92 Die Rußhütie Von Kurt Hoppstedter I m Jahre 1909 wurde aus den Städten Saar ­ brücken, St. Johann und Malstatt-Burbach die Großstadt Saarbrücken gebildet. Diese vorher selbständigen Städte sind nun zusammenge ­ wachsen und stellen sich heute als verhältnis ­ mäßig geschlossene Siedlung dar. Doch wenn man sich den Stadtplan ansieht, erkennt man, daß verschiedene Stadtteile ihre isolierte Lage noch nicht verloren haben. Nur die Straße zwischen dem bewaldeten Homburg und den Gleisanlagen des Verschiebebahnhofes Saar ­ brücken verbindet Jägersfreude mit der Stadt, und an der sich langhinziehenden Fischbach ­ straße hängt zwischen dem Ludwigsberg und dem Rastpfuhl der Stadtteil Rußhütte und er ­ streckt sich in die Waldungen des Fischbach- tales. Die isolierte Lage dieser Stadtteile ist in erster Linie auf die enge Talbildung des Sulz ­ baches und des Fischbaches zurückzuführen, aber die Struktur dieser beiden Wohnplätze ist doch wenig großstädtisch. Es sind Industrie ­ arbeitersiedlungen mit einem uniformen Cha ­ rakter, die jedoch auch heute noch deutlich er ­ kennen lassen, daß ihre Entwicklung nicht durch das Wachsen der Großstadt bedingt wurde, sondern daß sie sich um eigene Siedlungskerne gebildet haben. Das wollen wir hier für den Stadtteil Ruß ­ hütte, der vor der Bildung der Großstadt zu Malstatt gehörte, untersuchen. Bevor im Fischbachtal die Steinkohlenflöze erschlossen und abgebaut wurden und der Berg ­ bau ihm sein heutiges Gesicht gab, wurde in seinen dichten Wäldern Eisenerz gegraben. In einer hinterlassenen Handschrift, die um 1860 entstand, macht der Saarbrücker Geschichts ­ forscher Köllner folgende Angaben: „Das Fischbacher Tal war in früherer Zeit sehr ergiebig an Eisenerzen, die sich beson ­ ders am waldigen Bergabhange auf der linken Seite dieses Baches vorfanden und häufig dort gefunden wur ­ den. In jener Zeit wurde das Erz ohne weitere Umstände an Ort und Stelle im Freien ge ­ schmolzen, wie aus verschiede ­ nen Schmelzplätzen, die noch vor 50 Jahren (also um 1810) im Rußhütter Wald gegen den sogenannten Entchensbrunnen gefunden wurden und einer großen Menge halb geschmolze ­ nes Erz und Schlacken unzwei ­ deutig hervorgeht. Daß aber hier in diesem Tale ein Hütten ­ werk (Schmelze und Hammer) wirklich bestanden, davon gibt uns nicht nur ein älteres Reper ­ torium des Saarbrück’schen Ar ­ chivs einen Beweis, indem das ­ selbe eines „Malstatter Eisen- und Hüttenwerkes“ gedenkt, sondern auch die Ruinen eines Gebäudes, die 1765 dicht an dem Fischbach zwischen dem jetzigen Dorf Rußhütte und dem Torhaus ent ­ deckt wurde, an welchem man den Wasser- Kanal, die Feuer-Esse usw. deutlich erkennen konnte, sowie ebenfalls eine dort Vorgefun ­ dene Luppe auf ein Hammerwerk hindeutet. Dieses Werk mag beiläufig im Dreißigjäh ­ rigen Krieg in Abgang gekommen sein.“ Diese Angaben hat Ruppersberg fast wörtlich in seine Stadtgeschichte übernommen. Das von Köllner genannte Hüttenwerk hat etwa dort gelegen, wo in der Zeit der letzten Fürsten von Nassau-Saarbrücken eine Mühle entstand, die 1763 als Pulvermühle genannt wird, dann nacheinander Schleifmühle, Loh ­ mühle und Mahlmühle war und noch 1852 als Schleifmühle an der Fischbach existierte. Der Name des Bahnhofes Saarbrücken-Schleifmühle hält die Erinnerung an diese Mühle fest. ■NEUFANG GOLDHALS Fischbachstraße