85 BLIESKASTEL Vom Römer-Castell zur modernen Qrafenresidenz An der « via regia », jener bedeutenden Heeres- und Verkehrsstrasse, die schon in alter Zeit eine wichtige Verbindung zwischen Metz und Mainz herstellte, hatten die Römer im Tale der Blies als günstigen, die ganze Gegend beherrschenden Stützpunkt das « cas- tellum ad Blesam» angelegt, einen befestigten Platz, der unserem heutigen Blieskastel seinen Namen geben sollte. Dieses Blies-Castel diente naturgemäss auch den späteren Grafen des Bliesgaues, der uns bereits im 8. Jahrhundert als « pagus Blesinsis » begegnet, als Residenz. Das Jiönigsgut wird Qrafenhurg Aus der Geschichte wissen wir, dass deutsche Kaiser aus gegebener Gelegenheit diese oder jene gefährdeten Gebiete ihres ausgedehnten Reiches gelegentlich unter einen ihnen zuver ­ lässig erscheinenden Schutz stellten, wobei ihnen als besonders geeignete Betreuer dieser Bandesteile von jeher die Bischöfe von Metz galten, wenigstens soweit unsere Saargegend in Frage kommt. So ist es durchaus kein eigen ­ artiger Fall, wenn wir erfahren, dass Kaiser Otto I. (936-973) die Bliesgegend dem Metzer Kirchenfürsten Adalböron schenkte, der ihm die Gewähr bot, «chäteau Blieskastel et ses döpendances » in dem erwarteten Sinne zu ver ­ walten und seinen Bewohnern gehörigen Schutz zu bieten. Auf diese Weise erklärt sich dann auch die Tatsache, dass wir während fast drei Jahrhunderten im wesentlichen Grafen von Luneville als Inhaber dieses Königsgutes und damit als Gaugrafen von Blieskastel feststellen. Mit dem Tode des kinderlosen Grafen Renaut de Bitche (1274), — er war ein Sohn des loth ­ ringischen Herzoges Friedrich II., — dem zweiten Gemahl der bekannten Gräfin Elisabeth von Blieskastel, die übrigens als Stifterin von Kloster und Kirche Gräfintal gefeiert wird, entwickelten sich zwischen dem genannten Herzog und dem Metzer Bischof als Lehnsherrn bedenkliche Erbstreitigkeiten. Nun herrschten damals in Lothringen recht verwirrte Verhält ­ nisse ; in den erbitterten Kampf des Herzoges gegen den Bischof und die Stadt Metz waren sozusagen alle Herren der weiten Umgebung verwickelt. Im wechselvollen Spiel von Bünd ­ nis und Entzweiung, von Fehde, Urfehde und Vertrag war hier ein Kampf aller gegen alle ausgebrochen. Kurfürst Balduin von Trier, der den Raum an der Saar möglichst ganz unter seinen Ein ­ fluss zu bringen suchte, verstand es, aus dieser Situation Nutzen zu ziehen, indem er sich bemühte, die Herrschaft Blieskastel zu erwer ­ ben und diese so dem Zugriff des lothringischen Herzoges zu entziehen. In der Verfechtung seiner erhobenen Ansprüche auf Blieskastel hatte der Trierer Erzbischof und Kurfürst tat ­ kräftige Unterstützung bei Graf Walram II. von Zweibrücken gefunden, nicht minder bei dessen Schwager, dem Saarbrücker Grafen Johann I. Walram gelang es, nach längerer Belagerung die Burg Blieskastel einzunehmen und zu zerstören, nachdem bereits Richard von Blieskastel gelegentlich eines Ausfalles anfangs 1338 in die Hände der Zweibrücker gefallen war. Auf diese Weise kam Blieskastel in kurtrieri- schen Besitz. Wohl in Anerkennung für dje geleistete Hilfestellung übertrug Balduin die Verwaltung der nunmehrigen « Herrschaft Blies ­ kastel » seinem wackeren Gefolgsmann Walram, der die Burg mit Zustimmung des Metzer Lehnsherrn und des Trierer Erzbischofes als Lehnsträger wieder aufbaute. Im Jahre 1356 dann, als Boemunt aus dem Saarbrücker Burg ­ mannen- und Adelsgeschlechte den erzbischöf ­ lichen Stuhl in Trier einnahm, übertrug dieser infolge Erledigung des bisherigen Lehens die Burg mit allem Zubehör auf Lebenszeit dem Grafen Heinrich II. von Veldenz und dessen Sohn Heinrich. Erneut wurde das Casteilum an der Blies schwer heimgesucht, als Franz von Sickingen gegen den Trierer Kurfürsten von Greiffenklau zu Felde zog, bei welcher Gelegenheit auch das kurtrierische Blieskastel nicht unversehrt blieb. Nach Erstürmung der Burg (1523) liess er den Flecken Blieskastel einäschern ; da dieser aber bald Wiederaufbauer fand, liess der damalige Kurfürst 1533 die Burg wiederherstellen und befestigen. Doch nach eben hundert Jahren, als im Verlaufe des dreissigjährigen Krieges polnische Truppen durch Blieskastel zogen, bedeckten am Ende nur noch Trümmerhaufen