34 Der Bergbau bestimmte seine Entwicklung I n der Reihe der saarländischen Dörfer, deren Entwicklung unzweifelhaft durch den seit dem Jahre 1797 stetig wachsenden Stein ­ kohlenbergbau bestimmt wurde, ist mit in erster Linie die Bergarbeitersiedlung Elversberg zu nennen, jenes Dorf im Kreise Ottweiler, von dem man sagt, dass es die dichtbesiedeltste Gertieinde des Saarlandes — Saarbrücken aus ­ genommen — auf kleinstem Banne des Kreises sei, aber auch jenes Dorf, das innerhalb weniger Jahrzehnte eine solch rasche Aufwärtsentwick ­ lung erlebte, wie wir sie im vergangenen Jahr ­ hundert kaum sontwo antreffen. Ja, noch mehr: die heute so stolze Gemeinde verdankt dem in ihrer nächsten Nähe betriebenen Bergbau ihr Entstehen. Es war vor etwas mehr denn hundert Jahren, als auf dem bewaldeten Höhenrücken des ur ­ alten Dorfbannes Spiesen neues Leben mit einer vielverheissenden Zukunft einzog. Schon bei Gelegenheit der 23. Jahresbefahrung der nahen Grube «König», am 19. Dezember 1843, war der Plan aufgetaucht, im Felde der genann + en Grube einen neuen Förderpunkt zu schaffen, weil man vorauszusehen glaubte, dass die pro ­ jektierte Bahn Forbach-Saarbni^ken-Bexbarh einen regen Verkehr und somit auch eine Söme ­ rung des Kohlenabsatzes mit sich b angen 1 önnö. Und im Jahre 1845 fasste dann der Gedanke Fass, im sogenannten «Holzhauertal», dem südlichsten Ausläufer des Blies f ales nach dem Bildstockzuge, einen Betriebspunkt anzu ­ setzen, um von hier aus die Flöze der Fett ­ kohlenschicht zu erschliessen. Hier hatte man nämlich bei Schürfversuchen dieselben Flöze angetroffen, wie sie auf der Grube «König» abgebaut wurden, man hatte sogar eine grössere Mächtigkeit festgestellt. Unschwer war daher de»- Entschluss, am oberen Ende des « Ho'zhauer- tales» einen Förder- und WasserstoFen über dem höchsten Wasserstande des Neunkirchener Hüttenwerkes am südlichen Talgehänge anzu ­ setzen, um die auf «König» gebauten Flöze querschlägig anzufahren. Wie die Anlage von Gruben von jeher schwie ­ rige und umfangreiche Vorbereitungsmassn?hmen erforderte, so schien es auch hier der Fall zu sein. Nach Erwerb des notwendigen Grund und Bodens konnte am 12. Juli 1847 der geplante Stollen auerschlägig ins Liegende angesetzt wer ­ den. Freiherr von Heinitz sollte diesem mit grossen Erwartungen angehauenen Stollen den Namen geben. Dieser «Heinitz-Stollen», dessen Anhieb mit 11 Mann erfolgte, die aus Schiffweiler und Landsweiler stammten, unter ­ stand, wie oben angedeutet, der Verwaltung von Grube «König» unter dem damaligen Ober ­ geschworenen Busse aus Wellesweiler. Zu dieser Zeit zählte man auf dem mit Wald reich bestandenen Elversberger Höhenrücken nur drei kleine Häuser, unter denen jenes eine beson ­ dere Bedeutung hatte, das einstmals Forsthaus eines Försters des bedeutendsten Saarbrücker Fürsten Wilhelm Heinrich war. So erzählt uns eine gusseiserne Tafel am heutigen Elversberger Bankgebäude ganz kurz, dass dieses Forsthaus, 1756 errichtet, im Jahre 1932 einem Neubau weichen musste. Und wenn wir hier der vor hundert Jahren noch so bescheidenen Wald ­ siedlung das nahe Spiesen mit damals 869 Ein ­ wohnern gegenüberstellen, dann sollten sich die Verhältnisse in dieser Waldeinsamkeit bald von Grund auf ändern. Die ersten im Jahre 1848 geförderten Kohlet? des «Heinitz-Stollens» hatte man zu Verko ­ kungsversuchen nach Grube « König » geschafft, wo man hinsichtlich des Ergebnisses überrascht war. Der erfreuliche Erfolg war denn auch hin ­ reichende Veranlassung, an Ort und Stelle selbst die Ve r knk>mg der in ausgiebigem Masse gefun ­ denen Steinkohle durchzuführen. Man stellte daher im nächsten Jahre in Heinitz zwei Koks ­ öfen des Systems « Schaumburg » auf. Und ein Jahr später ging man daran, die bekannten Flöze «Blücher», «Tauentzien» und «Scharnhorst» aufzuschliessen, abgesehen von weiteren Kohlen ­ flözen, die in Vorrichtung genommen wurden. Der sich lohnende Abbau von weit über 100 000 t bester Kokskohle bereits im Jahre 1850 führte dazu, dass man in kurzen Abständen weitere 74 Koksöfen errichtete und in Betrieb nahm. Angesichts dieser ungeahnt raschen Entwick ­ lung der Heinitzer Anlagen fehlte es naturgemäss nicht an Arbeitslustigen, die aus der näheren und weiteren Umgebung hierhin kamen, um lohnende Arbeit und besseres Brot zu suchen. Wie die Chronisten vermerken, waren unter ihnen auch viele aus der benachbarten Pfalz, die sogar ein Interesse zeigten, sich hier ansässig zu machen. Schwieng schien allerdings die Frage der Unter ­ bringung dieser auswärtigen Belegschaftsmitglie