58 Die Entwicklung der Elektrifizierung unterläge im Saarbergbau Von D i p I. -1 n g. D o 1 i s , Saarbrücken Im Bergmannskalender vom letzten Jahr habe ich unseren Lesern gezeigt, daß kein Grund vorliegt, sich über die Entwicklung der Elektri ­ fizierung unter Tage im Saarbergbau zu ängstigen. Die Regie des Mines de la Sarre hat ihren Spezialisten alle Mittel zur Verfügung gestellt, das zur Elektrifizierung notwendige Material immer wieder zu verbessern im Sinne der Sicherheit für Menschen und Material. Seit 5Vs Jahren geht die Elektrifizierung mit Riesenschritten vorwärts und macht sich beim Bergmann, so wie mir schon oft gesagt wurde, immer mehr beliebt. Dieser ohrenbetäubende Lärm, wie wir ihn bei den Preßluftmotoren kennen, fällt bei den Elektromotoren weg. Beim Schrämen mit der Elektro-Schrämmaschine ist die Staubentwick ­ lung viel kleiner, abgesehen davon, daß diese Maschine eine viel größere Schrämleistung hat. Und wie steht es mit der Sicherheit für die Menschen? — wird sich mancher Leser fragen wollen! Mit Genugtuung kann ich Ihnen ant ­ worten: Elektrounfälle kennen wir seit 5 1 /2 Jahren unter Tage praktisch nicht. Tödliche Unfälle haben wir überhaupt bis jetzt noch keine gehabt; drei leichte Verbrennungen an Fingern oder Händen waren zu verzeichnen. -— Ich habe Ge ­ legenheit, oft mit auswärtigen führenden Elektro-Spezialisten von unter Tage in Berüh ­ rung zu kommen. Wenn die Frage der Unfälle gestellt wird und ich diesen Herren das soeben Angeführte mitteile, erscheint ihnen das kaum glaubwürdig. Und doch, meine lieben Leser, ist es die volle Wahrheit Um aber Unfälle zu vermeiden ist es nicht nur notwendig, ein qualitativ gutes Material zu be ­ sitzen, es muß auch überwacht und instand gehalten werden. Schöne Berichte zu schreiben über eine Stö ­ rung oder einen Unfall ist zwar gut und not ­ wendig, aber besser ist es, keine Störung oder Unfall zu haben. — Wir Elektriker von den Saargruben haben uns zum Motto gewählt: Vorbeugen ist besser ais heilen! Aber um Vorbeugen zu können, muß der Elektriker seinen Beruf auf das genaueste kennen oder zum mindesten immer wieder aufs neue danach streben. Die Direktion hat auch hier keine Mittel gescheut, um jedem Elektriker die Möglichkeit zu geben, in welchem Rang er auch stehen mag, seine Kenntnisse zu vervoll ­ ständigen. Gewiß genießt der Elektriker wäh ­ rend seiner Lehrzeit eine hervorragende Aus ­ bildung, sei es in der Berufsschule, im Betrieb, oder sei es für die späteren Aufsichtspersonen in der Bergschule. Das Rad der Entwicklung bleibt aber nicht stehen. Mit diesen Neuerungen das ganze Elektropersonal vertraut zu machen, über vorgekommene Störungen es ständig zu unterrichten, das ist der Zweck der periodischen Schulung. — Wie oft habe ich schon gepredigt und predige es immer wieder aufs neue: Die Schulung ist der erste Sicherheits ­ faktor! Daß wir auf gutem Wege sind, das beweist der außerordentlich kleine Prozentsatz an Elektrounfällen. Inwieweit hat sich nun die Elektrifizierung in den Saargruben entwickelt? Welches war der Stand der Elektrifizierung Ende 1945 und wie war der Stand Ende 1951? Von 1945 bis Ende 1951 hat sich die unter Tage angelegte Leistung an Transformatoren (Leistung der Wasserhaltungen nicht mit einbe ­ griffen) wie folgt verändert: 1945 Ende 1951 Leistungs- Veränderung zwisdi. 1945 und 1951 Kohlengewinnung 5 200 21 600 + 16 400 Vorrichtungen 230 3 400 + 3 170 Blindschachthäspel 2 650 3 700 + 1 050 Schachtbeschickungs- anlagen 5 250 8 360 + 3 110 Elektro-Bahnen 1 300 2 400 + 1 100 Beleuchtung 1 300 1 860 + 560 Total: 15 930 41 320 +25 390 Wie aus diesen Zahlen ersichtlich ist, hat sich hauptsächlich die Elektrifizierung in der Kohlen ­ gewinnung erhöht. Seit 1945 wurden etwa 100 km Hochspan ­ nungskabel neu verlegt und etwa 270 km Niederspannungskabel. Die Motorenleistung ging von 9776 kW mit 300 Einheiten auf 35 414 kW mit rund 1300 Ein ­ heiten.