96 Estephe ergibt der Ertrag von 1000 ha Wein ­ bergen jährlich 10-15.000 Fässer. Das Gebiet «Entre-deux-mers» bringt einen geschätzten Rotwein in der Gegend von Sainte-Foy und auf dem Boden zwischen Bor ­ deaux und Liboume sehr geschätzte Rot- und Weissweine, letztere grösstenteils siisslich, hervor. Das Gebiet Graves trägt auf Sand- und Kiesboden ebenfalls sehr geschätzte Rot- und Weissweine. Man findet ein Minimum von 10° für den Rot- und 12° für den Weisswein. Hier sind es besonders die Domänen um Ressac und Langon, die die besten Weine tragen (Chateau- Haut - Brion, Chäteau-Pape-Clement, Saint- Pierre-de-Mons usw.). Anschliessend finden wir das im Umfang kleine Gebiet von Sauternes, das den be ­ rühmten weissen Bordeaux (er ist in Wirklich ­ keit gelb und ölig) produziert. Nur fünf Ge ­ meinden haben das Recht, ihren Wein als « Sau ­ ternes » zu verkaufen. (Einen « Haut-Sauternes » genannten Wein, welches Etikett man früher häufig auf deutschen Weinkarten sehen konnte, gibt es gar nicht !) Es sind dies : Sauternes, Bommes, Preignac, Barsac und Fargues. Der berühmteste von allen ist der Chateau d ’ Y q u e m. Daneben sind noch fast gleich berühmt die Chäteaux Rieussec und Climens. Für alle diese Weine, die auf Hügeln wachsen und deren Lese die Edelfäule abwartet, fordert man ein Minimum von 12,5° Alkohol, 0,5° Beau- me oder Liqueur und 221 g Traubenzucker pro Liter. Endlich ist noch die Gegend von St. Emi ­ lion hier zu nennen (oberhalb Libourne rechts von der Garonne). Hier wachsen auf Kalkfelsen mit zahlreichen, zu Kellern ausgebauten Grot ­ ten eine Reihe hochgeschätzter Rotweine, de ­ ren berühmtester der Pomerol ist. Bordeaux aber, die Hauptstadt des Landes, ist als Hafen die berühmteste Weinstadt Frank ­ reichs. Hier ziehen sich längs des Quai de Cha- trons die grossen Weinkeller (chais) hin. Es sind eigentlich keine Keller in unserem Sinne, son ­ dern, da der Boden durch das Grundwasser - die Meeresflut macht sich bis über Bordeaux bemerkbar - die Anlage richtiger Keller ver ­ bietet, auf ebener Erde errichtete, langgestreckte, kühle Steinhallen. Hier sind die Kontore der grossen Wein ­ firmen, deren Namen in der ganzen Welt Klang hat und die teils als Eigentümer grosser Do ­ mänen, teils als Aufkäufer ganzer Ernten, jähr ­ lich Millionenbeträge nicht nur umsetzen, son ­ dern auch ins Geschäft stecken (muss doch der gekaufte Wein oft lange Jahre lagern !) — und auch — verlieren können. Ihre Bedeutung für Bordeaux ist so gross, dass man bei der Stadt von zwei Aristokratien spricht, nämlich neben derjenigen der Reeder von der beinahe noch höher angesehenen « aristocratie des füts » (die der Fässer). Es bleibt uns noch übrig, einen kurzen Blick auf die Nebenprodukte des Weines zu werfen, wozu in erster Linie die aus ihm hergestellten Branntweinprodukte gehören. Hier steht an der Spitze der im Departement der Charente ge ­ wonnene und nach seiner Hauptstadt genannte <'Cognac». Hier wird aus den in rund 72.000 ha nach der grossen Reblauskrise müh ­ selig wieder aufgebauten Weinbergen gebauten Reben (einer «Folie blanche» genannten weissen Rebe, die, wenn man sie entsprechend lang schneidet, bis zu 100 hl pro Hektar trägt und deren Alkoholgehalt zwischen 7 und 11 ü beträgt), ein Wein gewonnen, der als solcher ziemlich sauer ist und nicht gerade angenehm schmeckt. Dieser Wein wird nun fast aus ­ schliesslich destilliert, und der gewonnene Wein ­ brand darf 72° Alkoholgehalt nicht übersteigen. Er wird in Eichenfässern gelagert, und während dieser langjährigen Lagerung verliert er einer ­ seits einen Teil seines Alkoholgehalts, gewinnt andererseits die berühmte goldgelbe Farbe (denn nach dem Brennen ist er natürlich wie jeder Branntwein weiss) und infolge des Sauerstoff ­ gehaltes der Luft jenes Bouquet, das in seiner Feinheit an den Geruch der Blüten des Wein ­ stockes erinnert. Die Zufügung von kleinen Mengen Zucker und Karamell, sachverständig vorgenommene Verschnitte mit dem Inhalt an ­ derer Fässer, endlich die Reduktion des Alko ­ holgehaltes durch Zufügung von destilliertem Wasser ergeben einen Cognac von gleichblei ­ bender Güte, dessen Preis je nach dem Alter und dem Ursprung der Reben schwankt. Lediglich der Weinbrand aus dieser Gegend hat das Recht auf den Namen « Cognac » ; und zwar werden 7 verschiedene Sorten unterschie ­ den, die je nach dem Ursprung der Reben be ­ nannt werden und deren beste « Cognac Grande Fine Champagne» und « Fine Champagne» heissen. Ein ähnlicher Branntwein, den jedoch der Kenner im Geschmack ohne weiteres unter ­ scheidet, wird im Gebiete des alten Herzogtums Armagnac, hauptsächlich in den Departements Gers, Landes und Lot-et-Garonne gewonnen. Es ist dies der berühmte Armagnac, dessen Ertrag aber noch nicht t/4 des Cognacertrages ausmacht. Aller anderswo gewonnener Weinbrand darf nur unter dem Namen «Eau-de-vie de vin» ( = Weinbrand) verkauft werden. Endlich wird in allen Weingegenden aus den Rückständen, die nach der Kelterung in der Kelter Zurückbleiben, ein Weintrester gewon ­ nen, der den Namen « Eau-de-vie de marc » hat. Zum Schluss erwähnen wir noch eine sehr wenig bekannte Spezialität der Charente, näm ­ lich einen Aperitif, der hergestellt wird aus einer Mischung des Mostes von frischen Trauben mit Weinbrand. Das Endprodukt, das 18—22° hat, ist ein goldgelbes weinähnliches « Pineau » ge-