116 schicht stösst. Der Übergang von öberschall- zu Unterschall-Luftbewegung verursacht längs der Körperflächen starke Schwingungen. In Sturz ­ kampfflugzeugen, bei denen die Bremsen während des Sturzes versagten, haben die Piloten dies fest ­ gestellt, d. h., es reagieren die Steuer nicht mehr, die Flügel werden überbeansprucht, und es ge- Bild 3 Französisches Düsenflugzeug So 6000 hört dann eine grosse Menge Glück dazu, die Maschine noch abzufangen. Diese Gefahren der Schallwand mussten durch Forschung erst er ­ kannt werden. In den Uberschall-Windkanälen werden Flugzeugmodelle einem Luft- oder Gas ­ strom ausgesetzt, welcher durch riesige Kom ­ pressoren bis auf 2.000 m/sec. Geschwindigkeit gesteigert werden kann. Die bisherigen Erfah ­ rungen lassen sich wie folgt zusammenfassen. Die Strömungszone der Schallwand wirkt sich so lange auf das Modell aus, als Teile desselben sich gerade mit Schallgeschwindigkeit bewegen. Nach Überwindung dieser Zone, also bei Ge ­ schwindigkeiten von 1.500 Stdkm. z. B. verhält sich das Modell wieder ruhig, ohne Luftwirbeln ausgesetzt zu sein; allerdings ist nun der Stirn- widerstand grösser als der Auftrieb, d. h. der Flug der Maschine wird hauptsächlich von dem Antriebsmittel, weniger von den Tragflächen abhängig. Daraus folgerte man, dass Flüge in Überschallgeschwindigkeit nur mit aerodyna ­ misch-vollkommenen Modellen, kurzen Flügeln in Pfeilform und starken Raketenmotoren (keine Turbinen) in sehr grosser Höhe bei geringer Luftdichte durchführbar sind. Man darf die Erfindung der Rakete nicht in unser Jahrhundert verlegen; sie ist viel älter. Die chinesischen Feuerschlangen waren nichts anderes als Flugkörper, welche durch Verbren ­ nung von Schwarzpulver angetrieben wurden. Wenn es uns gelingt, die auf einem Körper lastende Schwerkraft durch grössere, entgegen ­ wirkende Kräfte zu überbieten, so haben wir im Prinzip dasselbe, was in der Rakete vorgeht. Sprechen wir vom Gewicht eines Körpers, so ist dies ein Faktor aus Masse X Erdanziehungs- kraft. Wir wissen noch, dass Massen im luft ­ leeren Raum in unseren Breiten mit g = 9 m 81/sec. beschleu- üjkjjü nigt werden. Wenn wir aber eine Masse mit g X 100 beschleunigen, so wird das Gewicht auch 100 X grösser. Wenn ich daher in ei ­ nem Lufttorpedo von 100 kg Ge ­ wicht 1 kg Treibstoff in 2 sec. ver ­ brenne und der Gasaustritt 2.000 m/sec. beträgt, so wird durch den Rückstoss die Schwerkraft aufge ­ hoben, und der Körper kann 2 sec. lang über der Erde schweben. Je grösser das Verhältnis des verbrann ­ ten Stoffes zum Gewicht der Rakete ist, umso stärker wird sie in gegen sätzlicher Richtung der Schwer ­ kraft beschleunigt. Zur Überwindung des Luftwi derstandes muss die Rakete eine Geschossform mit grosser Quer ­ schnittsbelastung besitzen. Zur Korrektur der Flugbahn muss der Schwerpunkt durch Kreisel nach Wunsch sta ­ bilisiert oder verschoben werden können. Zum Flug durch die Atmosphäre müssen Schwanz ­ flossen vorhanden sein. Aus den Faktoren Dauer der Beschleunigung, Endgeschwindigkeit und der Querschnittsbelastung errechnen wir die Flug ­ bahn der Rakete. So erreicht eine V-2 bei 13 to Fluggewicht mit 9 to (68%) flüssigem Treib ­ stoff bei einer Rückstosswucht von 27 to wäh ­ rend 67 sec. ein Flughöhe von 60 km bei 1.500 m/sec. Endgeschwindigkeit. Sodann folgt sie der Wurfparabel der freibewegten Körper (Beein ­ flussung nur durch Erdanziehung, da fast kein Luftwiderstand) und erreicht 185 km Gipfel ­ höhe. Je nach Neigung des Abgangswinkels zur Zielrichtung (der Abgangswinkel kann durch Kreiselverlagerung des Schwerpunktes beein ­ flusst werden) erreicht sie bis zu 320 km Ent ­ fernung. Die Fallkurve ist fast identisch der Steigkurve nach der Verbrennung des Treib ­ stoffes, d. h. die Rakete fliegt mit über 1.000 m/sec. in die Troposphäre ein und bewahrt Überschallgeschwindigkeit bis zum Auftreff ­ punkt. Ihre moralische Wirkung war weniger der Sprengladung von einer Tonne als ihrer ge ­ fährlichen Eigenschaft zuzuschreiben, ohne War ­ nungsmöglichkeit aufzuschlagen. Es herrscht vielfach die irrige Ansicht, dass sich eine Rakete durch Ausdrücken der Verbrennungsgase an der Luftschicht abstösst, dies gilt nur im ersten Au ­ genblick des Riickstosses, dann aber ist die Luft