76 bedeutende Rolle. Aus ihnen werden natürliche Verbindungen aus der Gruppe der Salizylsäuren gewonnen. Heute allerdings werden diese Säu ­ ren meistens auf chemischem Wege hergestellt. Medikamente und Salben gegen Rheumatismus und Fieber, die Salizyl enthalten, sind überall bekannt. Auch die Hausfrau verwendet das Sa ­ lizyl als Konservierungsmittel ihres Einmach ­ gutes. Der in der Rinde enthaltene Bast wurde frü ­ her zu Matten verarbeitet. Das Holz der Weide ist sehr weich, weiß, leicht und biegsam und läßt sich ohne Mühe spalten. Es wird gern zur Herstellung von Schachteln, Kisten, zu Schnitz ­ arbeiten, Holzschuhen und Zahnstochern ver ­ wandt. Der Gärtner nimmt die dünnen Zweige zum Anbinden der Jungbäume an die Pfähle, auch zum Bündeln von Sträuchern, wo gerade die kräftigeren, derberen Weidenruten den Bast ­ faden übertreffen. Durch eine geschickte Dreh ­ bewegung und der damit verbundenen Span ­ nung in den Zweigen wird das Ende der Rute zusammengeschlagen und gibt, gleich einem Knoten, dem Verband einen festen Abschluß. In vielen Dörfern findet man ältere Leute, die für den eigenen Gebrauch, aber auch zum Verkauf, aus Weiden Körbe flechten. Körper ­ behinderte und Blinde lernen in ihrer Aus ­ bildung das Korbflechten und wählen es oft zum Lebensberuf. Mit Vorliebe werden die be ­ kannten, runden Kartoffelkörbe, die ovalen Waschkörbe und die kleinen, mit einem großen Henkel versehenen Obst- oder Pflückkörbe her ­ gestellt. Die weniger wertvollen Körbe werden aus rohen, natürlichen Weiden geflochten, bes ­ sere fertigt man aus entrindeten und hell ge ­ bleichten Ruten. Bei weniger stabilen Körben werden die Weiden gespalten, und aus ihnen werden hübsche Einkaufskörbe in den verschie ­ densten Formen und Flechtmustern hergestellt. Die Korbflechterei des Bauern gehörte zu sei ­ ner Winterarbeit. Wenn der Frühling durchs Land zieht und die Weidenkätzchen verblüht sind, wenn der Saft steigt und die Blätter sich an den Büschen ent ­ wickeln, dann beginnt die Jugend sich mit den Weiden zu beschäftigen. Um die Pfingstzeit lie ­ fert der Weidenbusch die Musikinstrumente zu den Umzügen der alten Volksbräuche. Die Ju ­ gend versteht es durch Klopfen der Rinde und gleichmäßiges Drehen des Holzes diese vom Holz zu lösen. Es wird herausgezogen und das Rohr dient als eintöniges Blasinstrument. „Huppe" oder „Huppert" nennt man die ein ­ fachste Form. Je nach Dicke und Länge werden dem Instrument durch kräftiges Blasen hohe oder tiefe Töne entlockt. Windet man, um den Ton zu verstärken, die abgeschälte Rinde eines ande ­ ren Holzes trichterförmig um die „Huppe", ent ­ steht eine Schalmei, die „Taratsche“, die nicht mehr ein Musik- sondern ein Lärminstrument ist. Es können auch wohltönendere Pfeifen aus Weidenholz hergestellt werden, doch gehört dazu schon mehr Geschick. Diese Naturinstru ­ mente sind nur bei starkem Saftstand aus ast ­ freien Trieben mit Erfolg zu machen. Je nach der Gegend werden während des Klopfens mit dem Taschenmesser oder mit einem glatten Holz lustige Saftlösereime gesprochen. Auch im Kinderlied hat die Weide ihren Platz eingenommen. In einem Versehen, das be ­ stimmt einen sehr alten Ursprung hat, heißt es: „Hoppe, hoppe, Rößje, dort owe steht e Schlößje, gugge drei Madamme raus. Die eine spinnt Seide, die anner wiggelt Weide, die dritte macht e rote Rock for de liewe Herrgott!" So liebenswürdig die weißen Weidenkätzchen und die schon früh im Jahr mit einem licht ­ grünen Schleier umhangenen Weidenbüsche am Bache sind, so schwermütig sind die düsteren Volkserzählungen und Geschichten, die sich mit den verkrüppelten, kopfartigen Kronen alter, verschnittener Weiden verbinden. Ihre Woh ­ nung im Talgrund, die die Dämmerung und die Morgenfrühe mit Nebelschleiern verhüllt, wirkt geheimnisumwoben. Dort, wo Binsen, hohes Schilf und im Morast Erlen und Weiden wachsen, kann es nicht geheuer sein! Sagen und Spukgestalten werden an diese Orte ge ­ bannt. Es ist das Gespensterreich des Erlkönigs. Die Weide ist der Unglücksbaum, an dem sich Judas erhängt hat. So ist unsere Weide ein Baum, der im Volks ­ leben bald eine frohe, bald eine wehmütige und umheimliche Rolle spielt. Ihre natürliche Verbreitung an Wasserläufen, Sümpfen und Schutthalden, in alten Steinbrüchen und auf dem Dorfanger läßt sie nie aus dem Bild un ­ serer Heimatlandschaft verschwinden. mineralreich erfrischend gesund