7 Von der Kohle zur elektrischen Energie Die modernen Arbeiismeihoden des Kraftwerkes Weiher bei Göttelborn Im nachfolgenden soll der Aufbau und die Wirkungsweise eines modernen Dampfkraft ­ werkes (Kraftwerk Weiher) beschrieben werden. Die Erzeugung elektrischer Energie geschieht heute zum allergrößten Teile in Wasser- und Dampfkraftwerken. Während die Wasserkraft ­ werke dort errichtet werden müssen, wo die Natur ausbauwürdige Wasserkräfte darbietet, sind die Dampfkraftwerke auf das Vorhanden ­ sein billiger Brennstoffe angewiesen. Als solche sind vornehmlich Braunkohle und Abfallpro ­ dukte, welche bei der Aufbereitung der Stein ­ kohle entstehen, zu bezeichnen. Letztere bilden ausschließlich die Brennstoffgrundlage der großen Dampfkraftwerke an der Saar. Die nutzbringende Verwertung dieser asche- und wasserreichen Abfallkohle bedingt beson ­ dere Feuerungsanlagen. Im vorliegenden Falle handelt es sich um die Krämermühlenfeuerung, Bauart Borsig. Der Brennstoff fällt durch senkrechte Kanäle in die Kohlenmühlen. Dieselben sind robust ge ­ baute Maschinen, die aus einer durchbohrten kräftigen Welle bestehen, an deren Umfang, wie die Speichen an den Rädern, stählerne Arme beweglich befestigt sind. Sie tragen an ihren Enden sogenannte Schlagplatten aus ver ­ schleißfestem Stahl. Ein Kurzschlußläufermotor mit Tiefnutrotor gibt der Mühle eine Drehzahl von 590 pro Minute. Der Kohlenmühle wird Heißluft von 360 Grad Celsius zugeführt, so daß die hereinfallende Kohle gleichzeitig gemahlen und getrocknet wird. Diese Mühlenluft ist auch der Träger des Kohlenstaubes, welcher in seiner Verbrennungs ­ luft schwimmend, durch Mühlenschacht und Mühlenmaul in den Feuerraum des Kessels ge ­ langt und dort in der Schwebe verbrennt. Mehrere Reihen von Heißluftzusatzdüsen be ­ wirken eine innige Durchmischung des ver ­ gasten Brennstoffes. In dieser Brennkammer des Kessels herrscht eine Temperatur von 1200 bis 1300 Grad Celsius. Die heißen Gase durchströmen nun den Kessel in Richtung Kamin und geben ihre Wärme an die Siede-, Überhitzer- und Vorverdampferrohre ab. Nachdem ihr Wärmegehalt durch die Luft- und Speisewasservorwärmer noch weiter herab ­ gesetzt ist, verlassen sie mit 180 bis 200 Grad Celsius den Kessel. Wie bereits erwähnt, werden in diesen modernsten Feuerungsanlagen Brennstoffe mit niedrigem Heizwert verbrannt. Das bedeutet, daß in unserem Falle in jedem kg des ange ­ lieferten Brennstoffes ca. 18% Wasser und noch 30 bis 35% „Berge" enthalten sind. Dieser An ­ teil ist unverbrennlich und scheidet deshalb wieder als Asche aus den Kesselfeuerungen aus. Durch die Vermahlung des Brennstoffes zu Staub, fällt auch die Asche in entsprechender Form an. Um nun die Trennung der Asche von dem Rauchgasstrom zu erreichen, sind in jedem Kessel Staubabscheider eingebaut. Die Wir ­ kungsweise derselben beruht auf dem Gesetz der Zentrifugalkraft, d. h. der rundgeschleuderte Gasstrom scheidet an seinem äußeren Umfang alle Teilchen aus, die größer als 60 — 0,060 mm und 80% aller Teilchen die größer als 0,02 mm sind. Diese ausgeschiedene Asche wird durch Rohrleitungen nach dem Entaschungsgebäude abgesaugt. Die Hochdruckkessel erzeugen einen Dampf von 60 atü = 60 kg/cm 2 , bei einer Temperatur von 500 Grad Celsius. Derselbe wird durch Rohrleitungen zu den Dampfturbinen geführt. In den Dampfturbinen drückt er auf die ein ­ gebauten Laufschaufeln. Letztere sind kranz ­ artig auf der Turbinenwelle befestigt. Je nach dem zu verarbeitenden Druckgefälle sind bis zu 50 und mehr solcher Laufschaufelkränze hintereinandergeschaltet. Zwischen je zwei Lauf- schaufelkränzen ragt ein an dem Turbinenge ­ häuse befestigter Leitschaufelkranz hinein. Die Leitschaufeln sind entgegengesetzt wie die Laufschaufeln gekrümmt und geben dadurch dem durchströmenden Dampf immer wieder die alte Strömungsrichtung. Kraftwerk Weiher