11 Der muntere Jubilar war früher eifriger Sän ­ ger — aber heute klappt es leider mit der Puste nicht mehr, so daß er keinem Chor mehr an ­ gehören kann. Die lustige Sängerart hat er des ­ halb aber doch noch nicht abgelegt. Und das ist gut so! * Griesborn — Eisenbahnschacht. Der Arbeits ­ lärm auf dieser Anlage ist verstummt. Wohl ragt noch stolz das Gerüst des Förderturms in den blauen Himmel. Aber es ist nur Attrappe — kein Seil läuft mehr emsig um die Räder, und die Förderkörbe wurden längst verschrottet oder einer anderen Verwendung zugeführt. Dennoch rührt sich auch auf diesem stillgelegten Schacht Leben. Und zwar recht emsiges und rühriges Leben — wenn es auch im ersten Augenblick weniger auffällt. Wir befinden uns inmitten der Lehrlingswerkstätten. Unser Weg führt uns in den Lehrstollen. Ge ­ blendet vom Tageslicht, steigen wir auf einer Leiter in ein dunkles Loch hinab. Knaben ­ stimmen und Axtschläge tönen uns entgegen. Und nun erkennen wir endlich im Licht der Lampen etwa zehn Lehrlinge, die damit be ­ schäftigt sind, unter Anleitung des 56jährigen Ausbildungshauers Heinrich Schweitzer aus Schwalbach Holzstempel zurecht zu sägen oder zu hauen. Hier in diesem Lehrstollen, der in etwa das Bild einer Grube unter Tage wieder ­ gibt, werden die Jungen in vier Wochen auf ihre Tätigkeit unter Tage vorbereitet. Hier er ­ halten sie die letzten Instruktionen bevor sie zum erstenmal einfahren. Unser Jubilar — ein aufgeschlossener Mann, der das Herz am rechten Fleck hat und es tadel ­ los versteht, mit der Jugend umzugehen, führt uns durch den Stollen und erklärt uns, was Grundbedingung ist für die Arbeit unter Tage und die Lehrlinge demnach bei ihm lernen müs ­ sen. Dazu gehört das Stempelsetzen, die „Rutsch" umlegen, Bergeversatz machen, Holz ­ arbeiten aller Art, unfallsicheres Sägen, ziel ­ sicheres Hauen, geschicktes Umgehen mit der Ausbildungshauer Schweitzer (Griesborn) Schaufel, günstiges Tragen von Lasten, Kom ­ mandos geben und anderes mehr. Schweitzer ist den Jungen ein guter Lehr ­ meister, denn er war selbst fast 40 Jahre lang unter Tage tätig. Erst im Jahre 1949 wurde er zum Ausbildungshauer berufen und übt seit vier Jahren diese Tätigkeit mit Erfolg aus. Zu Hause besitzt er noch 50 Ar Land und zwei „Bergmannskühe“. Deshalb kann er, wenn er nach der Schicht nach Hause kommt, noch lange nicht die Hände in den Schoß legen. * Kraftwerk Fenne. Grüne Rasenflächen und blühende Rosen umgeben die imposante Anlage des Kraftwerkes. Gleich am Eingang finden wir Sanitäter Felten (Kraftwerk Fenne) die Arbeitsstätte des 55jährigen Sanitäters Georg Felten aus Bous, der uns freundlich in dem kleinen, sauberen Sanitätsraum willkom ­ men heißt. Der Jubilar macht uns darauf aufmerksam, daß er und seine Kameraden, die in Wechsel ­ schicht arbeiten, damit beauftragt sind, in Un- glücksfällen Erste Hilfe zu leisten und außer ­ dem das Bad sowie die Kaffeeküche zu reinigen und in Ordnung zu halten. Bei der etwa 350 Mann starken Belegschaft gilt es, monatlich 40—60 leichtere Verletzungen — vor allem Quetschungen und Schürfungen — zu verarzten. Glücklicherweise kam es in den letzten Jahren nicht zu schweren Unglücksfällen. Während der Sprechstunden des Werksarztes assistieren die Sanitäter, und schließlich nehmen sie die Aus ­ gabe, Reinigung und Desinfektion der Staub ­ masken vor, die beim Kesselreinigen getragen werden. Außerdem finden wir in einem der