53 das Handwerkliche weit hinausgehender künst ­ lerischer Ausführung, wie schon im Schloß ­ brandbild Pitz mehr Maler ist als Dryander. Fürst Wilhelm Heinrich Von einem unbekannten Maler Pitzens Saarbrücker Werk ist also erhalten, aber es ist nicht eben umfangreich. Seine in Zweibrücken geschaffenen Werke wurden vor rund 150 Jahren von Christian v. Männlich, dem einst ebenfalls Zweibrücker Hofmaler, dann Generalbaudirektor in Zweibrücken und schließlich Direktor der Münchener Gemälde ­ sammlungen, zum großen Teil nach München gebracht. Man müßte heute den Versuch machen, sie von dort einzutauschen und das Werk Kaspar Pitz’ in Saarbrücken zu konzen ­ trieren. Johann Friedrich Dryander ist zahl ­ reicher vertreten. Spätenstens im Jahre 1956 dürften wir wohl mit einer repräsentativen Gesamtausstellung und hervorragenden Ehrung dieser beiden Saar ­ brücker Maler Pitz und Dryander zu rechnen haben, wenn sie nämlich beide ihren 200. Ge ­ burtstag feiern. Wir stoßen neben diesen Malergrößen auf die Porträts der anderen Großen der Zeit. Da ist Wilhelm Heinrich, Fürst von Nassau-Saar ­ brücken, der Anreger alles dieses spätbarocken Kulturaufschwungs. Das bedeutende Bildnis, das dort nicht das einzige ist, zeigt ihn in den besten Jahren, mit fleischigem und rosigem Gesicht unter der weißen Perücke, als kräftige Gestalt im goldenen Küraß mit himmelblauer Schärpe, goldbesticktem, dunkelblauem Staats ­ rock und großem Ordensstern auf der Brust. Man nimmt das Bild wohl um 1760 an, das wäre im Alter von 42 Jahren. Unbekannt wie bei ihm ist der Maler des Stengel-Porträts, das den genialen Generalbaudirektor des Fürsten etwa um 1750, das wäre mit 56 Jahren, in reich ­ bestickter Weste mit intelligentem Gesicht, kräftiger Nase, zusammengekniffenem Mund und hellen, blauen Augen darstellt. Das sind wahrscheinlich Bilder jener zahl ­ reichen, durchreisenden Maler, die nach Erledi ­ gung ihrer Porträtaufträge wieder abzogen. Oder es sind Bilder derjenigen saarländischen Maler, um die sich noch das Dunkel hüllt und von denen manchmal kein einziges signiertes Bild bekannt ist. Und so stammt schließlich von einem Un ­ bekannten auch jene prächtige Ansicht von Saarbrücken — wahrscheinlich aus dem Jahre 1770 —, die vom Staden aus gesehen ist und den damaligen Gegensatz von barocker Für ­ stenstadt links und in Stadtmauer und Graben noch fast mittelalterlich anmutender Bürger ­ stadt rechts zeigt. Man sollte den jungen Goethe hier zum Bild ­ erklärer nehmen, der im selben Jahre, als das Bild gemalt wurde, die Stadt besuchte, sie sehr ausführlich beschrieb und so über Saarbrücken sagte: „Die Stadt, klein und hügelig, aber durch den letzten Fürsten wohl ausgeziert, macht sogleich Stengelporträt Von einem unbekannten Maler einen angenehmen Eindruck . . . Diese kleine Residenz war ein lichter Punkt in einem so felsig-waldigen Lande." Mit Goethes „Dichtung und Wahrheit" im Gemäldemagazinl Das gibt Maßstäbe, denen man folgen darf.