63 Das Z Volksgetränk der Saarländer Jährlich 70 Liter pro Kopf der Bevölkerung Wenn der Volksmund behauptet, Durst sei schlimmer als Heimweh, so mag es eine Reihe von Leuten geben, die auf dem gleichen Stand ­ punkt stehen. Wir wollen hier nicht darüber streiten, wel ­ ches von beiden Übeln wohl das größere sei. Fest steht, daß unter Heimweh nur bestimmte Menschen leiden, während wir den Durst alle schon am eigenen Leibe verspürt haben, und darin sind wir uns dann wieder einig, Durst haben ist eine scheußliche Angelegenheit. Um so schöner, von kühlen erfrischenden Geträn ­ ken zu sprechen, deren es ja heute wieder eine Fülle gibt. Gott sei Dank sind die Zeiten vor ­ bei, wo man sich mit Faßbrause, Malzkaffee oder gar Wasser begnügen mußte. Die Krone der durststillenden Getränke ist aber immer noch ein goldgelbes Bierchen, wenn es kühl und frisch ins Glas zischt und sein weißes Schaumhäubchen Erquickung verspricht. Die Saarländer sind ausgesprochene Bier ­ trinker. Für sie ist der Gerstensaft nicht nur der Freudenspender in geselligen Stunden, sondern sie betrachten ihr Bier mit Fug und Recht als wertvolles Nahrungsmittel. Wie sehr sich das Bier wachsender Beliebtheit im Saar ­ land erfreut, zeigen die folgenden Ausstoß- und Verbrauchszahlen der letzten fünf Jahre: 1948 = 299.384 hl = 33,11 Liter pro Kopf der Bevölkerung, 1949 = 497.604 hl = 53,78 Liter pro Kopf der Bevölkerung, 1950 — 568.423 hl = 60,31 Liter pro Kopf der Bevölkerung, 1951 = 605.268 hl = 63,20 Liter pro Kopf der Bevölkerung, 1952 = 671.084 hl = 69,5 Liter pro Kopf der Bevölkerung. (Statistisches Jahrbuch für das Saarland 1952.) Den meisten Durst in unserer Heimat gibt es wohl im dunklen Schoß der Erde, am glühen ­ den Hochofen, an lärmenden Maschinen und wo immer der saarländische Mensch schwere körperliche Arbeit verrichtet. Darum sind auch unsere Bergleute und Hüttenarbeiter treue Kunden der saarländischen Brauindustrie. Die Brauer wissen um die Vorliebe der schaffenden Bevölkerung für ein Qualitätsbier, ist dies doch eine grundlegende Bedingung für die günstige Aufwärtsentwicklung ihrer Betriebe gewesen. Dieses Vertrauen immer aufs neue zu recht- fertigen, wetteifern 12 moderne Betriebsstätten an der Saar, denen es gelungen ist, trotz durch den Krieg bedingter Zerstörungen und den Rohstoffmangel der Nachkriegsjahre heute wieder ein Bier auf den Markt zu bringen, das preisgünstig ist und dabei gleichzeitig auch den verwöhntesten Geschmack befriedigt. Der Gang durch eine neuzeitliche Brauerei zeigt, daß das Brauen heute ein wenig mehr Auf ­ wand erfordert als zu Zeiten unserer Vor ­ fahren. Und doch, so berichtet uns Tacitus, spielte das Bier im Leben der Germanen schon eine bedeutende Rolle. Singen wir nicht im Scherzlied: „Es saßen die alten Germanen zu beiden Seiten des Rheins. Sie saßen auf Bärenfellen, und tranken immer noch eins!“ Was da in kunstvollgefriebeneai Bechern im ­ mer wieder die Runde machte, die Festgelage Kessel in einem saarländischen Sudhaus