22 Von Dt. C 1 a a s s u. Masch. - Werkm. B r u n k e D er Laie hat im allgemeinen keine ge ­ naue Vorstellung über Aerosole. Meistens herrscht die Auffassung vor, es handele sich um Kunstprodukte, welche durch komplizierte medizinische Apparaturen erzeugt werden. Wenn feste Körper in feinste Teilchen zer ­ mahlen und in einer gashaltigen Atmosphäre verteilt werden, ent ­ steht ein Aerosol, wel ­ ches in festen Körpern seinen Ausgang ge ­ nommen hat. Wenn Flüssigkeiten in feinste Tröpfchen zerstäubt und letztere in einen Schwebezustand ver ­ setzt werden, so ent ­ steht ein Aerosol, wel ­ ches in einer Flüssig ­ keit seinen Ursprung hat. Vielleicht wäre es für den normalen Sprachgebrauch ver ­ ständlicher, Aerosole aus festen Körpern als Feinststaub und Aero ­ sole aus Flüssigkeiten als Feinstnebel zu be ­ zeichnen. Auf der anderen Seite ist aber die Zu ­ sammenfassung der feinsten Schwebe ­ stäube und der feinsten Nebel in der Bezeich ­ nung Aerosole berechtigt, weil sie gewisse mechanische und elektrische Eigenschaften ge ­ meinsam haben. Feinststäube und Feinstnebel in einer Größenordnung von 1 Mikron (Viooo Millimeter) und darunter haben die Eigenschaft, außerordentlich lange in der Luft zu schweben, so daß sie bisweilen weit von ihrem Ent ­ stehungsort fern getragen werden können. Feinste Schwebeteilchen und Nebeltröpfchen weisen eine elektrische Ladung auf. In der Natur sind große Entstehungsquellen für Aerosole auch ohne jedes Zutun des Men ­ schen vorhanden. Die Asche der Vulkane, der Wüstenstaub, jeder sandige Ackerboden kann durch den Wind zerrieben und aufgewirbelt werden. Es ist nicht selten, daß der Schirokko auch die gröberen Anteile des Wüstenstaubes bis nach Sizilien trägt. In der Lunge mancher in der Sahara verstorbener Kamelreiter fand der bekannte französische Forscher Policard feinste Teilchen, welche von den Feinststäuben der Wüste herrührten. Neben den durch Naturereignisse er ­ zeugten Aerosole kom ­ men in den Industrie ­ gebieten und Groß ­ städten die Stäube aus den Kaminen und der maschinellen Verarbei ­ tung in Erscheinung. Während sich die Großstäube in mehr oder minder belästi ­ gender Weise für die Einwohner nieder- schlagen, werden die Feinststäube im großen Luftraum verdünnt. Auch Aerosole aus Flüssigkeiten kommen in der Natur vor: an Wasserfällen, reißen ­ den Gewässern, bei der Meeresbrandung an der Küste. Durch den Wogenschlag auf hoher See kommt es auch zur Bildung von Wassertropfen, deren feinere Anteile zu den Aerosolen gehören. Salz ­ wasserhaltige Aerosole haben die Eigenschaft, stundenlang in der Luft zu schweben; ihre Aus ­ breitung bis tief in das Innere des Landes konnte bestätigt werden, indem man die an Spinnfäden haftenden feinsten Seewassertröpf ­ chen studierte. Diese von der Natur gebildete Aerosole haben eine große Bedeutung. Ohne Aerosole wäre das Leben auf der Erde undenkbar, denn diese Aerosole sind der Grund dafür, daß die auf großen Wasserflächen sich bildenden Wasserdämpfe in weit entfernten Gegenden zum Regen kondensieren. Die Aerosole bilden