233 Danach hat ein Versicherter, der bei seiner Rückkehr krank war und sich wohl sofort in ärztliche Behandlung begab, es aber ver ­ säumte, sich rechtzeitig bei der Saarknapp ­ schaft zu melden, wohl den Anspruch auf Krankenpflege. Das Krankengeld ruht je ­ doch bis zum Tage der Meldung bei der Saarknappschaft (§ 216 RVO). b) Anrechnung von Zeiten der Arbeitsunfähig ­ keit oder Behandlungsbedürftigkeit. Die Zeit der Arbeitsunfähigkeit vor der Rückkehr und die Zeit zwischen der Ent ­ lassung aus der Gefangenschaft und der Heimkehr ist auf die Berechtigungszeit an ­ zurechnen. Die bisherige Anordnung, wo ­ nach von einer Anrechnung abzusehen war, wird dahingehend abgeändert, daß eine An ­ rechnung nur erfolgen kann, wenn durch eindeutige Unterlagen Arbeitsunfähigkeit vor der Heimkehr nachgewiesen ist. Ist dieser Nachweis nicht möglich, so sind wie bisher nach § 214 RVO bis zu 26 Wochen nach der Heimkehr die Regelleistungen zu gewähren. Für den Fall, daß offensichtlich während der Gefangenschaft wegen einer Kriegs ­ dienstbeschädigung Arbeitsunfähigkeit be ­ stand, ist die gesamte Zeit der Arbeits ­ unfähigkeit anzurechnen und nach den Richtlinien für die Betreuung von Kriegs ­ beschädigten zu verfahren. c) Weiterversicherung. Als zweites Recht ist den aus Gefangen ­ schaft heimkehrenden Versicherten das Recht der freiwilligen Weiterversicherung nach § 209 a Abs. 3 in Verbindung mit § 313 RVO eingeräumt worden. Danach haben die Versicherten die Mög ­ lichkeit, innerhalb von 3 Wochen nach ihrer polizeilichen Anmeldung die freiwillige' Wei ­ terversicherung zu beantragen. Vorausset ­ zung ist auch hier, daß die Vorversiche ­ rungszeiten von 26 Wochen bzw. 6 Wochen zurückgelegt sind. • d) Sterbegeld. Hinsichtlich des Sterbegeldes ist in Ab ­ weichung von der bisherigen Regelung be ­ stimmt, daß in Fällen, in denen ein in Ge ­ fangenschaft befindlicher Versicherter vor der Heimkehr stirbt, den Angehörigen ein Sterbegeld von 60,00 Mark zu zahlen ist. Wenn der frühere Versicherte nach seiner Heimkehr innerhalb 3 Wochen während des Anspruchs auf die Leistungen nach § 214 RVO stirbt, so steht den Angehörigen das gesetz ­ liche Sterbegeld zu, bemessen nach dem Grundlohn, den der Versicherte vor seiner Einberufung hatte. Ist der Versicherte aber vor dem 31. 8. 1945 gestorben, so besteht An ­ spruch auf das satzungsmäßige Sterbegeld. e) Verfall des Anspruchs. Die unter a und c aufgeführten Rechte der Versicherten verfallen, wenn sie nach der Entlassung aus der Gefangenschaft oder, wenn sie in Lazarettbehandlung standen, nach Beendigung der Lazarettbehandlung nicht innerhalb 3 Monaten heimkehren. Die Ansprüche verfallen weiterhin, wenn die früheren Versicherten vor der Heimkehr eine versicherungspflichtige Beschäftigung übernommen haben oder eine versiche- rungsfreie Tätigkeit ausübten. f) Abmeldung der freiwillig versicherten An ­ gehörigen. Als Besonderheit im Versicherungsrecht enthält die Durchführungsverordnung eine Bestimmung, wonach die Versicherung der Angehörigen von Gefangenen, für die die Fürsorgeverbände die Beiträge zu leisten ha ­ ben, nicht automatisch mit der Einstellung der Beitragszahlung endet, sondern mit der Abmeldung. Die Bezirksfürsorgeverbände sind verpflichtet, diese Angehörigen von Ge ­ fangenen innerhalb von 2 Wochen nach Ab ­ lauf der Unterstützungspflicht abzumelden. Wird diese Abmeldung später vorgenommen, so sind die Beiträge bis zum Tage des Ein ­ ganges der Abmeldung bei der Kasse zu zahlen. Unsere Abteilung Weiterversicherung wurde angewiesen, hierauf genauestens zu achten und im Falle, daß die Abmeldung er ­ folgt, weil Unterstützung nicht mehr ge ­ zahlt wird, die bisher versicherten Angehöri ­ gen von früheren Versicherten durch den Knanpschaftsältesten darauf aufmerksam machen zu lassen, daß sie die Möglichkeit haben, sich auf eigene Rechnung freiwillig weiter zu versichern. Ungerechtfertigte Inanspruchnahme der Kran ­ kenkasse der Saarknappschaft durch beschäf ­ tigte Rentner und deren Angehörige. Die außerhalb des Bergbaues tätigen Rentner sind im allgemeinen bei einer anderen Kasse versichert und haben demzufolge keinen An ­ spruch auf Leistungen der knappschaftlichen Krankenversicherung der Rentner. Um zu vermeiden, daß sie anstatt der zustän ­ digen Kasse die Krankenkasse der Saarknapp ­ schaft in Anspruch nehmen, müssen sie ihre Arztausweiskarten vorn Beginn der Beschäfti ­ gung ab abgeben. Dies ist auch dann erforder ­ lich, wenn die Rente nicht entzogen wird. Zulassung von Kinderfachärzten. Mit Wirkung vom 15. 9. 1946 ab sind mehrere Kinderfachärzte zur Behandlung von Kindern der Versicherten der Saarknappschaft zugelas ­ sen worden. Für Kinder bis zu 6 Jahren kann die Be ­ handlung auf einen von der Grube ausgestell ­ ten Kurschein erfolgen, während für die Be ­ handlung von älteren Kindern ein Überwei ­ sungsschein des Knappschafts- oder Familien ­ arztes erforderlich ist. Wartezeit. Nach § 1262 RVO ist die Wartezeit erfüllt, wenn mindestens 260 Wochenbeiträge entrichtet sind. Sind weniger als 260 Wochenbeiträge auf Grund der Versicherungspflicht entrichtet, so sind 520 Wochenbeiträge erforderlich. Bei der Altersinvalidenrente beträgt die Wartezeit 780 Wochen. Im Bereich der Angestellten- und Knappschaftsversicherung beträgt die Warte ­ zeit 60 bzw. 120 oder 180 Monate. Gemäß § 17 des Gesetzes über weitere Maßnahmen in der Reichsversicherung aus Anlaß des Krieges vom 15. Januar 1941 (RGBl. I S. 34) gilt die Warte ­ zeit als erfüllt bei Versicherten, die während des Krieges als Soldaten gestorben oder infolge einer Beschädigung bei besonderem Einsatz oder bei einer Wehrdienstbeschädigung invalide (berufsunfähig) geworden sind. Diese Bestim ­ mung ist zunächst eng ausgelegt worden (vergl. Erlaß des Reichsafbeitsministeriums vom 24. No ­ vember 1941 — ITa 16570/41 — R ABI 1941 S II 472 — und Rundschreiben des Remhsversiche- rungsamtes vom 29. April 1942 RABl. 1942 S II