38 Die UacUwas-s-wkalasitttyUe an dec Saat 1947 - 1948 Von Hermann B L U M A N N • Ottenhausen D as Jahr 1947, das in seinem Naturablauf derart anormale Wetterveihältnisse und diese mit äussersten Spitzen zeig;e, brachte in seinen letzten Tagen unserer Saarheimat eine bis jetzt in der Chronik nicht vermerkte Hochwasserkatastrophe. Zu Beginn des Jahres 1947 erlebten wir einen ausserordentlich strengen Winter mit starken Schneefällen und Kältegraden bis zu — 18° C, der sich bis gegen Ende Februar hinzog. Anfang März trat dann, hervorgerufen durch Schnee ­ schmelze und starken Regen, ein noch über dem Mittel liegendes Hochwasser ein. Am 6. März 1947 erreichte dieses den Höchststand mit 6,34 m am Saarbrücker Hochwasserpegel, was mehr als 3 m über dem Normalstand waren. Nach anfangs normalem Frühlingswetter trat im Mai bereits trockene, warme Witterung ein. Die nun folgenden Monate brachten uns, bei immer steigenden Temperaturen, in den Monaten Juni bis August Hitzegrade bis zu 36° C im Schat ­ ten mit nur ganz geringen Niederschlägen, den heissesten Sommer seit über hundert Jahren, verbunden mit einer trostlosen Dürre und Miss ­ ernte. Auch der Herbst- brachte nicht den er ­ sehnten Regen, der Boden war bis in den Spät ­ herbst vollständig ausgetrocknet und hart. Erst im Dezember traten grössere Niederschläge in Form von Regen und Schnee auf, die gegen Ende des Monats immer stärker wurden. Die Niederschläge werden durch die Regen ­ höhe ausgedrückt, welche sich auf einer wage ­ rechten Fläche ohne Verlust durch Abfluss, Versickerung und Verdunstung, in einer be ­ stimmten Zeit ansammelt. Zur Bestimmung der Regenhöhe bedient man sich der Regenmesser, die an verschiedenen Orten aufgestellt und gleichmässig beobachtet werden. Die durchge ­ führten Messungen entsprechen 1 mm Regenhöhe = 1 Liter auf 1 Quadrat ­ meter oder 10.000 Liter — 10 Kubikmeter auf 1 Hektar. Von der Wetterwarte St. Arnual und vom Wasserstrassenamt wurden in Saarbrücken fol ­ gende Regenhöhen gemessen: am 27. 12. 47 von 9-21 Uhr = 17,5 mm, in der Nacht vom 27.-28. 12. 47 von 21 bis 9 Uhr = 31,9 mm, am 28. 12. 47 von 9-21 Uhr = 36,3 mm und in der Nacht vom 28.-29. 12. 47 von 21-9 Uhr = 18,5 mm. Dieser hohe Niederschlag mit 104,2 mm in zwei Tagen war fast 2/3 der gesamten Nieder ­ schlagshöhe des Monats Dezember, die 171,2 mm betrug, und noch 25 % grösser als das langjährige Mittel für den Monat Dezember, das mit 82 mm angegeben wird. Diese sturz ­ artigen Regenfälle Hessen die vielen im Nieder ­ schlagsgebiet der Saar liegenden grösseren und kleineren Bäche rasch anschwellen, welche der Saar grosse Wassermengen zuführten. Hierzu trat noch, bei einer plötzlich eingesetzten Er ­ höhung der Temperatur, eine starke Schnee ­ schmelze in den Vogesen ein. Da der Boden in diesen Höhen gefroren und eine Versickerung nicht möglich war, strömten durch die Quell ­ bäche der « Weissen » und « Roten » Saar mit ihren starken Gefällen in rasendem Laufe grosse Mengen Tauwasser der eigentlichen Saar zu. Trotzdem wird das Ansteigen der Hoch ­ wasserwellen auf der französischen Saar weni ­ ger schroff, da ein grosser Teil des Hochwas ­ sers der Quellbäche in drei Sammelweiher (Gondrexange, Stock und Mittersheim) abge ­ leitet wird, um in wasserarmen Zeiten zur Speisung des Rbein-Marne- und des Saarkohlen ­ kanals zu dienen. Erst nach der Mündung der Blies in die Saar ergeben sich die Voraussetzungen für derart katastrophale Hochwasser, wenn die beiden vor ­ her erwähnten aussergewöhnlichen Ursachen un mittelbar zusammen auftreten und die Spitzen der Hochwasserwellen von Saar und Blies sich an der Bliesmiindung gleichzeitig treffen und sich gegenseitig erhöhen. Ausserdem kann die Möglichkeit bestanden haben, dass der Boden gefroren oder der Unter ­ grund durch die grosse Austrocknung im Som ­ mer die Regenmengen in den normalen Grenzen nicht versickern liess, wodurch ein vermehrter Abfluss herbeigeführt wurde. Von weiterem Einfluss auf das Ausmass und die Gestaltung des Hochwassers ist die Grösse des Einzugs- oder Niederschlagsgebietes eines Flusses. Als Niederschlagsgebiet bezeichnet man das Gebiet, in dem von der Wasserscheide — höchste Bergrücken zwischen zwei Einzugsge ­ bieten — die Niederschläge dem Wasserlauf zufliessen. Das Einzugsgebiet der Saar beginnt bereits in den Vogesen. Am Nordwestabhange des Donon