77 Die Gewinnung des Salzes aus dem Sulzbacher Salzbrunnen Von H. KAMMER - Dudweiler/Saar D urch die erfolgte Aufdeckung des Sulz ­ bacher Salzbrunnens im vergangenen Frühjahr dürfte es wohl die Oeffent- liehkeit interessieren, Weiteres darüber zu erfahren. Nach alten Aufzeichnungen muss der Salz ­ brunnen schon vor 1719 existiert haben. Der Chronist schreibt darüber, dass im Jahre 1719 der Salzbrunnen wieder instand gesetzt wurde mit einem Kostenaufwand von 9-10 000 Gulden. 1721 wurde wieder das erste Salz gemacht, aber nur in einer ganz kleinen Pfanne. Die Herstel ­ lung des Salzsuds dauerte bis Ende des Jahres 1722. Es wurden zwei grosse neue Pfannen be ­ stellt, mit einer wurde indessen schon der Anfang gemacht. Der Pfarrer weihte das Salzwerk « in Gegenwart der Herren Käthe und anderer Be ­ dienter » durch Predigt und Gebet ein. Der Pfarrer musste hinfort daselbst wöchentlich eine Betstunde halten, wofür er sein Salz frei hatte, ln allen Gemeinden des Landes wurde im all ­ gemeinen Kirchengebete gebetet : « Du wollest Herr auch die Salzbrunnen im hiesigen Lande segnen, zu dem neu angefange ­ nen Salzwerk Deine Gnade geben und dasselbe zu des Landes Besten erhalten. » Der Chronist schreibt weiter : « Ob aber schon die Salzbrunnen an sich noch ziemlich gut und die Linkosten wohl austrügen, so hat man doch das Salzwasser erst gradieren und von dem wil ­ den oder süssen Wasser abscheiden müssen und zwar mit Hilfe der Pumpen, womit es auf das Gradierhaus getrieben und durch Dornen wieder herunter gelaufen gemacht und also geläutert und zum Kochen tüchtig gemacht worden ■ allein wenn die beste Sommerzeit vorhanden, obschon Salzwasser genug in dem Brunnen ge ­ wesen, so fehlte es an dem Bachwasser die Maschinen zu treiben, weil der dazu gemachte Weiher keinen genügsamen Zufluss hatte, des ­ wegen musste endlich in Anno 1729 das Werk wieder ganz stehen bleiben. Wenn nun nicht ein besserer Künstler über das Salzwerk kommt, so wird es wohl in Ewigkeit nicht mehr aufge- suchet werden. » Der Künstler kam, denn « 1730 wurde von Ihro Hochfürstl. Durchlaucht (Charlotte Amalie, Vormünderin ihres minderjährigen Sohnes Wil ­ helm Heinrich, Regentin von 1728-1738) zur Besichtigung des Salzwerks zu Sulzbach gesandt Herr Joseph Todesko, ehemaliger hochgrätlich- hanauischer Salzmeister zu Nauheim in der Wetterau und nunmehriger hochfürstl. Using - scher Salzdirektor, welcher als ein sehr geschick ­ ter und erfahrener Mann die Sulzbacher Salz ­ brunnen tiefergraben und den dasigen Gradier ­ bau und Sudhaus auf Dudweiler transportieren liess (auf die «Sud» — Sudstrasse—. Jeder alte Dudweiler kennt die Stelle, wo das Sudhaus gestanden hat — auf dem früheren Bachbauer - sehen Anwesen — jetzt Gasthaus Württember- ger Hof.) und das Salzwerk, wie es nun dasteht, in drei Sommern zu Stande brachte. Die Zu ­ leitung der Soole geschah durch hölzerne Rohre. Es wurde auch vom Oberconsistorio zu Usingen befohlen dieses Werk in das öffentliche Gebet einzuschliessen, welches der liebe Gott segnen wolle, weil noch nicht genügsames Wasser vor ­ handen, dasselbe nach dem Gehalte sehr schwach ist und 100 Litr. Wasser 1 Pfd. Salz in sich haben. Das Künstlichste bei diesem Werk ist das sog. Repetierhaus, als welches der Schlüssel zu dem ganzen Werke ist. Nachdem die Salzbrun ­ nen immer ärmer wurden, obschon man an den Unkosten nichts gesparet, auch der obenge ­ nannte Salzdirektor im Frühjahr 1735 seinen Abschied nahm und das Werk nur durch die Arbeiter sollte getrieben werden, so wurde in Anno 1735 sehr wenig und in Anno 1736 in 4 Siedungen fast gar kein Salz gemacht ; des ­ wegen gnädigste Herrschaft vor gute angesehen, dieses so kostbare und doch nicht einträgliche Werk wiederum eingehen zu lassen, welches geschehen Samstag, den 11. August 1736, da man das Bretterwerk in denen Brunnen abge ­ brochen, das daran befindliche Eisen genommen und damit den bisherigen Arbeitern ihren völ ­ ligen Abschied gegeben. Was nun mit den übrigen vielen Gebäuden gemacht werden, dürfte die Zeit lehren. 1738 den 25. Juni sind die Dudweiler Salzgebäude öffentlich versteigert worden und da die Gemeinde gefürchtet, es möchten selbige von Fremden erhandelt werden und also ein klein Dörfchen dahin kommen,. so haben sie sämtlich das Herrenhaus samt Stallung (spä ­ ter Dienstwohnung von Grubenbeamten) und Holzschuppen, die 4 Arbeitshäuser, das Repetier ­ haus sammt den Salzhäusern selbst behalten vor 1000 Thaler. Das Brunnenhaus zu Sulzbach hat der Metzger von St. Ingbert Lauer gesteigt und wird wohl eine Mühle daraus machen, so auch in anno 1739 geschehen (die Gross’sche Mühle). Weil die Dudweiler Gemeinde die gesteigte Salz ­ gebäude nicht bezahlen konnte, hat selbige gnä ­ digste Herrschaft wieder an sich gezogen und die vier kleinen Häuser verkauft an Daniel Rüssel und Heinrich Meinertshagen. Die Gradier ­ häuser wurden an Bürgern und Bauern von Dudweiler versteigt und in anno 1739 meistens abgebrochen und weggeführt. »