31 Die V orentgasung Beseitigung einer erheblichen Gefahr - ein bedeutender technischer Fortschritt Von Direktor V i d al 1. Die Schlagwetter Unter den Gefahren der Kohlengrube sind die Schlagwetter eine der größten und tük- kischsten. Was sind Schlagwetter? Sie sind eine Mischung der Luft unter Tage mit einem brennbaren Gas, Methan oder Grubengas ge ­ nannt, das den Kohlenfeldern entströmt. Die Fig. 1: Normale Verteilung des Methangehaltes im Stoß und in der Kopistrecke Mischung Luft — Methan brennt, wenn sie mehr als 14 Prozent Methan enthält. Zwischen 6 und 14 Prozent jedoch explodiert sie, wenn sie mit einer Flamme oder einem Funken in Berührung kommt. Unter 6 Prozent kann sie nicht brennen und nicht explodieren. Die Schlagwetter oder schlagenden Wetter sind die explosible Mischung. Unsichtbar und geruchlos, erscheinen die Schlagwetter oft dort, wo man sie nicht erwartet. Eine Fahrlässigkeit, ein Augenblick Unaufmerksamkeit, ein Zusammen ­ treffen unglücklicher Umstände genügen dann, eine Explosion herbeizuführen. Dieselbe hat oft die Auswirkungen einer Katastrophe, haupt ­ sächlich dann, wenn sie Kohlenstaubwolken aufwirbelt, die dann ihrerseits explodieren. Um die Entstehung der Schlagwetter zu ver ­ meiden, schreibt die Bergpolizeiverordnung vor, daß die Luft der Grubenbaue im allge ­ meinen nicht mehr als 1 Prozent Methangehalt haben darf. Man zielt auf dieses Resultat hin, indem man genügende Mengen Luft durch starke Ventilatoren, welche mit den Grubenbauen durch sehr breite Strecken verbunden sind, unter Tage führt. Diese Luft neutralisiert das Gas, das ständig aus den Lagerstätten aus ­ strömt, indem sie sich mit demselben mischt. In einigen Fällen jedoch erfolgt das Aus ­ strömen des Grubengases in solch großen Men ­ gen, daß eine genügende Luftzufuhr zur Neu ­ tralisierung desselben nicht möglich ist. In Hirschbach, wo man einen starken Zustrom von Methan voraussah, hat man eine andere Methode versucht. Dieselbe besteht darin, da ­ rauf hinzuwirken, daß ein großer Teil des Gases in solche Strecken austritt, die zu diesem Zweck vorbereitet waren und die mit den sich in Be ­ trieb befindlichen Grubenbauen nicht in Be ­ rührung stehen. Um den Mechanismus der Abführung des Methans gut zu verstehen, ist es notwendig, einige Ausführungen über die Entstehung dieses Gases vorauszuschicken. 11. Entstehung und Ausströmung des Gruben ­ gases Man weiß, daß die Kohlenlagerstätten im Laufe von Millionen von Jahren und unter dem Einfluß gewaltiger Pressungen durch Umwand ­ lung des Holzes vorsintflutlicher Wälder ent ­ standen sind. Im Laufe dieser Umbildung haben sich der Wasserstoff und der Kohlenstoff, die in dem Holz enthalten waren, teilweise ver ­ bunden und einen Kohlenwasserstoff, das Me ­ than, gebildet. Seine chemische Zusammen ­ setzung ist CHi (4 Atome Wasserstoff für 1 Atom Kohlenstoff). Dieses Gas, in zu großer Tiefe gelegen, um an die Erdoberfläche zu ge ­ langen, ist durch die Kohle zurückgehalten. Wie verschiedene Experimente gezeigt haben, befin ­ det sich dasselbe in der Kohle unter einem ungeheuer großen Druck (man hat an der Ruhr bis zu 15 kg und in Belgien bis zu 42 kg Methandruck auf 1 cm 2 festgestellt). Fig. 2: Schema der Rißbildungen längs der Koptstrecke fußstrecke '0.2S% •0,0% Kohle > ßusziohstrom