2 17 Fortschritte der Elektrifizierung bei den Gruben der Regie des Mines SICHERHEIT Fast alle Leser unseres Bergmannskalenders haben schon gehört oder gesehen, daß die Ab ­ baubetriebe unter Tag immer mehr elektrifiziert werden. Mancher Bergmann, aber auch manche Bergmannsfrau, stehen mit Bangen dieser neu ­ zeitlichen Entwicklung gegenüber. Wir möchten in den wenigen Zeilen, die uns zur Verfügung stehen, versuchen, Ihnen, liebe Leser, zu zeigen, daß die Elektrizität, wenn der Fachmann sie zu bändigen versteht und der Bergmann ihm dabei behilflich ist, im Grunde ein friedliches Arbeits ­ tier ist. Welche Rolle spielt nun die Elektrifizierung bei der Modernisierung unserer Gruben? Die Welt ist im Laufe der Zeiten nicht auf einer Entwicklungsstufe stehen geblieben. Unsere Urahnen bebauten noch die Erde mit einem ge ­ krümmten Holzstück. Wir aber bedienen uns heute hochdurchdachter Maschinen. Im gleichen Maße hat sich auch der Bergbau entwickelt. Um unsere Kohle verkaufen zu können, müssen wir auf dem Weltmarkt konkurrenzfähig sein. Um aber konkurrenzfähig zu sein, müssen die Un ­ kosten für unsere Kohle möglichst niedrig liegen. Wir sind also gezwungen, möglichst wirtschaftlich zu arbeiten; dies wird auch meist durch eine höhere Produktion erreicht. Hierfür gibt es aber nur einen Weg: wir müssen mechanisieren. Wenn Maschinen zum Abbau der Kohle eingesetzt werden sollen, brauchen wir auch die zu ihrem Antrieb notwendige Energie. Diese stand bisher in Form von Preß ­ luft zur Verfügung. Um die wenigen luftange- triebenen Werkzeuge, die bisher unter Tage vorhanden waren, anzutreiben, waren enorme Einrichtungen an Kompressoren und Preßluft ­ leitungen notwendig. Preßluft ist aber teuer, so daß für die neuaufzustellenden Maschinen eine andere, wirtschaftlichere Energieform verwendet werden soll. Der Wirkungsgrad der Preßluft und der Elektrizität ist aus folgender Gegen ­ überstellung zu ersehen: Wirkungsgrad Erzeuger Leitung Arbeitsmaschine Preßluft 0,7 0,6 0,2 Elektrizität 0,9 0,9 0,83 Gesamtwirkungsgrad Preßluft : 0,084 1 Elektrizität : 0,69 8 d. h. die Elektrizitätsversorgung ist achtmal günstiger als die Preßluftversorgung. Weil also beim Betrieb mit Preßluft nur 8,4 %, bei der Elektrifizierung aber 69 °/o der aufgewendeten Energie in Nutzenergie umgewandelt werden, mußte aus wirtschaftlichen Gründen elektrifi ­ ziert werden. Nach dem zweiten Weltkrieg konnte man in den Saargruben unter Tag, mit Ausnahme der Wasserhaltungen, kaum einen elektrisch angetriebenen Motor finden. Heute ist es wesentlich anders. Die Elektrifizierung der Untertagebetriebe haben wir im Mai 1947 begonnen. Bis zum 1. 7. 1951 waren 105 Strebe ganz oder teilweise elektrifiziert, ebenfalls 3 Kammer- und Pfeilerbaubetriebe. Um diese Betriebe elektrifizieren zu können, mußten allein mehrere hundert Elektromotore mit einer Gesamtleistung von 15 200 kW, d. h. 20 700 PS, installiert werden. Für die Abbaubetriebe haben wir Transformatoren mit einer Gesamt ­ leistung von 20 480 kVA im Untertagebetrieb installiert. Diese Leistungen reichen aus, um die zur Zeit in Betrieb befindlichen 326 Bänder, 39 Panzerstrebanlagen mit 74 Antriebsmotoren, 87 Schrämmaschinen, 18 Lademaschinen, 50 elek ­ trisch angetriebene kleine Ventilatoren und 72 Kratzbänder zu betreiben. Da nicht alle Leser des Bergmannskalenders bisher die Möglichkeit hatten einen elektrifizierten Streb kennen zu lernen, möchten wir ihnen nachstehend die elek ­ trischen Maschinen und Schaltgeräte darstellen, die im allgemeinen in den elektrifizierten Ab ­ baubetrieben verwendet werden. Diese sind in den nachstehenden Abbildungen zusammenge ­ stellt. Um die Elektrizität von den Speisepunkten über Tage in die Strebe zu bringen, benötigen wir viele Kilometer Kabel. So wie der Domp ­ teur im Zirkus seine wilden Tiere hinter Eisen ­ gittern bändigt, so hat auch der Elektriker zum Schutz des Bergmannes und zum Wohl der Saargruben die Elektrizität gebändigt. Er muß mit der Elektrizität genau so sicher umgehen wie der Dompteur mit seinen Tieren. Wenn die Elektrizität auf Kabeln durch die Grube geführt wird, benützen wir hierzu ein sicherheitsmäßig ausreichendes Kabel. Dieses Kabel wird an den verschiedenen Be ­ triebspunkten abgesichert. Die Sicherungen dienen dazu, die Elektrizität in dem Augenblick