144 wir eine astronomische Zahl. Der Vergleich ist überzeugend. Vor allem aber ist diese Energiequelle überall verteilt; es gibt kein Land ohne Windkraft. Heron von Alexandrien beschrieb vor 2000 Jahren bereits Windräder verschiedener Art; sie konnten damals nicht wirtschaftlich ver ­ wertet werden. Segelschiff, Windmühle waren weit wert ­ voller, doch unterlag die Windkraft, obwohl sie billiger war, der Dampfmaschine. Der Mensch wollte nicht auf Wind warten: Zeit ist Geld. Die Windkraftprojekte sehen Höhenwindräder an Strömungsschwerpunkten sowie auf hohen Türmen vor. In 300 m Höhe ist die durch ­ schnittliche Windgeschwindigkeit 10—12 m/sec. Große Flügelräder von 100 bis 150 m Durch ­ messer werden vom Wind in Drehung ver ­ setzt und treiben direkt den Dynamo an. Es sind noch einige Probleme zu lösen, doch bieten sie der heutigen Technik kein Hinder ­ nis. Der Preis des Wind-KW wird auf den Bruchteil des heutigen Strompreises sinken. V/erden die Windkrafträder die äußeren Zeichen der Zukunftwirtschaft sein? Falls nicht noch bessere Energieträger gefunden werden, so ist die Frage zu bejahen. Fast die gesamte Sonnenenergie wird zu Licht und Wärme; unter ihrem Einfluß wer ­ den Jahr für Jahr 50 Billionen Tonnen Koh ­ lensäure zu organischer Substanz, 60 Trillio ­ nen KW — so groß ist die Energiemenge, welche der Erde jährlich von der Sonne zu ­ strömt. Warum sollte es nicht möglich sein, diese Sonnen-KW direkt einzufangen, darüber hat schon Archimedes nachgedacht. Mit riesigen Spiegeln hat man in Ägypten und Mexiko Sonnenwärme gebündelt auf Dampfgenera ­ toren gelenkt, aber die Ausnutzung in der « verlustreichen Dampfmaschine führt nicht zum Ziel. Die General-Electric-Company hat riesige Photozellen gebaut, um die Licht ­ wellen durch das Selenium auf Stromfrequenz herunter zu spannen; doch blieb die prak ­ tische Arbeit nur technische Kuriosität. Die Sonne verliert allein durch Ausstrah ­ lung 60 000 to je Sekunde an Masse. Energie aus Masse ist also das große Geheimnis, das es zu lösen gilt, soll die Energiesorge end ­ gültig behoben werden. Wir haben uns bereits einmal über Atom ­ kräfte unterhalten. Die Freimachung der Kraft, die die Atomteile zusammenschweißt, beschäftigt die Forscher der Erde. Bisher ist es aber nur gelungen, radioaktive Substanzen in Energie umzuwandeln. Unsere Sonne wan ­ delt aber Kohlenstoff, Wasserstoff und andere direkt in Strahlungsenergie, Wie weit sind wir noch davon entfernt? Und mögen noch so zahlreiche Meereskraftwerke, Windkraft ­ räder, Atomkraftwerke entstehen, vielleicht versucht man auch, der statischen Elektrizität Herr zu werden. Millionen von Gewittern durchkreuzen im Jahre die Erdatmosphäre, noch haben wir keinen Blitzakkumulator ent ­ wickelt. Die Natur läßt ihre Nerven spielen, und der Mensch schaut ohnmächtig zu. Es gibt auch für die Freimachung der ganz großen Energiemengen Grenzen, genau wie für unsere Bäume, damit sie nicht in den Himmel wachsen. Die nach uns kommende Generation wird unsichtbare Legionen mobilisieren, die die Kräfte von heute um ein Vieles übertreffen; mögen aber diese Kräfte noch so stark sein, wir selbst bleiben nur ein Stück Natur, eng verbunden mit der Umwelt, gebunden an die ewigen Gesetze der Schöpfung. In diesem Geist wird uns die Energiewirtschaft zum wirklichen Herrn der Erde machen. Von den Anfängen der Kohlenverwertung Von Walter K r e m p, Ottweiler. Der große Dichter und Denker Wolfgang von Goethe schildert uns in „Dichtung und Wahrheit“ II., 10. Buch, die Hilflosigkeit eines saarländischen Alchimisten von dem Sulzbachtal, aus der Kohle bestimmte Neben ­ produkte zu gewinnen. Dieser Chemiker des 18. Jahrhunderts, Herr J. K. Stauf, gehört mit zu den ersten Forschern, die in den An ­ fängen des Kohleveredlungsverfahrens zur modernen Teergewinnung Pate gestanden haben, nachdem bereits etwa 40 Jahre vor ­ her in den schottischen Carron-Werken im Jahre 1730 aus Steinkohle Koks hergestellt wurde. Viele Versuche hatten Enttäuschung gebracht, endlich sollte es gelingen, die mannigfache Kette der Kohleveredlung zu beginnen. Goethe schreibt a. o. O. von einem wunder ­ lichen Mann in Duttweiler (gemeint ist Dud- weiler-Saar), der seine Kraft noch erfolglos an dieser Aufgabe zersplitterte. „Der Mann lebte abseits des Ortes in der Nähe der Kohlengrube am „Brennenden Berg“ — „als wir daran den Weg zur Residenz unseres ein ­ siedlerischen Chemikers verfolgten. Sie liegt zwischen Bergen und Wäldern, die Täler nehmen daselbst sehr mannigfache und an ­ genehme Krümmungen, ringsumher ist der Boden schwarz und kohlehaltig, die Lager gehen zu Tage aus. Ein Kohlenphilosoph — Philosophus per ignem, wie man sonst sagte — hätte sich wohl nicht schickliclier ansiedeln können.“ Seine unzufriedenen Be ­ mühungen, mit seinen unzulänglichen che ­ mischen Kenntnissen nicht zum Ziele zu kommen, und enttäuscht über die mangel ­ haften Resultate der Versuche, trug er dem seltenen nicht geahnten hohen Besuche vor. „Bereitwillig und froh, seine Klagen einem menschlichen Ohre mitzuteilen, schleppte