80 Bus einet alten Gltronik Von Günther Job D er Bergbau an der Saar ist, gemessen an anderen Gebieten mit bergbaulichem Cha ­ rakter, noch relativ jung, und somit stammen alle diesbezüglichen Gesetze und Verordnungen aus der neueren Zeit, wobei die verordnenden Stellen sich die Erfahrungen anderer Bergbau ­ gebiete zunutze machten und auf diesen auf- bauten. Eine der ältesten „Bergk-Ordenungen" stammt aus dem Erzbergbau Sachsen und wurde im Jahre 1589 in Druck gegeben. Von dieser alten Bergordnung liegt uns eine Neufassung und „Neudrude" aus dem Jahre 1775 vor, die außer ihrem bergmännischen Inhalt ein beredtes Zeugnis für das hohe Können der Jünger Guten ­ bergs aus diesem Jahre darstellt. Aber noch viel stärker ist der Eindruck dieser Vorschriften ­ sammlung durch ihre Beweise jahrhunderte ­ alter bergmännischer Traditionen, die sich bis auf den heutigen Tag erhalten haben. Auch die bergbaulichen Begriffe, sowohl für Sach- und Personenbezeichnungen, waren bereits im Jahre 1589 dieselben wie heute. So spricht diese alte Bergordnung schon von „Bergkmeister, Schicht ­ meister, Steiger, Markscheider und Heuern", und für jedes Amt schreibt sie einen besonderen Eid vor. So mußten z. B. die Markscheider folgenden Schwur ablegen: „Ich Schwere, Das ich meinem Gnedigsten Herrn, dem Churfürsten zu Sachsen, etc. (es folgt die ganze Reihe der Adelsprädikate) getrew und gewertig sein, und meines be ­ fohlenen Amptes trewlich und zum fleissigsten abwarten, mich einem jedem auff sein er ­ fordern williglich gebrauchen, und mir an ge- bürlicher gleichmässiger Besoldung begnügen lassen, und niemandes damit vbersetzen, noch auch weder Gunst, Freundschafft, Gifft, oder gäbe, hass, neid, feindschafft oder anders an- sehen will, Sondern getrewlich und also handeln, wie ich es gegen Gott, auch Hoch ­ gedachtem meinem Gnedigsten Herrn, und menniglich mit gutem Gewissen könne ver ­ antworten, Alls mir Gott helffe, und sein heiliges Wort." Die Rechte und auch die Pflichten des Berg ­ meisters werden genau bestimmt und wie er sich bei der Verschiedenartigkeit seines Auf ­ gabengebietes zu verhalten hat. Und all das in der umständlichen und langatmigen Sprache unserer Vorfahren, die uns heute fast fremd er ­ scheinen mag. Jedoch ist auch dies nur ein Be ­ weis, daß die Sprache nicht stillsteht, sondern ein sich laufend erneuernder und verjüngender Organismus ist. Wenn aber in Zechen oder Stollen auf Erz getroffen wird, so durfte der Abbau erst dann begonnen werden, wenn der Bergmeister die Stelle besichtigt hatte, und es folgt die genaue Anweisung an die Steiger, wie das gute Erz wohl zu verwahren sei, damit es dann in ver ­ schlossenen Fäßlein zu den Schmelzhütten ge ­ schafft werde. Nicht nur in technischer Hinsicht ist die „Bergkordnung" aufschlußreich, sondern auch in arbeitsrechtlicher und sozialer Hinsicht eine be ­ deutsame Quelle für die damalige Zeit. Der 69. Artikel schreibt vor „was ein Steiger thun, und wie er sich gegen den Arbeiter halten sol", wobei bereits ein wesentlicher Unterschied ge ­ macht wird, zwischen Heuern, die unverschuldet säumig sind und solchen, die aus bösen Ur ­ sachen in der Schicht säumig waren. Auch soll der Steiger nachmittags nicht auf den Halden, sondern in der Grube zu finden sein. Weiterhin ist vorgeschrieben, daß niemand zwei Schichten arbeiten soll. Es ist interessant, daß schon da ­ mals die Schicht mit 8 Stunden gerechnet wurde und am Tage drei Schichten gefahren wurden. Auf Zechen, wo nur eine Schicht zu verfahren war, durfte hierzu nur die Frühschicht ver ­ wendet werden. Den Gold- und Silberschmieden war es streng untersagt, von Heuern oder anderem Berg- personal Erz zu kaufen, da der Verdacht des unrechtmäßigen Erwerbs nahe lag und für die Übertretung waren harte Strafen angekündigt, da bei diesem Handel dem Landesherrn der „Zehnte" Vorbehalten blieb. Totschläger, die ohne Notwehr gehandelt hatten, mußten sowohl der Stadt als auch der Grube ewig verwiesen werden. Neben allen Lohnbestimmungen, Strafandro ­ hungen und rein rechtlichen Fragen enthält die Bergordnung von 1589 recht bedeutsame Er ­ läuterungen aus der Geschichte des Knapp ­ schafts- und Fürsorgewesens. So ist aus den Verordnungen zu entnehmen, daß bei den Zechen Fonds bestanden, aus denen verun ­ glückten Bergleuten, aber keinen Beamten, da diese meist über eigenes Vermögen verfügten, sogenannte Almosen gewährt wurden. Den Witwen und Waisen tödlich verunglückter Berg ­ leute wurde aus dieser Kasse eine Beihilfe in Höhe eines Vierwochenlohnes gezahlt. Darüber hinaus wurde verordnet: „. . . so ist dessen hinterlassener Witwe und Waysen aus der Knappschaftskasse zu versorgen, bey welcher hingegen desto reichlicher ausgeteilet werden soll, woraus auch anderen Alten und Bergfertigen (beachte die Ausdrücke, die auch