78 NEUES RECHT über Lohn, Gehalt, Arbeits- und Dienstvertrag Mit Wirkung vom 20. November 1947 — dem Tage der Umstellung der Währung von Saar- Mark in französische Pranken — gilt sinnge ­ mäss für die Lohn- .nd Gehaltszahlung aller Belegschaftsmitglieder der Saargruben das für den französischen Bergbau bestehende STATUT DES MINEURS. Der Inhalt und die Aufgliede ­ rung des Statuts gleicht dem Tarifvertrag (Man ­ teltarifvertrag), den die Gewerkschaften des Saargebietes erstmalig am 8. Oktober 1921, mit Erweiterung und Ergänzung vom 1. Mai 1929, mit der Administration des Mines Domaniales de la Sarre abgeschlossen hatten. Mit Verfügung Nr. 47/77, veröffentlicht im Amtsblatt des Saarlandes Nr. 60, hat der Gou ­ verneur de la Sarre unter d°m 18. November 1947 die Lohn- und Gehaltsbeding ngen des Per ­ sonals der bergbaulichen Betriebe im Saarland bekannt gegeben. Der Inhalt dieser Verfügung sowie die Bestimmungen des Statuts für den französischen Bergbau, die jetzt schon im Saar ­ bergbau sinngemäss angewandt werden, sollen nachstehend auszugsweise auf gezeigt und erläu ­ tert werden : Einstellung. Für Neuanfahrende gelten die Bestimmungen der Verfügung vom Tage der Anlegung ab. Die in anderen Betrieben des Steinkohlenbergbaues nachgewiesenen Beschäftigungszeiten werden gleichberechtigt im Saarbergbau in Anrechnung gebracht. Die Neueinstellung der kaufmännischen Ange ­ stellten erfolgt durch Nachweis ng einer ent ­ sprechenden Lehrzeit mit b°standener Prüfung oder durch den Nachweis der Befähigung als Angestellter. Zunächst hat der Neueingestellte eine Probezeit von 6 Monaten zurückzulegen und wird nach entsprechender Eignung nach Vollen ­ dung des 23. Lebensjahres angestellt. Das gleiche gilt sinngemäss für das Aufsichts- persnnal sowie die Techniker. Letztere sollen in der Regel die Bergschule oder eine gleichwertige Schule besucht haben. Den Arbeitern steht bei guten Leistungen und den entsprechenden tech ­ nischen Kenntnissen der Aufstieg z :m Meister oder Pahrhauer oder Steiger offen. Ingenieure und Gleichgestellte werden nach dem für den Bergbau vorgesehenen Ausbil ­ dungsplan und nach Erhalt des erstrebten Diplo ­ mes auf Probezeit eingestellt und nach sechs ­ monatiger Bewährung in der Regel angestellt. Studienfonds. Bemerkenswert ist," dass die Rögie des Mines Kindern von Belegschaftsmitgliedern, welche die entsprechende Vorbildung besitzen und ein Technikum oder die Universität besuchen, um sich für den Dienst im Bergba i die notwendi ­ gen praktischen und wissenschaftlichen Kennt ­ nisse zu erwerben, Studienbeihilfen gewährt. Aroeits- und Vertragsrecht. Hinsichtlich der Erhaltung und der innerbe ­ trieblichen Disziplin sind für Arbeiter, Ange ­ stellte, Ingenieure und Gleichgestellte besondere Bestimmungen im Statut vorgesehen, die der Erhaltung und Garantie der Sicherheit der gesamten Belegschaft und der erfolgreichen Betriebsarbeit dienlich sind. Es ist selbstver ­ ständlich, dass diese Bestimmungen mit den bestehenden arbeits- und sozialrechtlichen und anderen gesetzlich zutreffenden Bestimmungen übereinstimmen müssen. Berufskategorien i.nd Lohn. Die Arbeiter, Angestellten, Ingenieure und Gleichgestellte sind in Berufskategorien einge ­ teilt. Die Löhne und Gehälter sämtlicher Beleg ­ schaftsmitglieder werden unter Zugrundelegung der 1. Kategorie von über oder unter Tage ermittelt. Der Stundenlohn des erwachsenen Hilfsarbei ­ ters über 18 Jahre der 1. Kategorie ist für die Uebertagearbeiter auf 112,5% und für den Un ­ tertagearbeiter auf 132% des Höchstdurch ­ schnittslohnes der Hilfsarbeiter der 1. Kategorie der Metall-Industrie innerhalb der Vergleichs ­ zone Paris abzüglich 5% festgesetzt. Dies bedingt : wenn der Hilfsarbeiter in der Metall ­ industrie Kategorie 1 in Paris z, B. einen Stun ­ denlohn von 50.— Prs. hat, so werden hiervon 5% abgesetzt. 50,— Prs. - 5% ••= 47,50 Koeffizient : >: 112,5 = 5,343 + 47,50 = 52,84 Prs. Stundenlohn. Bei dem Untertagearbeiter gilt nach dem an ­ genommenen Beispiel der gleiche St ndenlohn 47,5 Koeffizient : x 132 = 6,27 gl. 53,77 Prs. Stundenlohn. Die Arbeiter von über Tage sind in sieben und die von unter Tage in sechs Kategorien einge ­ stuft. Die Einstufung erfolgt unter Berücksich ­ tigung der tatsächlich ausgeübten Tätigkeit und unter Berücksichtigung der getroffenen Verein ­ barungen sowie der bestehenden Uebung. Das Aufsichtspersonal und die Techniker unter Tage werden in fünf und das gleiche Per ­ sonal über Tage in sieben St :fen, die mittleren und höheren kaufmännischen Angestellten in neun Stufen eingeteilt. Das Gehalt der Angestellten von über Tage wird berechnet nach dem Arbeitslohn der Kate ­ gorie 1 von über Tage und das Gehalt der Unter- tage-Angestellten nach dem Lohn der Arbeiter von Kategorie 1 unter Tage. Hierbei ist bei der Einstufung sowohl der techn. wie der kaufm. Angestellten in die einzelnen Kategorien die tat ­ sächlich ausgeübte Tätigkeit zu berücksichtigen. Die gleiche Regelung gilt auch für die Inge ­ nieure und Gleichgestellten.