26 in der Lehrwerkstatt in Heinitz, um das Schlosserhandwerk zu erlernen. Eine von Lhlickers verheirateten Töchtern ist gerade da ­ bei, dem jüngsten der acht Enkelkinder das Gesicht abzuwaschen. Als echtes Bergmannskmd hat sich das kleine Mädelchen schon beim Ein ­ schippen der Kohlen in den Keller nützlich ge ­ macht. Nun aber betrachtet es mit ängstlichen Augen den Kameramann, der es mit dem Groß ­ vater aufnehmen will. Die Kohle ist ihm un ­ bedingt sympathischer als der schwarze, un ­ heimliche Kasten des Photographen. Ehlicker, aus einer alten Bergmannsfamilie stammend (Vater und Großvater waren beide Bergleute), ist bereits 40 Jahre lang unter Tage tätig. 1910 fuhr er an und wurde nach kurzer Tätigkeit in der Sieberei unter Tage verlegt, wo er zunächst als Schlepper, dann als Voll ­ bauer beschäftigt war. Seit 1942 macht er seine Kontrollen als Wettermann. Auf die Frage, was nach der Schicht seine Lieblingsbeschäftigung sei, antwortete er ehrlich — „schlafen“. Und das ist auch selbstverständlich, wenn man 55 Jahre alt ist und 40 Jahre Bergarbeit auf dem Buckel hat. Seine Frau verrät uns aber, daß auch er ein Steckenpferd hatte — seine Brieftauben, mit denen er sich sogar an Wett ­ flügen beteiligte. Als im Krieg die Futter- beschaffung große Schwierigkeiten bereitete, mußten sie leider abgeschafft werden * Weiter geht die Fahrt zur Kokerei Heinitz. Dichte Rauchschwaden über der Anlage — Gas ­ gerüche — an der Teerstation ein Arbeiter, das Gesicht zum Schutz gegen Staub und Dämpfe mit einer weißen Creme verschmiert — und hier die lange Reihe der Batterien. Glühende Hitze. Vor Glut flimmernde Luft. Der Koks ist gar. Die Öfen werden entleert. Arbeiter mit nackten Oberkörpern — in Schweiß gebadet — hantieren mit langen Eisenstangen. Ein Wasser ­ strahl. Zischend aufsteigende, weiße Gischt. Dampf verbirgt die Sicht. Wir gehen eilends unter den heißen Öfen hindurch. — An einer der Batterien treffen wir den 55- jährigen D ü t g e Otto aus Elversberg, Arbeiter und Vorarbeiter der ständigen Frühschicht. Ihm fällt die Aufgabe zu, für die Unterhaltung der Öfen zu sorgen, die Leute einzuteilen und evtl, anfallende Reparaturen zu vergeben. Aus der Unterredung mit ihm geht hervor, daß er sich genau im Kokereibetrieb auskennt, mit dem er sich sehr verwachsen fühlt. Er verfügt über ein erstaunliches technisches Wissen, das er sich im Laufe seiner 40jährigen Tätigkeit im Betrieb erworben hat. Dütge hat zwei Jahre lang die Werkschuloberklassen in Neunkirchen besucht, mußte den Schulbesuch krankheitshalber aber aufgeben. Dennoch blieb er bemüht, seine Bil ­ dung zu vervollkommnen. Der Jubilar liest viel. Bevorzugt die einschlägige Fachliteratur, ist u. a. auch Abonnent des „Kosmos" und Mitglied der Saarländischen Buchgemeinschaft. Dütge inter ­ essiert sich nicht nur für die Klassiker, sondern auch für die moderne in- und ausländische L.i‘e- Vorarbeiter Otto Dütge. Dütge (rechts) erteilt einem Arbeiter der Kokerei Anweisungen ratur. Doch ist er weit davon entfernt, sich einseitig zum Bücherwurm entwickelt zu haben. Nach seinen Aussagen ist er „Sportfanatiker" — wenn auch kein ausübender Sportler —, der vor allem Fußballspiele mit regem Interesse verfolgt. Sein Wunsch für die Zukunft: daß der Sohn des verstorbenen Bruders, den er an Kindes Statt angenommen hat, zu einem ehrlichen, braven Menschen heranwachse, der die Arbeit schätzt. Der Junge besucht die höhere Schule und soll einmal Architekt werden. * Der Vorarbeiter Dütge begleitet uns zum Kohlentransportband. Von seinem Arbeitsplatz aus luftiger Höhe kommt der 57jährige Koll- m a n n Wilhelm aus Spiesen herab. Wir unter- M aschinist Wilhelm Kollmann am Transportband der Kokerei halten uns miteinander beim monotonen Ge ­ räusch des Transportbandes, das in stetem Fluß die zermahlenen, zur Verkokung vorbereiteten Kohlen den Sammelbehältern zuführt, von