1906 Wolframglühlampe 1909 Erste Neonröhren 1932 Doppelwendelglühlampe 1935—40 Leuchtstofflampe Man stelle sich nun vor, wir wollten den In ­ halt dieser Entwicklung in einem Diagramm darstellen, in dem wir horizontal die Zeit und vertikal die Höhe der Entwicklungsstufe auf ­ zutragen versuchten. Wenn wir dabei die Breite des Diagrammes mit 10 cm wählen würden (also 1 cm für 50 000 Jahre), so erhielten wir praktisch ein Schaubild, das auf 99 mm eine einfache horizontale Linie und auf 1 mm einen steilen senkrechten Strich aufweisen würde. Mehrere hunderttausend Jahre hat der Mensch unter primitivsten Verhältnissen buchstäblich um das nackte Leben gekämpft, um dann in einer Explosion aller Anstrengungen in unvor ­ stellbare Höhen der Naturbeherrschung zu streben. Man ist versucht, dabei an Münch ­