4.5 Drei repräsentative saarländische Maler Von Dt. Werner S p i 1 k e r , Saarbrücken Nicht nur zur Goethezeit hatte das Saarland tüchtige Künstler, wobei man unter den Malern besonders an die beiden Saarbrücker Johann Friedrich Dryander und Kaspar Pitz denkt. Zwar fiel im ersten Weltkrieg mit dem St. Ingberter Albert Weisgerber eine ganz große Hoffnung, — nicht nur für die saarländische Kunst. In ­ dessen weist das heutige Kunstleben eine über ­ raschende Reichhaltigkeit und Vielfalt auf, die allerdings durch die Gliederung in mehrere Ver ­ einigungen und Gruppierungen nicht gerade übersichtlich geworden ist. Um so glücklicher ist der saarländische Kunstfreund zu preisen, daß er sich nicht lange umzuschauen braucht, bis er solchen Repräsentanten begegnet, die stellver ­ tretend für die ganze lebende Künstlergenera ­ tion stehen können. Nicht, daß sie etwa alle vorkommenden Strömungen in sich verkörperten. Aber ihre Namen haben Geltung. Und hinter ihren Namen steht ihr Werk. Gemeint sind die drei Maler: Richard Becker, Fritz Zolnhofer und Albert Bohn. Sie leben alle drei in Saarbrücken, und will man sie be ­ suchen, braucht man nur wenige Minuten, um vom einen zum anderen zu gelangen. Richard Becker So nahe liegen sie sich in ihrer künstlerischen Welt nicht. Richard Becker ist der älteste unter ihnen und mit seinen 63 Jahren überhaupt der Senior der saarländischen Künstlerschaft, der dem Bund bildender Künstler des Saarlandes präsidiert. Wie jung er aber ge ­ blieben ist, nicht nur in seinen Fähigkeiten als Maler, sondern auch in seinem Aussehen und seiner Energie als Mensch, dar ­ auf dürfen mit ihm alle stolz sein, die sich seiner Führung anvertraut haben. Auch Reisen unternimmt er noch wie der Jüngsten einer, dieser unruhige Entdecker immer neuer mal- würdiger Länder, der gerade seine Koffer für die Balearen- Reise packt, als man ihn noch in letzter Minute in seinem Atelier antrifft. Selten hat es Künstler gegeben, bei denen das Reisen und das Malen so zusammengehören und so in ­ einander verwachsen sind wie bei Becker. Um sich aber zu diesen Malreisen aufmachen zu können, hatte sich der Maler zunächst einmal im Leben und künstlerisch durchzusetzen. Er entstammt einer Bergmannsfamilie und wurde 1888 in Wiebelskirchen geboren. Seine Eltern starben, als er noch nicht ein Jahr alt war, und er bekam Pflegeeltern. Mit ihnen ging er 1900 nach Saarbrücken, wohin sein Pflege ­ vater, ein Lehrer, versetzt worden war. Den ersten Malunterricht bekam der talentierte Junge in der Malschule, die der Münchener Maler und gute Porträtist Hans Heß im Dach ­ geschoß des Museums eingerichtet hatte. Der Pflegevater hatte zwar ursprünglich andere Ab ­ sichten, die aus Richard Becker vielleicht einen Postbeamten gemacht hätten. Bald fand sich der Ausweg, der beide Teile befriedigte: er bezog die Staatliche Kunstschule in Kassel und wurde Zeichenlehrer. Aber sein Ziel war, endlich als freier Künstler zu schaffen. Er setzte sein Studium an den Kunstakademien Berlin und Rom fort. Die 1926 in Saarbrücken ausgestellten italieni ­ schen Landschaften erregten Aufsehen. Zwei ­ einhalb Jahre lebte er in Paris. Dann kamen die Normandie, Südfrankreich, Korsika, Sizilien und Tunis. Richard Becker hat keine seiner Landschaften oberflächlich eingefangen oder nur zur Erinnerung notiert. So wird die von innen heraus begriffene Landschaft auch innerlich in Besitz genommen und zu seinem persönlichen Erlebnis. Dadurch auch hat er sich unter den Landschaftsmalern einen ganz persönlichen Stil erworben. Landschaften, die er liebt, malt er Provemalische Landschaft Ölgemälde von Richard Bedte?